Mit einer Stimme Mehrheit setzte sich am Montag Benno Wahner von der Sulzfelder Kommunalen Liste (SKL) gegen Heinrich Hofmann von der Wählergruppierung „Wir pro Sulzfeld“ (WPS) durch und bekleidet - zumindest vorläufig - das Amt des zweiten Bürgermeisters. Vorläufig deswegen, weil Bernadette Zurasky unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses ankündigte, dass sie die Rechtmäßigkeit der Wahl, beziehungsweise der eigens dafür anberaumten Sondersitzung, rechtsaufsichtlich beim Landratsamt und der Regierung von Unterfranken überprüfen lassen werde. Ihre Begründung: Die Sitzung sei weder im Internet noch im Aushang am Rathaus öffentlich bekannt gegeben worden, so die Ehefrau von Ratsmitglied Fritz Staib (WPS).

Zoff um Einladungen

Nach einer Überprüfung stellte sich heraus, dass die Veröffentlichung im Internet tatsächlich unterblieben war. Bürgermeister Gerhard Schenkel (SKL) erklärte allerdings, dass er die Einladung zum Sitzungstermin rechtzeitig am Einladungskasten am Rathaus aufgehängt habe. Dies allerdings von außen, da sich der dafür vorgesehene Kasten wegen eines Standes nicht habe öffnen lassen. Die Einladungen an die Ratsmitglieder seien fristgerecht zugestellt worden. Erforderlich war die Sitzung, nach dem Rücktritt von Günter Bauer (SKL), der ebenfalls mit einer Stimme Mehrheit gewählt worden war, sich aber nach nur acht Tagen aus dem Gemeinderat zurückzog.

Gut 30 Bürger waren am Montagabend zur Sitzung gekommen.

Bürgermeister Schenkel berichtete, dass man sich am Sonntag, im Vorfeld der Sitzung, im kleinen Kreis getroffen habe. Diese Gespräche zwischen SKL und WPS seien konstruktiv aber ergebnislos verlaufen. Es seien verschiedene Varianten vorgeschlagen worden. Jetzt müsse eine Entscheidung fallen.

Eine Absage nach der anderen

Rainer Krumpholz (SKL) schlug Ulrich Luckert (WPS) als zweiten Bürgermeister vor. Der habe zwölf Jahre Erfahrung als Gemeinderat und bei der Kommunalwahl die höchste Stimmenzahl erhalten. Luckert lehnte wie bereits in der Vergangenheit ab. Vorgeschlagen zu werden ehre ihn, aber er sei Selbstständig, Feuerwehrkommandant und für seinen kleinen Sohn wolle er auch noch Zeit haben. „Wenn ich was mach', dann richtig“ sagte Luckert.
Danach schlug Krumpholz Jürgen Johanni (WPS) vor. Er habe als Ratsmitglied Erfahrung und sei ein ausgewiesener Finanzfachmann, so die Begründung. Johanni lehnte den Posten ebenfalls mit der Begründung seiner Selbstständigkeit und aus Zeitgründen ab.
Daraufhin schlug Krumpholz Fritz Staib (ebenfalls WSP) als Kandidaten vor. Staib sei zwar neu im Gremium, aber Baufachmann und er habe eine ausgleichende Art. Staib lehnte ab und sagte: „Ich finde es nicht gut, wenn wir hier der Reihe nach abgeklappert werden.“
Vorschlag Nummer vier fiel auf Benno Wahner. Der 61-jährige gehört dem Rat seit 2002 an, war dritter Bürgermeister und ist Mitglied der SKL. Wahner erklärte, er habe kein Geschäft, viel Zeit und er finde es schade, dass die bisherigen Angebote ins Lächerliche gezogen würden. „Ich habe mich überreden lassen und erkläre mich bereit“, so der Kandidat.
Jetzt war Jürgen Johanni (WSP) am Zug. Er finde es schade, dass man mit Günter Bauer ein hervorragendes Ratsmitglied verloren habe, sagte er. Er schlage erneut Heinrich Hofmann, den Spitzenkandidaten der WSP vor. Der habe bei der Wahl 41 Prozent der Stimmen erreicht und sei auch aus fachlichen Gründen der richtige Kandidat. Bei der Bürgermeisterwahl im März wurde der seit 30 Jahren amtierende Gerhard Schenkel mit 59 Prozent wiedergewählt – Gegenkandidat Heinrich Hofmann verlor.
Hofmann erklärte seine Bereitschaft für das Amt des zweiten Bürgermeisters zu kandidieren. „Die letzten drei Arbeitssitzungen haben gezeigt es geht nicht um Grabenkämpfe, sondern um eine gemeinsame sachliche Politik für Sulzfeld und darum, dass die Bürger hier gerne leben.“

 

Harsche Kritik und Streit

Das Ergebnis der Wahl war dann wenig überraschend. Schließlich stellt die SKL sechs Mitglieder im Gemeinderat sowie den Bürgermeister und die WPS ist ebenfalls mit sechs Räten im Rathaus vertreten. So erhielt Wahner sieben und Hofmann sechs Stimmen. Zum weiteren Stellvertreter wurde Ulrich Luckert gewählt. Die Berufung eines Seniorenreferenten wurde vertagt. Bürgermeister Schenkel hatte die bisherige Amtsinhaberin Helene Beck vorgeschlagen. Hofmann sagte, man solle den Posten zunächst im Gemeindeblatt öffentlich ausschreiben.
Schenkel, Johanni und Hofmann waren sich einig, dass das Arbeitsklima im Rat gut sei. „Allen müsste klar sein, dass wir alle im Rat Sulzfeld weiter entwickeln wollen“, so Hofmann. Die Wege dorthin könnten aber unterschiedlich sein und manches habe auch seine Grenzen.
Kritik gab es von einer älteren Zuhörerin. Die Ratspolitik der vergangenen Wochen sei ein Kasperltheater und eine Schande für Sulzfeld. „Ihr führt euch auf wie kleine Kinder. Ich schäme mich dafür“, so die Dame unter Beifall. Einen sich anbahnenden Streit zwischen Wahner und Hannes Müller beendete Schenkel mit dem Hinweis auf das Ende der Sitzung. Außerdem sei er Privatangelegenheit.