Wenn Thomas Karl, Wetterexperte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, einen Stempel auf das Jahr 2020 machen müsste, wäre das "Deutlich zu warm". Diese Formulierung taucht in dem Jahres-Wetterrückblick bereits für den vergangenen Winter immer wieder auf. Der Januar: deutlich zu warm, plus 3,4 Grad. Dazu unterdurchschnittlichen Niederschlägen, es fehlten 15 Liter. Der Februar: erneut deutlich zu warm, plus 4,7 Grad. Dafür aber 92,8 Liter Regen. Keine Fröste unter minus zehn Grad.

Das Frühjahr 2020 startete mit einem zu warmen März, plus 1,9 Grad und geringen Niederschlägen. Ab Mitte März herrschten trockene Bedingungen mit viel Sonne und Wind für Aussaat von Sommerungen wie Sommergerste, Erbsen und danach auch für Zuckerrüben sowie Sonnenblumen. April: weiter deutlich zu warm, plus 3,1 Grad. Erneut deutlich zu trocken, ganze 35 Liter fehlten.

Der Mai: durchschnittlich Temperatur 13,5 Grad, zu wenig Niederschlag mit nur 41 Liter. Der 11. Mai brachte ergiebigen Niederschlag, in der Nacht zum 12. Mai folgten teilweise starke Nachtfröste, die zu starken Forstschäden in der Wintergerste sowie teils auch im Wein und Obstbau führten.

Der Sommer 2020 startete mit einem etwas zu warmen Juni (plus ein Grad). Insgesamt aber gemäßigte Temperaturen, nur zwei Tage brachten es auf über 30 Grad. Der Juli war um 1,3 Grad zu warm bei gemäßigten Sommertemperaturen, nur ein Tag lag über 30 Grad Celsius. Aber mit nur 13,8 Liter pro Quadratmeter wieder deutlich zu trocken.  

Der August war mit 21,2 Grad deutlich zu warm (plus 3,2 Grad). Insgesamt neun Tage kamen auf über 30 Grad, wärmster Tag mit 35 Grad war der 21. August. Es gab 30 Prozent weniger Niederschlag als im Schnitt. Durch teils trockene und heiße Witterung im Juli und bis Ende August entwickelten sich viele Früchte nur schlecht. September war mit 15,8 Grad um 1,5 Grad wärmer. 

Mit 32 Liter pro Quadratmeter war der September um minus 14 Liter pro Quadratmeter oder circa 30 Prozent zu trocken als der langjährige Schnitt von 45,9 Liter pro Quadratmeter. Somit gab es seit Jahresbeginn 359 Liter pro Quadratmeter, was einem Defizit von 97 Liter pro Quadratmeter entspricht. Oder anders gesagt: Es fehlte der Niederschlag von zwei Monaten.

Der Oktober war mit 10,8 Grad um 1,3 Grad wärmer. Im November war es mit 5,5 Grad wieder um 1,1 Grad wärmer. Mit nur neun Liter pro Quadratmeter Niederschlag ging auch die Trockenheit weiter.

Der Dezember: Mit 3,1 Grad erneut um 1,8 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. Das gesamte Jahr 2020 war somit erneut um zwei Grad wärmer als der langjährige Schnitt. Seit Jahresbeginn fielen in Kitzingen somit 453 Liter pro Quadratmeter. Dies ergibt erneut ein Defizit von 138 Liter pro Quadratmeter nach minus 60 Liter pro Quadratmeter 2019 und minus 137 Liter pro Quadratmeter 2018. Somit muss 2020 wie bereits 2018 und 2015 als Trockenjahr bezeichnet werden.