Die Friedensflagge am Kirchturm flatterte und die Friedenstauben schwebten in der Kirche. Pfarrer Martin Tronsch aus München eröffnete in der Stadtkirche in Kitzingen unter dem Thema "Umkehr zum Frieden" die Ökumenische Friedensdekade 2020. Das evangelische Dekanat Kitzingen war in Bayern als Schwerpunktdekanat ausgewählt worden.

Die Dekanin Kerstin Baderschneider und Pfarrer Gerhard Spöckl von der katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Hedwig zelebrierten einen beeindruckenden Gottesdienst. Dekanatskantor Martin Blaufelder hatte eigens für die Friedensdekade das Motto-Lied komponiert: "Suche den Frieden und jage ihm nach". Die Familie Wagner setzte mit Standbildern Akzente zum Frieden in der Familie.

Die Anfänge der Friedensdekade vor über 40 Jahren liegen in den Niederlanden. Die Kirchen dort hatten verstanden: Wir müssen uns gemeinsam für den Frieden einsetzen. 1980 wurde die Idee von kirchlichen Kreisen in der DDR und in der Bundesrepublik aufgenommen.

Nicht überall auf der Welt ist Frieden

In der Bundesrepublik Deutschland haben wir seit 75 Jahren Frieden – Gott-sei-Dank! "Ich glaube Menschen, die nicht selbst "im Frieden sind", können schlecht Frieden stiften", so der Gastprediger Regionalbischof i. R. Christian Schmidt. "Wir vergessen über dem Frieden und Wohlstand bei uns nicht, dass auf dieser Erde kein Friede ist. Die Gemeinschaft der Völker, das persönliche Leben und das Miteinander vieler Menschen ist nicht heil, Christus hat uns den Frieden geschenkt, er hat den Tod überwunden, die Gemeinschaft mit ihm ist nicht zerstört, es ist Friede, es ist alles gut. Wer den Frieden im Herzen hat, die große Liebe Gottes erfahren hat, der weiß: Wir müssen von den Wegen, die ins Verderben und in die Katastrophen führen, umkehren auf den Weg des Friedens.

Ob im persönlichen Bereich, vielleicht durch eine Verletzung als Kind an Leib und Seele oder durch ungerechte Behandlung oder im politischen Bereich.

Wir sind erschüttert über die Ereignisse in Paris und Nizza: ein Lehrer auf der Straße enthauptet, drei Menschen in der Kirche erstochen- von jungen Männern, fanatischen Islamisten! Frage: wie steht es um das Miteinander von Christen und Muslimen? Wir haben sie vor drei Generationen ins Land geholt, weil wir Arbeitskräfte brauchten, und sie haben unseren Wohlstand mit aufgebaut! Aber haben wir uns für sie als Menschen interessiert, für ihre Traditionen, ihre Religion?

Jeder Tag ist ein Überlebenskampf

Zur Zeit ist Krieg in Berg Karabach zwischen Armenien und Aserbeidschan – und Russland liefert an beide Seiten Waffen und verdient dabei. Deutschland steht bei den Waffenlieferungen an dritter Stelle in der Welt. Menschen verlassen ihre Heimat in Afrika und im Vorderen Orient, weil ihr Leben bedroht ist und sie in ihrer Heimat keine Zukunft für sich sehen."

"Ich war öfter in der demokratischen Republik Kongo", berichtete der Regionalbischof. Es ist in reiches Land, dessen Bodenschätze ausgebeutet werden  – und die Bevölkerung hat fast nichts davon. Viele müssen jeden Tag ums Überleben kämpfen. Wir wollen hier bei uns saubere Luft und bauen Elektroautos. Die Rohstoffe für die Batterien kommen zum Teil aus dem Kongo. Sie werden dort abgebaut und übrig bleiben Mondkrater-Landschaften, nichts wird rekultiviert. Wir meinen es gut und leben doch auf Kosten anderer.

Wo es nicht fair und gerecht zugeht, kann es auf Dauer keinen Frieden geben. Das ist schon zwischen Geschwistern und in Schulklassen so. Den Regionalbischof wundert es überhaupt nicht, dass gerade die cleveren Afrikaner versuchen nach Europa zu kommen, um eine Zukunft zu haben und ihre Familien zuhause versorgen zu können.

Versöhnung entsteht zuerst im Herzen

"Wenn wir nicht dafür sorgen, dass die Menschen in ihren Heimatländern menschenwürdig leben können, muss man sich nicht wundern, dass noch viel mehr zu uns kommen".

Kardinal Kasper sagte einmal im Blick auf die Ökumene: "Einheit und Versöhnung geschehen nicht nur im Kopf, sondern zuerst in den Herzen, in der persönlichen Frömmigkeit, im Leben des Alltags und in der menschlichen Begegnung". Haben wir – Lutheraner, Katholiken und Freikirchler nicht gemerkt, dass es wirklich so ist? Was da in den letzten Jahrzehnten an Versöhnung und gutem Miteinander gewachsen ist. Da ist so viel heil geworden, dass wir nur sagen können – Gott sei Dank! Zum Frieden gehört Fairness und Gerechtigkeit.

Pfarrer Peter Stier und das Vorbereitungsteam verteilten an alle 21 Kirchengemeinden des Dekanates Friedenslaternen und zu den Klängen von:"Herr du erfüllst das Herz mit deinem tiefen Frieden und lässt uns daraus leben" zündeten die Gottesdienstbesucher ihre Friedenslichter an.

Landrätin Tamara Bischof, Oberbürgermeister Stefan Güntner, Synodalin der Landessynode und MdL Barbara Becker übermittelten ihre Grußworte.