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KITZINGEN

Wasserschutzpolizei: Einsätze mit Wellengang

Mit 700 PS unterwegs auf dem Main zwischen Marktbreit und Gerlachshausen: Beobachtungen bei einem ganz normalen Arbeitstag der Wasserschutzpolizei.
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Heikler Moment vor einer Kontrolle: Sven Zimmermann springt vom Dach des Polizeibootes auf das Güterschiff. Foto: Fotos: Hanns Strecker
„Für mich ist der Amazonas Frankens.“
Sven Zimmermann über den Altmain

Wer auf dem Main mit einem Frachtschiff oder Motorboot unterwegs ist, will mit der „Wasserschutzpolizei“ in etwa so viel zu tun haben wie ein Autofahrer mit einer Polizeistreife – nämlich möglichst nichts. Es sei denn, es gibt einen Notfall wie an diesem Morgen, an dem ein Sportboot nach einem Motorschaden steuerungsunfähig mainabwärts treibt.

Kollisionsgefahr mit Fracht- oder Passagierschiffen – jetzt muss es schnell gehen: Per Funk werden Sven Zimmermann und sein Kollege Volker S., der nicht mit vollem Namen genannt werden will, verständigt. Die beiden haben heute Dienst auf dem Polizeiboot „WSP 20“. Mit voller Schubkraft voraus geht es in Richtung des Havarierten.

An den Haken

Nach einigen Kilometern erkennt die Besatzung ein Kajütboot an der Uferseite treiben. Der Kapitän winkt aufgeregt. Sofort nimmt Zimmermann Kurs auf das Boot und reduziert die Motorleistung, damit es zu keinen Problemen durch Wellengang kommt. Routiniert wird das Boot an den Haken genommen und an der Schleppleine in den sicheren Hafen von Marktbreit gezogen.

„Die Schiffe auf dem Main sind nur ein Teil unseres Aufgabenbereiches“, erklärt Hauptkommissar Zimmermann, der stellvertretende Leiter der Wasserschutzgruppe Würzburg. 13 Personen gehören zu dem Team, das über 150 Flusskilometer auf dem Main betreut, beginnend vom Landkreis Main Spessart über Würzburg bis in den Landkreis Kitzingen. Dem Team stehen noch ein kleines Kon-trollboot für seichtes Gewässer sowie zwei Fahrzeuge für Einsätze am Land zur Verfügung.

Natur- und Umweltschutz

„Neben Kontrollen der schiffahrtsrechtlichen Vorschriften sind wir vor allem im Bereich Natur- und Umweltschutz tätig“, erläutert Zimmermann. „Feuermachen, Zelten und Autofahren im Naturschutzgebiet zum Beispiel ziehen harte Strafen nach sich. Bei solchen Delikten werden wir auch an Land tätig“.

Heute ist der Bereich zwischen Marktbreit und Gerlachshausen Einsatz-Schwerpunkt. Zwei 350 PS-Motoren sorgen für Schnelligkeit und eine beachtliche Wendigkeit des Polizeibootes. „Es kommt schon mal vor, dass der eine oder andere Freizeitkapitän sich einer Schiffskontrolle entziehen möchte; das ist aber bislang noch niemandem gelungen,“ plaudert Sven Zimmermann ein wenig aus dem Nähkästchen.

Staunender Angler

Wie schnell so ein Polizeiboot auch direkt am Ufer halten kann, merkt ein staunender Angler im Bereich Kitzingen. An einem schwer zugänglichen Uferbereich hat er seine Angel ausgelegt. Das Polizeiboot fährt direkt an den Uferrand und hält dort. Nach einem kühnen Sprung ist Zimmermann direkt neben dem Angler und lässt sich die Papiere zeigen. Alles ist in Ordnung, der Mann hat die nötige Berechtigung. „Das hätte ich nicht gedacht, dass die Polizei vom Wasser her kommt“, sagt der Kontrollierte am Ende ziemlich erstaunt.

Später entschließen sich die Polizisten, ein Güterschiff zu kontrollieren. Im Fahndungssystem finden sie den Hinweis, dass es bei diesem Schiff schon mehrmals Verstöße gegen die Vorschriften gegeben hat. Da man ein Schiff ja nicht einfach so anhalten kann, wird der Kapitän über Funk angesprochen, dass jetzt eine Kontrolle ansteht. Er wird angewiesen, seine Geschwindigkeit und seinen Kurs nicht zu ändern, da das Polizeiboot längsseits geht und ein Beamter an Bord kommt.

Sprung aufs Güterschiff

Volker S. ist voll konzentriert, während Kollege Zimmermann auf dem Dach des Polizeibootes Stellung bezieht. Von dort aus hat er in etwa die gleiche Höhe wie die Reling des Güterschiffes. Stück für Stück steuert Volker S. das Boot an das andere Schiff. Zum Schluss sind es nur noch wenige Zentimeter Abstand, dann springt sein Kollege hinüber.

Nicht auszudenken, wenn er abgerutscht wäre. Aber das sind Einsatztechniken, die Wasserschutzbeamten in Fleisch und Blut übergehen. Man erkennt, dass hartes Training vorausgegangen sein muss. Sofort lässt Volker S. das Polizeiboot wieder abfallen, um ein seitliches Anstoßen zu vermeiden. Nach gut zehn Minuten kommt Sven Zimmermann mit dem gleichen Manöver wieder zurück auf das Polizeiboot: Ende der Kontrolle – es stehen noch Nachermittlungen an.

Schleichen ins Altgewässer

Bei Gerlachshausen teilt sich der Main in den Kanal und den Altmain. Ganz langsam und ohne einen Wellenschlag zu verursachen, schleicht das Boot in das Altgewässer. Vereinzelt sind Kajaks oder andere Paddelboote zu sehen. Motorboote dürfen in die Seitengewässer des Altmains nicht einfahren. „Naturschutzgebiet allerhöchster Stufe herrscht hier“, erklärt Zimmermann. „ Und das kontrollieren wir auch ganz streng.“

Die Stimmung ist grandios, an verwunschenen Uferecken tummeln sich Wasservögel in glasklarem Wasser. „Für mich ist das der Amazonas Frankens“, schwärmt Zimmermann. Und er hat alles im Blick, was die Idylle dort stören könnte.

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