Sieben Unfälle mit Rehen in der vergangenen Woche im Kreis Kitzingen – das ist eine ungewöhnliche Häufung. Die steht aber für den gesamten August, der laut Polizei eigentlich kein Monat für so viele Karambolagen mit Wildtieren ist. Für die gingen die Unfälle tragisch aus, die Autofahrer mussten die Begegnung mit den Rehen – ein Fuchs war einmal mit im Spiel – nur mit Blechschäden bezahlen.

Die sieben Rehe in der Vorwoche sind nicht nur ein Ausrutscher in der Statistik. 35 Wildunfälle hat die Polizei in diesem Monat gezählt, während es im Vergleichszeitraum 2014 nur 26 waren. Die Häufung sei für den Monat August „eher untypisch“, schreibt die Polizei: „Die Monate mit den meisten Wildunfällen sind normalerweise November und April.“

So war der April des Vorjahres mit 752 Wildunfällen in ganz Unterfranken (im ganzen Jahr fast 7000) der negative Spitzenreiter, gefolgt vom Mai mit 644 und dem November mit 609 Kollisionen mit Reh, Hase, Wildschwein und Co.

Warum es jetzt so oft zu Begegnungen der tierischen Art kommt? So recht weiß das keiner. Klaus Damme, Kreisvorsitzender des Jagdverbandes, hat aber eine Vermutung. Die lang anhaltende Dürre zwinge möglicherweise die Rehe auf längere Wanderungen: „Im Wald ist nichts mehr da.“

Um frische Nahrung zu kriegen, müssten die Tiere dahin ziehen, wo es noch Wasser gebe: „Gerade die Kitze brauchen jetzt frisches Grün.“ Ob die Theorie mit der Trockenheit, dem Nahrungsmangel in ausgedörrten Wäldern und auf inzwischen ebenfalls futterarmen Feldern stimmt, weiß Damme nicht. Aber die Häufung von Unfällen im August sei jedenfalls „sehr ungewöhnlich“.

Erstaunlich angesichts von Hoffnungen auf einen Rückgang der Karambolagen ist die Polizei-Statistik für den Landkreis. Die 396 Wildunfälle zwischen August 2014 und jetzt entsprechen den Zahlen des Jahres zuvor – und das trotz der blauen Reflektoren, die die Tiere von Straßenquerungen abhalten sollen. Selbst die Beteiligung der Rehe, von Rot- und Damwild ist gleich. Einziger Unterschied: Zwischen 2013 und 2014 gab's sieben Verletzte, zuletzt wurden vier Menschen bei Zusammenstößen verletzt.

„Man darf nie versuchen, einem Wild auszuweichen.“
Ein Ratschlag der Kitzinger Polizei

Weil da oft der menschliche Reflex gefährlich wird, geben die Experten von der Kitzinger Polizei ein paar Sicherheitsratschläge. Der Wichtigste: „Man darf nie versuchen, einem Wildtier auszuweichen. Ein Lenkradeinschlag und du bist im Graben.“ Mit möglicherweise bösen Folgen.

Das richtige Verhalten aus Polizeisicht: Lenkrad festhalten und runter mit dem Tempo. Und wer Tiere am Straßenrand sieht, sollte immer bremsbereit sein. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Reh trotz Sicht aufs Auto noch versucht, über die Straße zu kommen und dann . . . kracht's meistens.

Vor allem bei Nacht oder Dämmerung raten die Polizeibeamten zu besonderer Vorsicht. Wer Rehe sehe oder ihre reflektierenden Augen im Dunkeln erkenne, solle neben dem Tempodrosseln vor allem das Fernlicht abblenden, denn: „Die laufen aufs Licht zu.“

Was ebenfalls laut Polizei nicht jeder Autofahrer weiß: Wenn's mal gekracht hat und Reh oder Wildschwein das Weite gesucht haben, muss beim Autofahrer eine Routine ablaufen: „Nach einem Wildunfall immer zur Polizei“ – und zwar sofort.

Eine schnelle Meldung erspart Ärger – auch mit der Versicherung. Die will nämlich in der Regel eine Bestätigung der Polizei, dass der Blechschaden tatsächlich von einem Tier stammt.

Der Hauptgrund für einen Anruf bei der Polizei – es gibt übrigens eine Meldepflicht – sind auch die Tiere. Verletzte Rehe beispielsweise, so ein Polizeisprecher, fliehen in den Wald, legen sich in ein „Wundbett“ und verenden.

Wird die Polizei aber sofort informiert, ruft diese den zuständigen Jäger, der den Tieren ein längeres Leiden erspart.