Auf den Häusern der Altstadt sind sie verboten. Außerhalb des historischen Ensembles kann sich Iphofens Stadtrat aber durchaus vorstellen, Photovoltaikanlagen auf Dächern zuzulassen. Die Stadt könnte dabei mit gutem Beispiel vorangehen und auf eigenen Gebäuden Solarstrom produzieren. Das hätte in Zeiten von Klimawandel und zunehmender Erderwärmung nicht nur ökologischen Charme, sondern würde sich offenbar auch wirtschaftlich rechnen. So hat Rainer Kleedörfer, Leiter Unternehmensentwicklung beim Nürnberger Energieversorger N-Ergie, dem Stadtrat am Montagabend ein Modell vorgestellt, mit dem Iphofen – wenn auch sehr spät – den Einstieg ins Solarzeitalter schaffen könnte.

Null Investitionen, volle Wirkung: Mit diesem Slogan versucht der Energieversorger, Kommunen für das Projekt zu elektrisieren. Kleedörfer sprach in Iphofen von einer „Win-win-win-Situation“, bei der N-Ergie, Gemeinde und Klima gleichermaßen profitierten. Die Idee dazu lautet so: Sein Unternehmen stellt über einen definierten Zeitrahmen von 18 Jahren die Anlagen zur Verfügung, die Kommunen ihre Dächer, und jedes Jahr werden etliche Tonnen Kohlendioxid eingespart. Der Gewinn für den klimafreundlich produzierten Strom geht komplett an die Kommune. Sie zahlt im Gegenzug eine monatliche Pacht an den Energieversorger, der sich über den vollen Zeitraum um Wartung und Pflege der Module kümmert.

Eine kleine Rendite ließe sich für die Stadt erzielen

Vier städtische Objekte hat die N-Ergie in Iphofen auf ihre Tauglichkeit untersucht, an dreien ließe sich das Ganze umsetzen. Mit den Modulen auf dem Dach wird zunächst der Energiebedarf im eigenen Gebäude gedeckt. Im Falle der Iphöfer Grund- und Mittelschule läge dieser Anteil bei etwa 30 Prozent, den Rest könnte die Stadt vermarkten. Über die Laufzeit von 18 Jahren gerechnet würden 107 000 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom erzeugt, die Rendite der Stadt läge laut Kleedörfer bei insgesamt 23 300 Euro – nicht die Welt, aber immerhin ließen sich damit jährlich auch 46 Tonnen CO2 einsparen. Ein Effekt, der 3710 gepflanzten Buchen entspricht.

Als monatliche Pacht für die Anlage müsste die Stadt der N-Ergie 967 Euro überweisen. Nach 18 Jahren hat die Kommune zwei Möglichkeiten: den Pachtvertrag verlängern oder die Anlage zum Restbuchwert kaufen und weiterlaufen lassen. Durch den Selbsterwerb ließe sich der Gewinn noch einmal deutlich steigern. Technisch könnten solche Dachanlagen heute locker 25 Jahre laufen, sagte Kleedörfer.

Der Effekt auf dem großen Dach der Schule wäre angesichts von 264 Modulen am größten. Auf dem Bauhof könnte ein deutlich kleineres Solarfeld mit 40 Modulen etwa 16 000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen, die Monatsmiete läge hier bei 195 Euro und der Gesamtüberschuss bei 26 300 Euro. Auch beim Feuerwehrhaus im Stadtteil Nenzenheim sei noch ein geringer Effekt zu erzielen: 7000 Kilowattstunden Strom im Jahr, 112 Euro Pacht, 11 000 Euro Überschuss. Nur im Umfeld der Kläranlage Mönchsondheim – dem vierten untersuchten Standort – ließe sich eine solche Anlage nicht wirtschaftlich betreiben, weil dort Bäume die Module verschatten und die Wirkung verringern würden.

Kritik aus dem Stadtrat an Ex-Bürgermeister Mend  

Stadtrat Jürgen Adler fragte nach möglichen Genossenschaftsmodellen, in die auch Bürger mit seriöser Gewinnabsicht investieren könnten. Für eine „adäquate Rendite“, so erwiderte Kleedörfer, seien die Flächen und Anlagen auf den drei Gebäuden zu klein. Dazu brauche es entweder eine Freiflächenanlage auf sieben oder acht Hektar – solchen Anlagen hat Iphofen unlängst eine klare Absage erteilt – oder weitere 30 bis 35 Dachflächen. Für Stadtrat Otto Kolesch ist die Zeit großer Renditen mit Photovoltaikstrom längst vorbei. „Dieses Thema haben wir komplett verschlafen. Josef Mend wollte das in seiner Amtszeit als Bürgermeister nie haben und hat das mit seiner Mehrheit immer weggeblockt.“ Jetzt sei der öffentliche Druck groß, aber die Sache durch deutlich gesunkene Einspeisevergütungen kaum noch wirtschaftlich.

Bürgermeister Dieter Lenzer gab zu bedenken, dass damals auch die Modulpreise weitaus höher gewesen seien. Und: „Wir können das jetzt nicht mehr rückgängig machen.“ Er warb dafür, nach vorne zu schauen und in nächster Zeit „weitere Infos und Fakten“ zusammenzutragen, um darüber zu konkreten Lösungen zu gelangen. Beschlossen hat der Rat vorerst nichts.