Wenn Rettungskräfte nach Vermissten suchen und nicht mehr weiter kommen, ist – wie so oft – der Hund der beste Freund des Menschen. Mit ihrer feinen Nase erkennen sie aus großer Entfernung oder in verwinkelten Verstecken, wo sich ein Verletzter befinden könnte. Bis es soweit ist, brauchen die Tiere eine gründliche Ausbildung und immer wieder Training. So treffen sich die Hundeführer der Rettungshundestaffel Kitzingen mindestens einmal die Woche mit ihren Vierbeinern zum Trainieren.

Lob und Leckerli

Am Donnerstag tun sie das auf dem Gelände des Holzwerkes Haidt. Etwa ein halbes Dutzend Hunde wartet brav in den Autos ihrer Herrchen bis sie an der Reihe sind. Die Anfänger dürfen beginnen. Es geht in eine Halle, in der tagsüber Holz verarbeitet wird. Überall Paletten, Holzteile und große Gitterboxen. Die Luft ist dermaßen holzgeschwängert, dass für die menschliche Nase kaum etwas anderes wahrnehmbar ist.

Das erste „Opfer“ versteckt sich hinter einem großen Brett an der hinteren Wand. Ausbildungsleiterin Sigrid Höfer instruiert die Dame, wie sie sich verhalten soll, wenn sie gefunden wird: Erst loben und dann natürlich Leckerli. Und schon kommt Hermine zur Tür herein.

Das wuschelige Fellknäuel ist mit vier Jahren für einen Anfänger eigentlich schon ein bisschen alt, in der Regel beginnt die Ausbildung im Welpenalter. Das bremst die Hundedame aber keineswegs. Aufgeregt schnüffelt sie in der Halle umher, mit einigen wenigen Hilfestellungen ihres Herrchens Tobias Graßinger findet sie die gesuchte Person schnell und meldet das mit lautem Bellen. Und sogar die schmale Holztreppe ist kein Problem für sie, geschickt balanciert sie hinauf und findet dort das zweite „Opfer“. Jede Menge Streicheleinheiten und Leckereien sind ihre Belohnung.

Etwa drei Jahre dauert es, bis ein Hund sich „geprüfter Rettungshund“ nennen darf.

Theorie und Praxis

Dann bekommt er eine Art TÜV-Plakette ans Halsband und muss alle 18 Monate eine weitere Prüfung zur Verlängerung der Plakette ablegen. Zur Ausbildung gehören Gehorsams- und Geschicklichkeitstests, unterschieden wird in Flächen- und Trümmersuche. Am wichtigsten ist aber, dass sich der Hund vollkommen auf seinen Hundeführer verlassen kann und umgekehrt. Nicht umsonst darf ein Hundeführer auch immer nur mit seinem Hund in den Einsatz.

Neben der Praxis kommt für die Menschen bei der Ausbildung noch jede Menge Theorie dazu: Umgang mit Karte und Kompass, Einsatztaktiken, Sanitätsdienst und vor allem Fachwissen über Hunde sind nur ein Teil der Bausteine.

Liebe und Konzentration

Ann-Kathrin Heilein von der Kitzinger Hundestaffel ist seit acht Jahren dabei und ihr ist die Liebe zum Tier und zu ihrem Hobby anzumerken. Mit Barney, dem Border Collie von Staffelleiter Werner Höfer, geht sie so vertraut um, dass kein Blatt Papier zwischen die beiden passt. Barney seinerseits kennt sie so gut, dass er sich beim Auffinden von ihr kaum Mühe gibt. Leckerli gibt es aber erst, als er richtig bellt und anzeigt, dass er sie gefunden hat. Konzentriert miteinander arbeiten, das will auch für einen geprüften Rettungsprofi gelernt und trainiert sein.