Nicht leicht verdaulich, aber spannend und informativ war der Vortrag über die protestantische Union von Hans-Wolfgang Bergerhausen im Segnitzer Gemeindehaus. Er deckte die weitverzweigten politischen Verwicklungen zwischen Calvinisten, Lutheranern, Fürsten und Städten im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges auf.

Union vs. Liga

Im Mai 1608 wurde im ehemaligen Kloster Auhausen die protestantische Union gegründet, ein Bündnis protestantischer Reichsfürsten und Reichsstädte. Unter ihren Mitgliedern fanden sich sowohl Lutheraner als auch Calvinisten wobei der calvinistische Kurfürst von der Pfalz und die lutherische Markgrafschaft Ansbach die dominierenden Kräfte waren. Als Gegenpol hierzu riefen die katholischen Stände und Städte 1609 die Liga aus.

Unionsgedanke sollte europaweit verbreitet werden

Die beiden Fürsten versuchten, die Union zu einem Instrument einer konfessionell geprägten, antihabsburgischen Außen- und Bündnispolitik zu machen. Diese Bestrebungen, den Unionsgedanken auch europaweit zu verbreiten, scheiterten allerdings. Stattdessen rückte das Bündnis in weite europapolitische Verstrickungen mit dem Ergebnis, dass sich die Union im Jahr 1621, nach genau 13 Jahren, auflöste.

Hauptgründe hierbei waren unter anderem die beiden protestantischen Lager der Calvinisten und der Lutheraner, die zwar das selbe Ziel verfolgten, sich aber nicht einigen konnten und allmählich zu Gegenspielern wurden. Ähnlich war das Verhältnis der Städte und der Fürstentümer, die meist ihre eigenen Ziele im Auge hatten.

1614 drohte schon ein europäischer Krieg

Uneinigkeit herrschte bald auch über die Ziele innerhalb der Union. Einerseits wollte man eine friedliche Lösung, andere strebten aber den Krieg an. Bereits 1614 drohte ein großer europäischer Krieg wegen Erbfolgestreitigkeiten. Als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges gilt aber der Prager Fenstersturz im Mai 1618, mit dem der Aufstand der protestantischen böhmischen Stände gegen das Haus Habsburg und somit gegen die Rekatholisierungsversuche des deutschen Kaisers offen ausbrach.

Die größte Katastrophe des alten Reiches

So stand das Scheitern der Union im engsten Zusammenhang mit der größten Katastrophe, die das alte Reich in seiner langen Geschichte jemals erlebte, schlussfolgerte Hans-Wolfgang Bergerhausen.