So lange wie möglich daheim wohnen bleiben zu können, wünschen sich viele alte Menschen. Einrichtungen der Tagespflege helfen dabei, pflegende Angehörige zu entlasten. Mit der neuen Tagespflege im Kastanienhof, der ersten in Kitzingen, wird dieses Angebot nun erweitert. Zwei Experten vom Kitzinger Landratsamt, Seniorenbeauftragter Herbert Köhl und die Leiterin des Pflegestützpunktes, Ute Döblinger, erklären die Bedeutung solcher Angebote.

Im Kastanienhof gibt es jetzt eine Tagespflege. Ist das die erste in Kitzingen?

Herbert Köhl: Die Tagespflege im Kastanienhof ist tatsächlich die erste Tagespflegeeinrichtung in Kitzingen. Wenn wir auf den gesamten Landkreis Kitzingen blicken, stand im Bereich der Tagespflege mit dem Altenbetreuungszentrum der Stadt Iphofen lange Zeit nur eine Einrichtung zur Verfügung, die mit zwölf Plätzen in größerem Ausmaß Tagespflege anbot. In den letzten Jahren entstanden und entstehen aber immer mehr Tagespflegeeinrichtungen, so dass sich der Bestand im Landkreis Kitzingen zum Stichtag 31. Dezember 2019 auf 70 Plätze und mit Eröffnung der Tagespflege im Kastanienhof um weitere 35 auf 105 Plätze erhöht hat.

Haben Sie sich dort schon mal umgeschaut?

Köhl: Ich bin mit den Verantwortlichen schon seit längerer Zeit im Kontakt, zumal ich als Behindertenbeauftragter eine Stellungnahme zur erforderlichen Barrierefreiheit der Einrichtung erstellt habe. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, werde ich mir die Einrichtung anschauen, da ich auch als Seniorenbeauftragter natürlich die Betreuungslandschaft stets im Blick habe und mich freue, dass es nun auch direkt in der Stadt Kitzingen eine Tagespflegeeinrichtung gibt.

Wozu braucht es die Tagespflege überhaupt angesichts von Seniorenheimen und ambulanten Diensten?

Köhl: Die Tagespflege zählt zu den Angeboten der teilstationären Pflege und ermöglicht mit ihrer zeitlich begrenzten außerhäuslichen Versorgung, dass die betroffenen Personen so lange wie möglich in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld bleiben können. In Einrichtungen der Tagespflege werden pflegebedürftige, aber auch demenziell erkrankte ältere Menschen tagsüber versorgt, die nachts und am Wochenende von ihren Angehörigen betreut werden. Dies entlastet die pflegenden Angehörigen, da die Tagespflegegäste tagsüber unter ständiger Betreuung sind, ohne in eine vollstationäre Einrichtung umziehen zu müssen.
Ute Döblinger: Das kann ich nur bestätigen: Die Tagespflege erweitert die Möglichkeit, zu Hause wohnen bleiben zu können und tagsüber, insbesondere wenn die pflegenden Angehörigen berufstätig sind, trotzdem gut versorgt zu sein. Sie ermöglicht außerdem den Kontakt zu anderen Menschen.

Ist es teuer, einen pflegebedürftigen Angehörigen tageweise betreuen zu lassen?

Döblinger: Grundsätzlich gilt: Die Tagespflege kann neben den Leistungen, die es zur häuslichen Pflege gibt (Pflegegeld oder Pflegesachleistung bzw. die Kombination aus beidem), nach Antrag bei der zuständigen Pflegekasse in Anspruch genommen werden. Beim Pflegegrad 3 stehen nur allein für die Tagespflege pro Monat bis zu 1298 Euro zur Verfügung. Mit diesem Betrag können die sogenannten pflegebedingten Aufwendungen sowie die Fahrtkosten übernommen werden. Die „Hotelkosten“ (Kosten für Unterkunft und Verpflegung) müssen selbst bezahlt werden bzw. es kann der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro hierfür eingesetzt werden, sofern dieser noch nicht anderweitig verwendet wird. Über die Preise in den verschiedenen Einrichtungen der Tagespflege kann man sich online unter www.pflegelotse.de erkundigen. In unserem Pflegestützpunkt in Kitzingen beraten wir gerne kostenlos und neutral rund um das Thema Pflege, auch wenn Fragen zur Tagespflege bestehen.

Durchgerechnet: Ein Tag pro Woche in der Tagespflege

Beispiel: Eine 83-jährige Frau mit Pflegegrad 3, die noch zuhause lebt und dort versorgt wird. Für die Tagespflege könnte sie einmal pro Woche morgens abgeholt und abends wieder nach Hause gebracht werden, sofern das nicht Angehörige übernehmen können. Sowohl Essen als auch Getränke würde sie dort bekommen. Daneben erhält sie notwendige Leistungen der Grundpflege (wie Hilfe beim Toilettengang), der Behandlungspflege (wie Medikamentengabe) sowie der sozialen Betreuung (Tagesgestaltung). Die Kosten für die Tagespflege sind je nach Einrichtung unterschiedlich.
Rechnung: Pflegekosten 55,50 Euro (Pflegekasse gesamt maximal 1298 Euro pro Monat bei Pflegegrad 3), Kosten für Unterkunft: 5,50 Euro (selbst bzw. über Entlastungsbetrag), Kosten für Verpflegung: 8,10 Euro (selbst bzw. über Entlastungsbetrag), Fahrtkosten für 20 Kilometer 
(hin und zurück gesamt): 40 Euro (gehört zu den 1298 Euro maximal). Das ergibt Gesamtkosten von 108,10 Euro. Die Dame müsste also, sofern sie nur einmal pro Woche in der Tagespflege ist und den Entlastungsbetrag noch zur Verfügung hat, nichts dazu bezahlen.
Entlastungsbetrag: Würde sie diese Tagespflege öfter besuchen, wäre der Leistungsbetrag von 1289 Euro pro Monat für die Pflege- und Fahrtkosten nach gut 13 Mal verbraucht. Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro würde hier maximal neun Mal ausreichen. Diese Anzahl ergibt sich aus den 125 Euro geteilt durch Kosten für Unterkunft plus Verpflegung (13,60 Euro).
Quelle: Ute Döblinger, Leiterin des Pflegestützpunkts