"Das Gefühl ist richtig schlecht!" So fasst Sabine Peppert die Stimmung im Gesundheitsamt des Landkreises Kitzingen zusammen. Schuld daran ist die ständige Überlastung der Mitarbeiter durch die Corona-Pandemie. Und vor allem die Aussicht, dass sich in absehbarer Zeit nichts daran ändern wird. Im Gegenteil: Die Fallzahlen steigen weiter.

Zusammen mit ihrer Kollegin, der Ärztin Gisela Kramer-Grünwald, gibt Peppert, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts auf Anfrage der Redaktion einen Einblick in ihre Arbeit. Die Arbeit mit den Corona-Kranken sei nicht nur körperlich belastend, weil das Gesundheitsamt auch an den Wochenenden im Einsatz sei, sondern nage auch an der Psyche. Im Gespräch mit den Infizierten gehe es oft um deutlich mehr Probleme als die Erkrankung an sich. Besonders für ältere Menschen seien dann viele Fragen zu klären: "Wer besucht mich noch?" – "Wer übernimmt jetzt meinen Einkauf?" Solche Fragen kommen immer wieder. 

Es fehlt schlichtweg die Zeit

"Manche Gesprächspartner habe ich 15 bis 20 Minuten am Telefon", berichtet Peppert. Doch die Mitarbeiter im Gesundheitsamt könnten gar nicht alle Fragen ausdiskutieren. Dafür fehlt die Zeit. "Im Minutentakt erreichen uns Meldungen über neue Erkrankungen", erklärt Peppert das Arbeitspensum mancher Tage. Alle Betroffenen müssen abtelefoniert und informiert werden. Und im Anschluss geht es an die Ermittlung der Kontaktpersonen 1.

Beispiel Montag: An diesem Tag meldet das Landratsamt 112 Kranke und 382 Kontaktpersonen 1. Kaum haben die Kontaktermittler wieder ein paar Anrufe hinter sich, kommt der nächste Stapel auf ihren Tisch. "Abends den Schreibtisch leer zu räumen, ist unmöglich", sagt Peppert. Geschweige denn, sich dem Tagesgeschäft eines Gesundheitsamts zu widmen. Zurzeit sind alle im Krisenmodus.

Reihentestung auf eigene Faust organisiert

So auch am Sonntag: Auf eigene Faust organisierte das Gesundheitsamt eine Reihentestung von Lehrern und Schülern betroffener Schulen im Innenhof des Landratsamts. Damit wollte man die offizielle Teststrecke in Albertshofen, die von Montag bis Freitag Dienst tut, entlasten.

Um überhaupt funktionieren zu können, leisten die Mitarbeiter ständig Überstunden. Und die Behörde stockt auf, so gut es geht. Am Wochenende, als im Landkreis Kitzingen viele neue Fälle auf einmal gemeldet wurden, haben zum Beispiel vier Polizisten ausgeholfen und einen Großteil der Kontaktermittlungen übernommen. Außerdem kommen immer wieder Mitarbeiter dazu. Ab nächste Woche sind insgesamt 4,3 Arztstellen und neun Kontaktermittler eingeplant. 

Und trotzdem gibt Peppert zu, dass mancher im Amt nicht mehr gut schläft, von der Arbeit träumt oder angesichts des unvorstellbaren Arbeitsbergs auch mal zu weinen beginnt. Nichts, für das man sich bei diesem Pensum schämen müsste. Immer wieder kommt das Gefühl auf: "Wir kommen einfach nicht nach", sagt die stellvertretende Sachgebietsleiterin. Jeden Infizierten täglich anzurufen, sei derzeit einfach nicht möglich. Sie erwartet, dass die Pandemie das Amt noch das ganze nächste Jahr in Atem halten wird. Auch wenn der Impfstoff kommen sollte, bleibe noch genügend zu tun. 

Problem sind die privaten Feiern

Die große Zahl an neuen Corona-Ausbrüchen erklärt das Gesundheitsamt einerseits mit privaten Feiern: Menschen, die in warmen Räumen eng zusammenkommen, bieten dem Virus gute Bedingungen. Andererseits verlagert sich das Leben wegen der Witterung sowieso nach drinnen. Und letztlich würden auch die vielen Tests zu mehr positiven Treffern führen. 

Doch auch bei den Tests gebe es inzwischen Verzögerungen. Die Ergebnisse lassen immer wieder auf sich warten, weil die Labore überlastet sind. Könnte da der Antigen-Schnelltest helfen? Aus Sicht des Gesundheitsamts ist er – noch – nicht so gut wie der PCR-Test, der mit dem Abstrich gemacht wird.

Außerdem sei nicht jedem Betroffenen bewusst, dass er erkrankt ist. Bei typischen Erkältungssymptomen, Erschöpfung oder Geschmacksverlust liege der Verdacht auf Corona nahe, aber manche Kranke bemerkten auch gar nichts. Diese Menschen rutschen dann einfach durchs Raster und werden auch statistisch nicht erfasst. 

Auf der anderen Seite gibt es auch die, die nicht mehr aus eigener Hilfe gesund werden: Nach vielen Wochen ohne Corona-Patienten hat die Klink Kitzinger Land jetzt wieder drei Intensiv-Fälle zu betreuen – zwei davon werden beatmet.