Über das gesamte Gebiet der Großgemeinde Prichsenstadt verteilt verfügt die Stadt über 33 Bauplätze. Hinzu kommen 36 Grundstücke von Privatpersonen, die bereits daran denken, ihre Grundstücke zu verkaufen. Unterm Strich macht das, wenn alle Baugrundstücke erschlossen sein sollten, 69 Bauplätze. "Das ist nicht wenig", sagte Bürgermeister René Schlehr in der Ratssitzung am Donnerstagabend. Allerdings ist das weder für ihn noch für die Stadträte ein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Eineinhalb Stunden debattierten sie über die Bauplätze in den zehn Ortsteilen. Der Bürgermeister hatte, um auch den neuen Räten einen Überblick zu bieten, eine detaillierte Auflistung erstellt, mit Blick auf die Entwicklung der Bauplätze.

Und die ist dem Bürgermeister so wichtig, dass er noch vor der Sommerpause ein- oder vielleicht sogar zweimal den Bauausschuss  zusammenrufen und notfalls eine Ratssitzung dafür sausen lassen will. Ziel wird es sein, die Situation in den Ortsteilen noch genauer unter die Lupe zu nehmen und Entwicklungspotenzial zu entdecken. Wie zum Beispiel beim Baugebiet Ziegelgärten VII als südliche Erweiterung zu Ziegelgärten VI. Im Flächennutzungsplan sind 27 500 Quadratmeter als reines Wohngebiet ausgewiesen.

Abbiegespur würde sehr teuer werden

Sollte dort gebaut werden, so müsste dieses Wohngebiet auch eine eigene Zufahrtstraße von der St 2420 (Anschluss an und von Wiesentheid) bekommen. Ansonsten müsste das darüber liegende Wohngebiet noch mehr Straßenverkehr in Kauf nehmen. Kommt die Zufahrtstraße, die über die Bahntrasse verlegt werden muss, müsste die Stadt auch auf der Staatsstraße eine Abbiegespur bauen, und die wird richtig teuer: Zu den ohnehin notwendigen gut 300 000 Euro für den eigentlichen Bau verlangt der Freistaat zusätzlich eine Ablöse. "Es ist eine Staatsstraße, und wenn die Stadt dort baut, verlangt der Freistaat die Ablöse, weil er für den Unterhalt verantwortlich ist", so Schlehr. Die dürfte rund 150 000 Euro betragen und die Kosten für eine Abbiegespur auf gut 450 000 Euro hochtreiben. Die Räte diskutierten sehr intensiv eine Lösung für dieses grundsätzliche Problem, und allein der Punkt "Ziegelgärten VII" mitsamt einer benachbarten Fläche von 48 000 Quadratmetern Privatgrund hätte die Sitzung zeitlich sprengen können.

Quer übers Gemeindegebiet bieten sich von Ort zu Ort andere Gegebenheiten. In Stadelschwarzach zum Beispiel existieren acht private Bauplätze, im Januar hatte der Stadtrat die Weiterführung des Baugebietes "Gehäg" neben dem Sportplatz beschlossen. Das Gebiet könnte in zwei Stufen erschlossen werden, wobei auch die Frage nach einem Schallschutzgutachten im Raum stand. Das noch existierende Gutachten sei viel zu alt, so Schlehr, "da haben sich mittlerweile sehr viele Vorgaben wieder geändert".

Kläranalage muss wohl nicht vergrößert werden

In Neuses am Sand besteht für die Stadt die Möglichkeit, mit zwei Grundstückseigentümern über Flächenerwerb zu verhandeln. Dafür müsste der Flächennutzungsplan geändert werden, da die möglichen Flächen nicht als Bauland erfasst sind. Von den fünf privaten Bauplätzen in Bimbach stehen vier durch den Eigentümer zum Verkauf, in Kirchschönbach behalten die Besitzer ihre fünf freien Bauplätze, und im dortigen Baugebiet Krautäcker werden aktuell acht neue Bauplätze erschlossen.

Die Kläranlage übrigens wird, auch wenn noch mehr Bauplätze entstehen, nicht vergrößert werden müssen, so der Bürgermeister in der Bürgerfragerunde. Ursprünglich waren zwei Großeinleiter mit im Boot, "einer ist weg, der andere leitet aktuell nichts ein, und ich bin mir sicher, dass auch bei mehr Einwohnern, die wir uns alle wünschen, die Kläranlage wohl nicht vergrößert werden muss".