Bei Sportlerehrungen lobt Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller die ausgezeichneten Sportler traditionell als sportliche Botschafter der Großen Kreisstadt. Mittlerweile hat Kitzingen im Rathaus mit Bürgermeister Stefan Güntner selbst seinen besten Botschafter auf sportlicher Ebene. Bei der Premiere der Triathlon-Meisterschaft der bayerischen Bürgermeister vergangenes Jahr in Dinkelsbühl vertrat Güntner Kitzingen bestens und am Sonntag mischt er wieder bei der Triathlon-Veranstaltung in mittelfränkischen Gefilden mit.

„„Ich mache nur mit, weil ich mich fit halten will und habe keinerlei Ambitionen.“
Stefan Güntner Hobby-Triathlet

Im vergangenen Jahr hatte der 35-Jährige in Dinkelsbühl erstmals einen Triathlon bestritten und gab dabei keine schlechte Figur ab. Als Novize hatte Stefan Güntner unter 34 Kollegen aus bayerischen Rathäusern den elften Platz belegt und war damit zweitbester Unterfranke hinter dem Günterslebener Ortsoberhaupt Michael Freudenberger.

„Nachdem die Einladung ins Rathaus kam, habe ich kurz überlegt und dann die Meldung abgegeben“, sagt der 35-jährige Güntner dieser Redaktion. Er verwertete damit seine eigene Steilvorlage. Denn er hatte einst von der Alten Mainbrücke aus auf den Kitzinger Main-Post-Mainfrankentriathlon blickend unverbindlich geflachst: „Da mache ich auch mal mit.“ Dass der Bürgermeister-Wettkampf in Dinkelsbühl vier Wochen vor dem Kitzinger Sport-Highlight stattfand, passte Güntner ins Konzept. Denn er konnte sich relativ unbemerkt von den Kitzingern der Aufgabe stellen und erste Erfahrungen sammeln, die beim Heimspiel halfen.

In Dinkelsbühl benötigte der Mann mit der sportlich geprägten Vita 1:36,05 Stunden für die Volksdistanz mit 500 Metern Schwimmen im Flussfreibad, 20 Kilometern auf dem Fahrrad und abschließend fünf Kilometern Laufen. Da in Dinkelsbühl damals 34 Grad Celsius vorherrschten – während Kitzingen einen Tag später als „Hitzingen“ mit 40,7 Grad den Hitzerekord aufstellte – war Güntners Premiere umso höher zu bewerten. „Ich mache nur mit, weil ich mich fit halten will und habe keinerlei Ambitionen“, versichert der Jurist, der beim Jobcenter der Stadt Würzburg beschäftigt ist.

Während andere im Leben bisweilen die Vergangenheit einholt, profitiert der gebürtige Siedler aus seiner Jugend. Er glänzte einst als großes Talent im Tennis und schaffte es in der Weltrangliste der männlichen U18 auf Platz 250 – eine Leistung, die keiner Kommentierung bedarf. Später mauserte er sich zu einem der besten Fußballer des Landkreises Kitzingen.

„Dabei kann ich mich fit halten und den Kopf frei bekommen.“
Stefan Güntner über seine Trainingsläufe

Er stieg zum Leistungsträger bei der Fvgg Bayern Kitzingen auf, erlebte den Höhepunkt seiner Laufbahn, als er drei Jahre für den Würzburger FV in der Bayernliga auflief und verstärkte später die Kitzinger Bayern wieder in der Landesliga. Heute fungiert er inoffiziell als sportlicher Leiter bei den Bayern. „Ich halte mich mit Joggen und Radeln fit“, sagt der Vorsitzende des Kitzinger CSU-Ortsverbands, dessen oberste Priorität die Familie hat. Weil er mit seiner Frau das dritte Kind erwartet, hat er heuer fast nichts trainieren können.

Da muss er seine wenigen Einheiten in die Abendstunden verlegen. „Dabei kann ich mich fit halten und den Kopf frei bekommen“, erklärt der junge Familienvater. Er bereitet sich eher punktuell vor wie neulich, als er beim Bonuslauf der VR Bank die fünf Kilometer zweimal hintereinander lief und das Schwitzen locker wegsteckte. Zuletzt absolvierte er zweimal die Fahrstrecke des Kitzinger Triathlons.

Vielleicht kommen dem sportlichen Kommunalpolitiker seine deutschen Tugenden zugute, weiß er doch um die Aufgabe, „sich durchbeißen zu müssen“. Und er ist sich bewusst: Dass vor allem das abschließende Laufen weitgehend eine Willenssache ist. „Mir macht es Spaß, mitzumischen, auch wenn ich mit meinem 1990er-Jahre Fahrrad technisch unterlegen bin“, sagt Güntner, der auch dieses Jahr für das Bürgermeister-Rennen keine großen Ambitionen hat.