Das Dirndl als Standard-Uniform der Deutschen Weinkönigin war bei Renate Schäfer schon Vergangenheit. 1981 wurde das bis dahin für Fototermine obligatorische Trachtenkleid abgeschafft. Landhausmode hieß der Look, den die Astheimerin Renate Schäfer auf ihrem offiziellen Foto als 41. Deutsche Weinkönigin zeigte. Sie erinnert sich noch an die Aufnahmen, denn fürs Foto sollte sie auch eine Jeans anziehen. "Das war 1989 schon gewagt", erinnert sie sich. Schäfers offizielle Aufnahme wurde dann doch die sichere Variante im Kleid. Zwei Jahre später war Lydia Bollig die erste Deutsche Weinkönigin in Hosen. "Aber bei mir haben sie es schon probiert", sagt Schäfer, die sich während des Telefonats mit der Redaktion durch die Königinnen-Ahnengalerie klickt. 

Autopanne im Wald und kein Prinz kam vorbei

Anscheinend war Renate Schäfer ihrer Zeit öfter voraus, auch in Sachen Dienstwagen. Noch als Fränkische Weinkönigin fragte Schäfer bei einem Autohaus nach, ob es sich vorstellen könne, ein Auto zur Verfügung zu stellen. Die Reaktion: Unverständnis. "Jetzt ist es üblich, dass die Königinnen einen Dienstwagen haben", sagt Schäfer, die heute im Raum Stuttgart lebt. Hätte sie ein offizielles Königinnen-Gefährt gehabt, würde sie sich wahrscheinlich nicht mehr so genau an die Eröffnung des Aschaffenburger Weinfestes erinnern: "Das weiß ich noch wie damals", sagt sie und lacht.

Da es vor der Wahl zur Deutschen Weinkönigin – anders als heute – kein Vorbereitungsseminar gab, fuhr die 21-Jährige mit ihrem alten Auto an die Mosel, in die Pfalz und nach Baden. Auf dem Rückweg: der Auftritt in Aschaffenburg. Schäfer erinnert sich an einen schönen Abend. Aber dann: "Kurz nach meinem Aufbruch streikte das Auto. Es war dunkel und ich ganz allein", erinnert sie sich an die Zeit, als es noch keine Handys gab. Und da schon damals nicht immer ein Prinz vorbeikam, wenn er gerade gebraucht wurde, schenkten die Eltern ihrer Tochter ein kurzerhand neues Auto. "Das war dann mein persönliches Königinnen-Auto", erzählt sie.

Apropos Eltern: Ohne sie wäre nichts gegangen. Sie und Edgar Wirsching, der damalige Vizepräsident beim Fränkischen Weinbauverband, unterstützten Renate wo sie nur konnten. Denn neben ihrem Amt als Weinkönigin arbeitete sie weiter fünf Tage im Monat in der Bank. Erst weingesellig unterwegs und dann zurück zu den nüchternen Zahlen – geht das überhaupt? Schäfer lacht. "Ich hatte und habe immer Kontakt zu Kunden", sagt Schäfer, die immer noch für eine Bank arbeitet. "Damals habe ich für den Wein geworben, jetzt für Aktien." Beides gehe nur, wenn man auf Menschen zugehen und sie begeistern kann.

Lieber Strauß als Streibl

Das konnte und kann Renate Schäfer noch heute. Als Deutsche Weinkönigin warb sie unter anderem in Italien, Japan und Singapur für deutschen Wein. Hannelore Kohl lernte sie ebenso kennen wie den Versandhändler Josef Neckermann. Und den bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl, wobei sie lieber dessen Vorgänger, Franz Josef Strauß, kennengelernt hätte. Damals wie heute, so sagt die Fachfrau, ist Wein ein "super Gesprächsthema".

Bedauerlich findet sie, dass sie als Weinkönigin der Wende nicht mehr mit ostdeutschen Winzern reden konnte. "Mehr als eine Stunde im Hotel während der Grünen Woche in Berlin war leider nicht möglich", sagt sie. Viel aus ihrer Amtszeit habe sie vergessen, aber in Astheim, in ihrem Elternhaus, liegen noch viele Erinnerungen an diese "beeindruckende Zeit". Regelmäßig kommt sie in die fränkische Heimat.

Weinköniginnen und Prinzessinnen faszinierten schon die kleine Renate, was aber nicht heißt, dass sie schon als Kind das Ziel hatte, Fränkische oder gar Deutsche Weinkönigin zu werden. Als Astheimer Weinprinzessin entdeckte sie die Freude an diesem Amt. "Bei der Weinprämierung in Würzburg sah ich die Weinkönigin und dachte mir: 'Das ist ein toller Job.' Das will ich auch", erinnert sie sich.

Die Voraussetzungen dafür: Winzertochter,  mindestens 18, ledig und "von gutem Leumund". – "Was auch immer darunter zu verstehen ist", sagt Schäfer lachend. Egal, es klappte und sie machte "auf charmante Weise auf den Wein aufmerksam". "Die Winzer nutzten gerne mich als Werbefigur. Man schaut gerne auf ein nettes Mädchen", sagt die heute 52-Jährige.

Anscheinend gibt es im Landkreis Kitzingen viele nette Mädchen, die vom Wein eine Ahnung haben. Von acht Deutschen Weinköniginnen aus Franken kommen sechs von hier. "Es gibt im Landkreis eben die schönsten Mädels", bemerkt Schäfer trocken. Wie ihre Vorgängerinnen und Nachfolgerinnen betont aber auch Schäfer, dass es mit gutem Aussehen allein nicht getan sei: "Man muss Ahnung vom Wein haben und eine eigene Meinung haben."

Davon überzeugt sich Schäfer noch immer bei der Wahl zur Deutschen Weinkönigin, die im Oktober im Fernsehen gezeigt wird. "Ich fiebere immer mit den Mädchen mit. Die Show gehört eben zum Geschäft", gesteht sie. Einen Tipp für ihre Nachfolgerinnen hat sie auch noch: "Genießt das Jahr und wisst es zu schätzen."

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