Wenn man im Frankenland zu Gast ist, darf eine Weinprobe nicht fehlen. Im Alten Klosterkeller konnte man am Freitagabend eine Weinprobe der besonderen Art erleben: Nach längerer Pause wurde dort wieder einmal das historische Kellerspiel öffentlich aufgeführt. Neben deftigen Sprüchen und einer Einführung in die Stadt- und Weinhistorie wurden dabei auch einige gute Tropfen "Rebensaft" kredenzt.
Von jeher hat der Wein in Kitzingen eine besondere Rolle gespielt. Davon zeugt nicht nur der Alte Klosterkeller hinter dem Landratsamt, der zu den ältesten Weinkellern Deutschlands zählt. 1482 wurde in der Mainstadt auch das erste Fränkische Weingesetz beschlossen, das als erstes deutsches Weingesetz gilt.
Die Kulisse für das besondere Schauspiel war somit perfekt: Dort, wo einstmals fromme Benediktinerinnen ihren Wein ausbauten und das größte Holzweinfass Unterfrankens zu bewundern ist, begaben sich die Besucher auf eine amüsante Zeitreise zurück in die Stadtgeschichte.

Mit Trommeln und Fanfaren

Mit Trommeln und Fanfarenklängen empfing der Kolping-Musik-Corps die Gäste im Innenhof des Landratsamtes, wo sie von Walter Vierrether begrüßt wurden, der ausnahmsweise nicht als "Hofrat", sondern als "Ratsherr" in Erscheinung trat. In Versform berichtete er von der Gründung des ehemaligen Kitzinger Benediktinerinnenklosters, das dort entstanden sein soll, wo der Schleier der Königstochter Hadeloga gefunden wurde. Am Eingang zum Klosterkeller wurden die Besucher vom Kellermeister alias Kurt Gerber in Empfang genommen. Humorvoll erklärte er ihnen das "Kellerrecht" und forderte sie auf: "Wenn´s Euch in unnerm Kaller gfällt, dann erzählt´s der ganzen Welt. Wenn nit, dann lasst ner ab davo´, kommt öfters her und g´wöhnt euch dro."
Mit Fackeln und Trommelklängen ging es hinunter in den von Kerzen beleuchteten Klosterkeller, wo das Schauspiel seine Fortsetzung fand. Als "Herold" verkündete Franz Hildebrand dort das "Erste Fränkische Weingesetz". Dabei erfuhren die Zuhörer, dass der Frankenwein nicht immer so rein wie heute war. Der "Moistgoicker", wie der Weingenießer auf gut fränkisch genannt wird, erzählte dann, was passiert, wenn man zu tief ins Weinglas schaut. Zum Schluss trat das "Kätherle" auf, jene Kitzingerin, die nach der Überlieferung des öfteren zu tief ins Glas geschaut haben soll. Mit humorvoll-deftigen Sprüchen sorgte sie nochmals für Heiterkeit und Gelächter.
Dargestellt wurden die markanten Figuren wie immer von Mitgliedern der Kitzinger Karnevalsgesellschaft. Mehr als 600 Mal haben sie das Kellerspiel seit der Uraufführung im Jahr 1959 bereits aufgeführt. Damals wurde es anlässlich des 1. Fränkischen Narrentages aus der Taufe gehoben, als Karnevalsgesellschaften aus ganz Franken zu einer Tagung nach Kitzingen kamen. Kurt Höcht schrieb seinerzeit die humorvoll-deftigen Mundartgedichte, der damalige KiKaG-Präsident Hans Joachim Schumacher brachte die historische Weinordnung und das Kellerrecht in "mundgerechte" Form.

Große Resonanz

Die "Uraufführung" fand im Weingut Meuschel statt. Später wurde das Kellerspiel auch in anderen Kitzinger Weinkellern und schließlich im Alten Klosterkeller aufgeführt. Vor allem in den Anfangsjahren war die Resonanz "sehr groß", berichtet der 82-jährige Kurt Braun, seit mehr als 40 Jahren Regisseur des weinseligen Spektakels. Vom Kirchenchor bis zur Bayerischen Malerinnung, vom Präsidium des Bundes Deutscher Karneval bis zu den Direktoren der Firma Haribo - Menschen aller Couleur waren in den vergangenen Jahren zu Gast.
Noch immer werden die Auftritte der KiKaG-Mitglieder gerne gebucht, meist für Vereins- und Firmenausflüge, gelegentlich auch zu privaten Anlässen. Üben müssen die Akteure nicht mehr viel. "Wir sind seit Jahren eine feste Truppe. Jeder kennt seinen Text", erklärt Braun. So wie Kurt Gerber. Seit 22 Jahren spielt der 73-Jährige den "Kellermeister". Wie er dazu kam? "Ich habe dem ehemaligen KiKaG-Präsidenten Norbert Schober früher ab und zu eine witzige Urlaubskarte geschickt", erzählt er. "Eines Tages kam er zu mir und hat gesagt: ´Du scheinst der richtige Kellermeister zu sein`."
Auch Walter Vierrether gehört zu den "alten Hasen" - seit 28 Jahren macht der Leiter der Kitzinger Tourist-Info beim Kellerspiel mit. Meist führt er die Besucher als "Ratsherr" durch den Klosterkeller und erzählt Interessantes und Amüsantes rund um den Frankenwein. Gerne wäre er auch einmal der "Moistgoicker" gewesen, verrät er. "Der gefallert mir. Der is´ so richtig schö´ frängisch." Aber leider, so fügt er schmunzelnd hinzu, fehlten ihm die "entsprechende Leibesfülle und die Mostflecken auf der Nase und auf den Backen".
Nachdem das Kellerspiel in den letzten Jahren nur noch auf Bestellung zu sehen war, wurde es am Freitag erstmals wieder öffentlich veranstaltet. Dass sich dazu nur ein kleines Häuflein Besucher eingefunden hatte, fand KiKaG-Zeremonienmeister Franz Hillebrand nicht weiter tragisch. Die Veranstaltung sei schließlich erst vor zwei Wochen angekündigt worden - für die zweite öffentliche Veranstaltung am 19. Juli lägen bereits etliche Anfragen vor.

Frankenwein schmeckt sowieso

Diejenigen, die der Einladung gefolgt waren, waren begeistert. So wie Gudrun Schröder. "Das war bestimmt nicht das letzte Mal. Wenn ich Besuch habe, komme ich bestimmt wieder einmal hierher", erklärte die Kitzingerin bei der abschließenden Weinprobe. Damit bestätigt sie die Erfahrungen von Kurt Braun: "Ich habe noch keinen gehört, der gesagt hat, dass ihm das Kellerspiel nicht gefallen hat. Und der Frankenwein schmeckt sowieso. Da brauchen wir nicht drüber reden."



Termin Am 19. Juli wird das historische Kellerspiel noch einmal öffentlich im Alten Klosterkeller aufgeführt. Beginn ist um 19 Uhr. Anmeldung bis zum 15. Juli durch Überweisung des Eintrittspreises von 25 Euro auf das Konto der KiKaG, Nr. 18 732 bei der VR Bank Kitzingen (BLZ 791 900 00) unter dem Kennwort "Kellerspiel". Im Preis enthalten ist eine Weinprobe mit Brotzeit.