Nicht ganz gestrichen, aber auf unbestimmte Zeit vertagt hat der Volkacher Stadtrat den vielfach diskutierten Kurbeitrag. Wie Tourismus-Chef Marco Maiberger in der Sitzung am Montagabend informierte, habe man das Vorhaben von der Regierung von Unterfranken prüfen lassen, die ihrerseits beim Bayerischen Innenministerium nachgefragt hat. Mit klarem Ergebnis: Die Stadt Volkach erfüllt die Anerkennungsvoraussetzungen für eine Nachzertifizierung der touristisch entwickelten Ortsteile nicht in vollem Umfang. Einfacher ausgedrückt: Das wird nichts – jedenfalls nicht in naher Zukunft.

Denn bekanntlich ist nur das Stadtgebiet Volkach als staatlicher Kurort anerkannt, nicht aber die Stadtteile oder die beiden weiteren Mainschleife-Gemeinden Sommerach und Nordheim, die zur VG Volkach gehören.  Um eine solche Prädikatisierung überhaupt einzuleiten, müsse die Übernachtungsdauer der Gäste durchschnittlich bei mindestens drei Nächten liegen, erläuterte Maiberger in der Stadtratssitzung in der Mainschleifenhalle. Diesen Wert habe Sommerach mit dem größten Campingplatz der Mainschleife erstmals 2020 (3,9 Nächte) erreicht, nicht aber Volkach (2,7) und Nordheim (2,4). 2019 waren die Gäste durchschnittlich noch deutlich kürzer geblieben: In Volkach 2,3, in Nordheim 2,0 und in Sommerach 2,6 Nächte.

Camping-Boom während Corona

Wie sehr der Sprung nach oben in Sommerach der Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden Camping-Boom geschuldet war, wird sich erst zeigen. Doch der Tourismus-Chef der Mainschleife verwies auch darauf, dass die durchschnittliche Übernachtungsdauer vor zehn Jahren in Volkach noch bei 1,8 Nächten gelegen habe. Der Trend gehe also klar nach oben.

Doch selbst wenn diese Voraussetzung erfüllt sein sollte, gibt es laut Maiberger noch zwei weitere Hürden. Zum einen müssten die Orte mit insgesamt mindestens 100 Betten, die sich das "Kur" vornedran verdienen wollen, in der Mehrzahl mittleren bis gehobenen Komfort bieten. Die Stadtteile Fahr, Escherndorf, Astheim, Obervolkach und Rimbach weisen zwar zusammen 162 Betten auf, allerdings seien die wenigsten Unterkünfte vom Hotelverband Dehoga zertifiziert, der Nachweis ihrer Klasse fehle also. Zum anderen müsse die Übernachtungszahl das Dreifache der Einwohnerzahl der betroffenen Orte übersteigen. Macht bei rund 3600 Einwohnern der Ortsteile mindestens 11 000 Übernachtungen. All diese Vorgaben habe man, so Maiberger, im Zuge der Zeit ordentlich nachgeschärft.

Kurbeitrag nur im Volkacher Stadtgebiet?

Jochen Flammersberger, dessen Fraktion Bürgerliste die Einführung eines Kurbeitrags  Anfang 2019 beantragt hatte, sagte daraufhin: "Ich verstehe, dass die Ortsteile mit ins Boot genommen werden müssen." Nur Moritz Hornung (Grüne) sprach sich dafür aus, "den Kurbeitrag auch nur in der Stadt Volkach einzuführen". Dem widersprach Cengiz Zarbo (FWG): "Ich bin strikt dagegen, dass man eine Konkurrenzsituation innerhalb der Stadt und ihrer Ortsteile oder auch innerhalb der VG schafft." 

Theoretisch müsste nun also einige Jahre Ruhe sein, bis eine Diskussion über einen Kurbeitrag erneut aufkommt. Sollte die Übernachtungsdauer an der Mainschleife jedoch nach oben schnellen, ist eine Wiederholung der Debatte durchaus gewünscht. Oder wie Marco Maiberger es selbst in der Stadtratssitzung ausdrückte: "Das was man heute beschließt, kann in fünf Jahren schon wieder anders sein."