"Es ist Zeit, Auf Wiedersehen zu sagen", sangen die Chormitglieder des Musikvereins 1967 Volkach am Donnerstag im katholischen Pfarrheim in englischer Sprache. Goodbye sagte Chorleiter Manfred Weidl nach 20-jähriger Dirigententätigkeit. Eine alte Stimmgabel, die er mit Übernahme des Chors von seinem Vorgänger erhalten hatte, überreichte Weidl als symbolischen Akt an seine Nachfolgerin Anna Hager-Nikolay.

Vor einem Jahr war der passionierte Dirigent bereits in den Ruhestand getreten. Der Corona-Lockdown ließ eine Verabschiedung damals nicht zu. Die letzte Chorprobe vor den Sommerferien nutzten Vorsitzender Harald Schmitt und seine Wegbegleiter nun zur Verabschiedung ihres Chorchefs. Als Abschiedsgeschenk überreichten sie ein einzigartiges Erinnerungsbuch. Darin haben die Chormitglieder Anekdoten, Dankesworte, Fotos, Gedichte zusammengetragen und in Buchform binden lassen.

Friedl Albert, der bei Weidls Dienstantritt schon 75 Jahre alt war und bis vor kurzem noch aktiv mitsang, überraschte diesen mit einer Laudatio in Versform. Die Schriftführerin des Musikvereins Diana Metzner fasste die Ereignisse des vergangenen Jahres zusammen: Der 12. März 2020 war ein schicksalhafter Tag für den Chor. An dem Tag stellte Manfred Weidl mit viel Vorfreude sein 10. Chorprojekt West Side Story vor, das sein 20-jähriges Engagement krönen und in mehreren Konzerten Ende Juli erklingen sollte. Die junge Musikpädagogin Anna Hager-Nikolay war eingeladen worden, den Chor bei einem kurzen Dirigat kennenzulernen. Aber es kam anders. Schon vier Tage später begann der erste Corona-Lockdown und das Singen im Chor verstummte.

Anna Hager-Nikolay dirigiert jetzt den Chor

Der 12. März sollte Weidls endgültig letzte Probe mit dem Chor sein. Das Projekt wurde storniert. Erst im Herbst 2020 konnte die neue Chorleiterin kurze Proben mit viel Abstand und Pausen leiten. Anfang 2021 kam der Chor nur virtuell bei sogenannten Zoomproben online zusammen. "Es war eine große Herausforderung, aber auch eine große Bereicherung, weil ich mich weiterbilden konnte", erzählt Anna Hager-Nikolay. So richtig Spaß gemacht habe es aber nicht. "Die Online-Proben waren Mittel zum Zweck." Ein Splitscreen-Video war das außergewöhnliche Ergebnis. Am Ende eines schwierigen ersten Jahres konnte sie mit dem Chor die ersten Lieder aufführen. Die neue Dirigentin stammt aus Bamberg und lebt mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern seit fünf Jahren in Volkach.

Die Musikpädagogin leitete bereits diverse Kinder- und Jugendchöre. Sie dirigiert auch den Männerchor in Erlabrunn, den sie bereits zum Leistungssingen des Fränkischen Sängerbunds führte. Bei dieser Konkurrenz war ihr Vorgänger Weidl mit dem Volkacher Chor bereits zweimal erfolgreich. Beide setzen in der Chorarbeit hohe Ansprüche an Qualität und Engagement. Weidl führte neun weltliche und geistliche Großprojekte durch, so die Trenner-Messe und die Mozart Spatzenmesse. Durch die Projekte bekam die Sängerschar Nachwuchs. Weidl erreichte, dass der Chor regelmäßig einen Ostergottesdienst in der Abteikirche Münsterschwarzach begleiten durfte. Zum Abschied zeigte er seinen Sängerinnen und Sängern mit einem heiteren Textvortrag überraschende Parallelen zwischen singenden Menschen und singenden Vögeln auf.