Ein heißer Freitagnachmittag Anfang August. Draußen gleißt die Sonne von einem wolkenlos blauen Himmel, drinnen, im großen Verwaltungsbau der Alten Schule am Iphöfer Marktplatz, sitzt Dieter Lenzer. Tiefseeblauer Anzug, weißes Hemd, lila Krawatte, am Revers seines Jacketts ein kleiner Anstecker des Stadtwappens. Seit Anfang Mai ist er hier der Chef, Nachfolger des ewigen Bürgermeisters Josef Mend, der drei Jahrzehnte im Amt und für manche Anekdote gut war. Anekdoten, die auch Lenzer erzählen kann – „wenn Sie etwas Lustiges schreiben wollen“. Aber dazu später.

Die Verwaltung ist bereits im Wochenende, Lenzer aber hält die Stellung. An Nachmittagen wie diesen, so sagt er, könne er „Dinge wegarbeiten“. Für Vieles bleibt während der Woche keine Zeit, weil es in einer Stadt wie Iphofen, 4700 Einwohner, sieben Stadtteile, immer etwas zu tun gibt. Deshalb sind wir hier mit ihm verabredet. Um Fragen zu klären wie: Was hat er vor mit dieser Stadt? Wo will er anpacken in den nächsten sechs Jahren? Und wie waren die ersten Monate im Amt?

In größter Hitze kommt Lenzer nicht ins Schwitzen 

Lenzer lässt sich gerne auf einen Spaziergang durch die Stadt ein. Und die Sorge, dass er zu diesem Anlass falsch gekleidet sein könnte, löst sich rasch in Luft aus. Draußen sind es 35 Grad im Schatten, in der Sonne locker zehn Grad mehr, und doch macht Lenzer während des gesamten gut einstündigen Rundgangs keinerlei Anstalten, weder das Jackett noch die Krawatte abzulegen und das Hemd zu öffnen. Man kann selbst in größter Hitze unter prallster Sonne nicht eine Schweißperle auf dem lichten Haupt entdecken – und das ist ja schon einmal eine gute Voraussetzung für diesen Job, den der Bankbetriebswirt von Mitte April an in Teilzeit, „als Praktikant“, ab Mai schließlich in Vollzeit angetreten hat.

Wem es zu heiß ist, der sollte nicht in der Küche stehen. Bei Lenzer hat man nicht das Gefühl, dass ihm im Amt zu heiß werden könnte. Schon zuvor in 18 Jahren als Stadtrat gab es nicht den leisesten Moment des Kontrollverlusts, so selbstbeherrscht bewegte er sich auf dem politischen Parkett, das nun nicht wirklich neu ist für ihn – außer, dass er die Perspektive gewechselt hat. Er ist nun Chef von weit über 100 Angestellten in der Verwaltung, und im Stadtrat schließt er sich nicht mehr nur einer Richtung an, er gibt sie selbst vor. Anders, aber nicht unbedingt schlechter als sein Vorgänger. Lenzer moderiert mehr und monologisiert weniger, er hört mehr zu und mischt sich seltener in die Diskussion ein.

Aufreger-Themen handelt der Bürgermeister routiniert ab

Man kann nicht sagen, dass er einen geruhsamen Start hatte. Gleich in den ersten Sitzungen ging es um Aufreger-Themen wie den Bau von Photovoltaikanlagen in der Flur oder die Sanierung des Kaufhauses Stöhr am Marktplatz. Grundsatzentscheidungen waren da gefragt, und Lenzer setzte sie durch, ohne zu lavieren. Dieser Pragmatismus wird auch in nächster Zeit gefordert sein: etwa wenn es um die Zukunft des maroden Hallenbads geht oder um die millionenteure Weinbergsbewässerung, deren Notwendigkeit nicht jeder der rund 20 Iphöfer Winzer sieht. Für den barrierefreien Bahnhof will er ebenso kämpfen wie für familien- und altersgerechten Wohnraum, wie er auf Initiative der Stadt gerade in der Kirchgasse entsteht – gleich neben seinem Zuhause in der Altstadt, wo drei Generationen harmonisch unter einem Dach leben.

Das größte Projekt aber entwickelt sich zurzeit außerhalb Iphofens. Im Stadtteil Mönchsondheim wird das Gasthaus Goldene Krone unterhalb der Kirchenburg saniert. Und dort, wo einst brüchige Scheunen standen, soll ein Neubau wachsen, in dem Bildungsräume für Museumsbesucher unterkommen. Drei Millionen Euro kostet das Vorhaben, das nur deshalb zu stemmen ist, weil die Stadt zwar nicht die größte im Weinlandkreis Kitzingen ist, aber gemessen an ihrer Einwohnerzahl die wohlhabendste. In guten Zeiten nimmt sie noch immer mehr als 20 Millionen Euro aus Gewerbesteuern ein.

Mit der Pünktlichkeit nimmt es der Neue genauer

Die Zeiten sind zwar nicht die besten, doch Steuereinbrüche wie andere Kommunen muss Iphofen kaum fürchten. Von den 9,5 Millionen Euro, mit denen die Stadt in diesem Jahr rechnet, könnten laut Lenzer am Ende etwa zehn Prozent fehlen. Ein verschmerzbarer Verlust. Der Bürgermeister hakt das unter der Prämisse ab: „Alles im grünen Bereich.“ Um auf dem Laufenden zu bleiben, trifft er sich regelmäßig mit den Leuten aus der Verwaltung. Sie hatten sich daran gewöhnt, dass ihr Chef es mit der Pünktlichkeit nicht ganz so genau nahm. Mend war bekannt für seine Verspätungen. „Ich kann mich an meine erste Besprechung erinnern“, sagt sein Nachfolger mit einem Lächeln. „Ich saß am Tisch – alleine. Das kannten die Mitarbeiter gar nicht, dass es um 10 Uhr losgeht, wenn 10 Uhr ausgemacht war.“