Als „gesunde Arbeitsgrundlage“ bezeichnete Bürgermeister Peter Kornell das 21,6 Millionen Euro dicke Haushaltspaket, das der Stadtrat am Montag bei nur einer Gegenstimme (Fred Mahler) beschloss. Mit Blick auf teure Investitionen in der Zukunft und weiter dürftige Einnahmen, präsentierte Kornell eine Idee, die die Stadtkasse entlasten könnte – einen Zweckverband der Landkreise Kitzingen, Würzburg und Schweinfurt zum Betrieb des Freibads.

Der Vorstoß hat gute Gründe: Die Kläranlage wird mit über sechs Millionen Euro den Etat der kommenden Jahre belasten, die Generalsanierung des Hallenbades mit bis zu sechs Millionen Euro steht an und wenn noch die Umgehung Volkach-Gaibach mit gut drei Millionen Euro kommt, wird's eng.

Stadt alleine überfordert

„An die finanzielle Grenze“ stößt die Stadt laut Kornell dann, wenn beim Freibad nur die maroden Beckenköpfe für eine Million Euro erneuert würden. Den Rest der Sanierung, noch mal bis zu zwei Millionen Euro, könne Volkach nicht stemmen. Die Stadt tue sich schon jetzt schwer genug, Jahr für Jahr ein Freibad-Defizit von bis zu 300 000 Euro auszugleichen. Rettung könnte der Zweckverband bringen, bei dem Kornell den Kreis Kitzingen und die Nachbarlandkreise mit ins Boot holen will. Bei einem Zweckverband, der das Freibad als „Naherholungseinrichtung“ des weiteren Umkreises betreibe, könne die Finanzierung auf „breitere Schultern“ gelegt werden. Bei einem solchen Projekt einer „interkommunalen Zusammenarbeit“ sei die Chance auf solche Fördermittel groß, „die eine einzelne Kommune gar nicht kriegt.“

Nach diesem Vorstoß äußerten sich die Fraktionen zum Haushalt. CSU-Fraktionschef Heiko Bäuerlein hob den Etat-„Kraftakt“ hervor und betonte, dass im 6,4 Millionen Euro starken Investitionsetat „keine Prestigeobjekte, sondern nur dringend nötige Vorhaben“ zu finden seien. Den Investitionen in Straßenbau und Gebäude sei auch der Kredit von 1,3 Millionen Euro geschuldet.

Als „drängendstes Kostenproblem“ sprach Bäuerlein den laufenden Betrieb der Stadt an und hier speziell die beiden Bäder: „Die Einrichtungen sollen, wenn irgend möglich erhalten bleiben“, so der Fraktionschef. Hier dürfe nichts überstürzt, sondern die Lage wie bei der Sanierung der Hauptstraße „sorgfältig“ diskutiert werden.

Den Nutzen der geplanten Investitionen hob FWG-Fraktionsvorsitzender Herbert Römmelt hervor: „Von allen Ausgaben profitiert die gesamte Bürgerschaft.“ Es müsse aber Aufgabe der Stadträte sein, den Bürgern getroffene Entscheidungen zu erklären und ihnen so „Sicherheit zu bringen.“ Die Etatentscheidung sei ein Kompromiss, aber „er wird die Stadt Volkach weiterbringen“.

Für Augenmaß bei Zukunftsentscheidungen, ausgerichtet an der Finanzkraft, sprach sich SPD-Fraktionschef Dieter Söllner aus. Der appellierte an den Stadtrat, bei künftigen Entscheidungen noch stärker als bisher die Interessen der Ortsteile zu beachten. So müsse alles daran gesetzt werden, Leerstände zu verhindern – beispielsweise durch die Beratung von Verkäufern und Käufern.

Kritisch beleuchtete Bürgerlisten-Fraktionsvorsitzender Jochen Flammersberger die Hallenbad-Sanierung. Die neue Filteranlage sei ein Muss, die Generalsanierung aber berge „unkalkulierbare Risiken.“ Deshalb schlage die BL eine Kombinierung beider Bäder am Standort des Freibads vor. Ein möglicher Betreiber habe schon Interesse gezeigt. Eine Entlastung der Budgets verspricht sich Flammersberger von einer Ortstaxe, die eine Ratsmehrheit allerdings bisher abgelehnt habe.

Eine „Warnung vor den richtig dicken Brocken“ Umgehung, Bäder und Kläranlage kam von Ingrid Dusolt. Die forderte einmal mehr, den Anliegern in der Volkacher Hauptstraße Abschlagszahlungen für die Erneuerungen abzuverlangen. Ihre Idee, dadurch den geplanten 1,3-Millionen-Euro-Kredit für 2015 zu verkleinern, lief wie bisher ins Leere. Der Stadtrat hat längst mehrheitlich anders entschieden.