Es kommt oft vor, dass Gertrud Hösch (Name geändert) nachts um 2 Uhr putzmunter ist und nicht mehr weiterschlafen kann. Dann hat die Krankenschwester, die an der Klinik Kitzinger Land arbeitet, gerade ihre Nachtschicht-Phase hinter sich. Zwangsläufig lebt die 55-Jährige permanent gegen ihre innere Uhr.

Im Laufe ihres Berufslebens hat sich Hösch einige Tricks angeeignet, um mit dem harten Wechsel von Arbeits- und Ruhephasen zurechtzukommen. "Nach der Nachtschicht gehe ich um 7 Uhr ins Bett und zwinge mich, mittags wieder aufzustehen", erklärt sie. Diese Umstellung falle ihr mit zunehmendem Alter jedoch immer schwerer. Zu der Notwendigkeit, Hausarbeiten und Familienleben in die Freizeitphasen zu quetschen, kämen gesundheitliche Probleme. "Durch den Schlafentzug muss ich mit Migräneanfällen während meiner Freizeit rechnen", sagt Gertrud Hösch.

Die innere Uhr kommt nicht mehr mit


Zum heutigen Tag des Schlafs schlagen Forscher Alarm. Allgemein schlafen die Deutschen immer kürzer. Und wo Termine, Schicht- und Stundenpläne den Takt vorgeben, kommt die innere Uhr oft nicht mehr mit. Nacht- und Schichtarbeit hat in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nach Angaben des Arbeitsministeriums weiter zugenommen. Zu Pflegekräften, Wachleuten, Busfahrern und Piloten kommen immer mehr Berufstätige hinzu, die regelmäßig arbeiten müssen, wenn andere schlafen. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zeigt, dass dies krank und wohl auch dick machen kann.

"Wir schätzen, dass bis zu 80 Prozent der Populationen in den westlichen Ländern unter einer Diskrepanz zwischen der inneren Uhr und den Anforderungen aus frühem Schulbeginn, Arbeit und auch Freizeitstress leiden", sagt der LMU-Chronobiologe Professor Till Roenneberg, der dafür den Begriff "sozialer Jetlag" geprägt hat. Läuft der Lebensstil dauerhaft gegen die innere Uhr, drohen sogar schwere Erkrankungen wie Krebs.

Vor Kurzem hat ein Team um Roenneberg gezeigt, dass "sozialer Jetlag" und zu wenig Schlaf dazu führen können, dass das Hungerfühl gestört ist und der Betroffene zu viel isst. Die Daten für die Studie stammen aus dem "Munich ChronoType Questionnaire", einem im Internet frei zugänglichen Fragebogen. Ausfüllen kann ihn jeder und darin Angaben zu seinen Schlaf- und sonstigen Gewohnheiten machen, getrennt nach Arbeits- und freien Tagen.

Ständige Umstellung kann krank machen


Gertrud Hösch hat eine Zwei-Drittel-Stelle wie viele ihrer Kolleginnen. Das Problem: Die Schichten müssen vollständig durchgearbeitet werden. Arbeitspläne für vier Wochen stellt die jeweilige Stationsleitung zusammen. Bei Hösch kann das so aussehen: drei Tage Frühdienst, zwei Tage frei, zwei Tage Spätdienst, acht Tage frei, drei mal Nachtschicht, drei Tage Frühschicht, zwei Tage frei, zwei Tage Spätschicht. Ständige Umstellung ist ihr Los.

Pflegedienstleiterin Marion Herzog und ihre Stellvertreterin Irene Rogers haben bei der Erstellung der Dienstpläne ein Wort mitzureden. Sie achten aufs Arbeitszeitgesetz. Zwischen den Schichten stehen den Pflegekräften genau festgelegte Ruhezeiten zu. "Es kommt in meiner Freizeit aber immer wieder vor, dass ich unerwartet angerufen werde, ob ich vielleicht für eine verhinderte Kollegin einspringen könnte", erzählt Gertrud Hösch.

Doch die Krankenschwester steht zu ihrem Beruf. Sie macht ihn gerne, wenn er auch hart ist. "Wenn man den Arbeitsvertrag unterschreibt, weiß man, dass man diese Schichten arbeiten muss", sagt Hösch.