In der Stadtverwaltung Prichsenstadt häufen sich die Anfragen, wie die Stadt zukünftig mit der Ausweisung von Freiflächen für Photovoltaikanlagen umgehen will. Grund genug für den zweiten Bürgermeister Peter Eschenbacher (Krankheitsvertreter für Amtsinhaber René Schlehr), einen Ratsbeschluss vom Januar 2010 unter die Lupe nehmen zu lassen. Noch unter dem ehemaligen Bürgermeister Adolf Falkenstein hatte der Rat mit 10:5 beschlossen, solche Anlage grundsätzlich abzulehnen, um das Landschaftsbild intakt zu halten und um vom Tourismus abhängige Betriebe nicht zu gefährden.

"Wir bekommen aber mehr und mehr Anfragen nach den Anlagen", so Eschenbacher, und auch vor dem Hintergrund der Energiewende hätte laut Beschlussvorlage der ablehnende Beschluss von vor zwölf Jahren aufgehoben werden sollen.

Eine Stunde lang debattierte der Rat am Donnerstagabend über ein Für und Wider solcher Freiflächenphotovoltaikanlagen. Es ging kontrovers und auch emotional zu, aber überraschend sachlich, ohne die sonst üblichen persönlichen Animositäten. Am Ende lehnte das Gremium mit 8:6 Stimmen ab, seinen Beschluss aufzuheben, und so werden sich auch weiterhin potenzielle Investoren eine Absage einhandeln.

Anlagen auf städtischen Liegenschaften ins Gespräch gebracht

In den Wortbeiträgen waren beide Strömungsrichtungen deutlich erkennbar. Susanne Karb zum Beispiel hätte solche Anlagen lieber auf Hausdächern denn auf "wertvollem Ackerboden" gesehen, während Pascal Zörner etwa eine "Altersvorsorge für Landwirte" als "nicht zu vernachlässigen" ansah. Martin Krapf brachte die Liegenschaften der Stadt ins Gespräch, etwa die Kläranlage oder den Bauhof, um Anlagen auf dessen Dächern zu errichten.

Karb sprach auch vom technischen Zustand der Paneele und der teuren Entsorgung, wenn sie ausgedient hätten. Das sah der ansonsten wortkarge Ricky Haubenreich anders. Mittlerweile könnte jedes einzelne Paneel recycelt werden, sagte er. Und: "Wo will die Stadt in Punkto Energie mal hin, wenn sich der Rat dauernd querstellt alles ablehnt, wegen Landschaftsbild oder Ensembleschutz? Hier haben wir die Chance, vor unserer Haustür die Energie zu entwickeln."

Kein Unterschied zwischen Photovoltaik und Folien für Erdbeeren und Spargel

Helmut Hümmer spannte den Bogen weiter. "Wir haben hier kein kommunalpolitisches, sondern ein hochpolitisches Thema", sagte er, "wenn wir in der Kommune die Zügel loslassen, fangen wir das Pferd nie wieder ein, wir sollten den damaligen Beschluss nicht ändern." Und Wolfgang Brosche hätte nichts dagegen einzuwenden, etwa brachliegende Ackerflächen freizugeben. "Ich sehe da keinen Unterschied zwischen einer Photovoltaikanlage und den Folien für Erdbeeren und Spargel", argumentierte er und plädierte dafür, den Beschluss aufzuheben.

Eher nicht, befand Alexander Schöpfel, "wir alle brauchen Strom und Energie, letztlich hat auch der Rat das letzte Wort". Dass es nämlich jeweils Einzelentscheidungen seien, hatte Eschenbacher in den Beschlussvorschlag geschrieben.

Landwirte sollten auch Photovoltaikanlagen zulassen können

Dass sich viele Anlagen für regenerative Energie in Nord-, wenige in Südbayern befänden und Wasserkraft etwa in der Schweiz viel intensiver genutzt werde als in Deutschland, wie Hümmer anmerkte, war für Haubenreich nicht das eigentliche Problem. Die Wasserkraft sei in Deutschland ausgereizt, so Haubenreich, und dass in Südbayern trotz des Potenzials weniger Windkraftanlagen stehen, "ist eine politische Entscheidung".

Die Landwirte, so Werner Hillger, sollten auf ihrem Grund und Boden machen können, was sie wollen, auch Photovoltaikanlagen, "wir dürfen unsere Landwirtschaft nicht kaputtmachen". Viele Landwirte aber, so Pascal Zörner, hätten ihre Äcker gepachtet, "da kann der Eigentümer festlegen, was dort entstehen soll."

Am Ende der sachlich-kontroversen Diskussion stand das knappe 8:6 für den Beibehalt des Beschlusses aus 2010 und somit ein "Nein" zu Freiflächen-Photovoltaikanlagen.