Lange Zeit waren die Hallen- und Freibäder wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Zumal es in Volkach dieses Jahr überhaupt kein Freibad gibt. Der durchschnittliche Schwimmer hatte also lange gar keine Gelegenheit, seine Schwimmkenntnisse beizubehalten oder zu trainieren. Schlimm wirkt sich das auf die Kinder aus, die durch den Ausfall des Schwimmunterrichtes das Schwimmen gar nicht haben lernen können. N

Die Konsequenz: In der Ferienzeit wandern die Familien auch an den Main, um ins Wasser zugehen. "Gefährlich!", warnt Silvia Voit, die Leiterin der Volkacher Wasserwacht. "Untiefen , die von warm auf sehr kalt sich verändern können. Schlingpflanzen im Uferbereich. Nicht kalkulierbares Strömungsverhalten des Mains - das alles kann lebensgefährlich sein."

Die Wasserwacht-Vorsitzende ahnt, was da auf sie und ihre Kameraden zukommen könnte. Im Jahr 2019 gab es bayernweit 95 Badtote. Wird diese Zahl  heuer überschritten?  "Wir stellen uns mehr auf die Wasserrettung in Seen und dem Main ein. Hier in Volkach ganz bewusst auch auf den Altmain, denn der entwickelt sich an heißen Tagen zu einer regelrecht vollgestopften Autobahn mit Schwimmern und Wassersportlern." So lautete dann auch dieser Tage das Stichwort für einen Übungseinsatz: "Vermisste Person im Main an der Astheimer Brücke."

Schelch als Allzweckwaffe

Treffpunkt war der BRK-Wasserwachtstandort an der Gaibacher Straße . Die  Einsatzleiterin entschied, dass der Schelch zum Einsatz kommt. Ein 4,5 Meter langes und 150 Kilo schweres Aluminiumboot mit einem 25 PS Motor. "Unsere Allzweckwaffe", meint der technische Leiter Marco  Adamek. Das Boot kann direkt vom Ufer ins Wasser gesetzt werden. Noch auf der Anfahrt zur Einsatzstelle kleiden sich zwei Taucher im Zugfahrzeug an. Während der Fahrer dann am Übungsplatz den Trailer ans Wasser rangiert, stehen die beiden Taucher schon fast fertig daneben. Jan Dotterweich, als Sicherungsmann eingeteilt, hilft beim Anlegen der Flaschen und überprüft die Anschlüsse.

Sonargerät am Bug

Das Boot ist schon im Wasser. Marco Adamek montiert am Bug das Sonargerät. "Hiermit können wir Personen erkennen, die auf dem Flußgrund liegen." Er fährt zuerst mit einem weiteren Kameraden raus auf den Main. Laut Übungsplan wird durch das Sonar ein verdächtiger, personenähnlicher Schatten am Boden erkannt. Diese Stelle wird durch eine Boje gekennzeichnet.

Dann geht alles schnell: Die Taucher kommen aufs Boot und werden in der Nähe der Boje abgesetzt. Sie müssen jetzt hier suchen. Jan Dotterweich hat über eine Signalleine jederzeit Kontakt zu ihnen. Bewegen sich die Luftblasen der Taucher zu weit von der Boje weg, dirigiert er sie durch die Leine. Zweimal ziehen heißt mehr links, dreimal ziehen mehr rechts.

Sicherheit oberstes Gebot

Zugleich beobachtet er konzentriert die Umgebung. Kommt ein Schiff oder tritt etwas unvorhergesehenes auf? Über die Signalleine kann er die Taucher zum Auftauchen auffordern. Ein Reservetaucher, der jederzeit eingreifen kann, beobachtet die Situation mit. "Sicherheit ist oberstes Prinzip", sagt der technische Leiter Adamek.

An den Wochenenden sind die Wasserwachtmitglieder jetzt öfters an ihrem Wachplatz Nahe der Astheimer Brücke. "Da ist eines unserer Boote immer startklar", sagt Sivia Voit. Es gibt viel zu tun: Abgetriebene Boote bergen, bei denen der Motor ausgefallen ist, schwer gestürzten Wasserskifahrern helfen oder erschöpfte Schwimmer wieder ans Land bringen - bis hin zur Versorgung kleinerer und größerer Schnittwunden.

"Dschungelpfad"-Erfahrungen

Ein wichtiger Punkt ist auch die Unterstützung des Landrettungsdienstes bei der Personenrettung. Stichwort "Dschungelpfad Astheim": "Hier haben wir schon viel Erfahrung gesammelt", betont Adamek. "Hat sich dort eine Person schwer verletzt, wäre die landseitige Bergung äußerst schwierig. Wir fahren mit unserem Boot flußseitig die Unfallstelle an, verbringen den Verletzten an Bord und transportieren ihn zum Ufer des Elgersheimer Hofes, wo der Rettungswagen bereits wartet."

"Meistens sind es die Unvernünftigen, die sich in Gefahr bringen!"
Silvia Voit, Leiterin der Volkacher Wasserwacht

Das Resüme der Wasserwacht-Leiterin: "Meistens sind es die Unvernünftigen, die sich in Gefahr bringen, weil sie sich überschätzen und die Gefahr unterschätzen."