Stolz liegen sie am Mainufer und gehören zu den Attraktionen der Gemeinden Fahr und Nordheim. Eigentlich, denn zurzeit stehen sie auf eher ungewohnten Standorten: die Fähren von Fahr und Nordheim. Seit Mitte vergangener Woche liegen sie auf dem Trockenen – im wahrsten Sinne des Wortes. Es  ist mal wieder Zeit für den TÜV.

Alle fünf Jahre, so schreibt es das Gesetz vor, müssen sich die Fährschiffe einer TÜV- Prüfung durch die SUK (Schiffsuntersuchungskommission) unterziehen. Und dafür wurden die circa 25 Tonnen schweren Schiffe in aufwendiger Schwerstarbeit ans Land gehievt. Eine Aktion,  die von etlichen Zuschauern aller Altersstufen in Fahr aufmerksam verfolgt wurde. Neben einem Kran waren auch zwei Tieflader angerückt und die tonnenschwere Fähre mit vier Befestigungselementen  auf die am Ufer stehenden Holz-Podeste zu heben. Etwa 30 Minuten dauerte das Spektakel. Werden  Auf- und Abbau aller notwendigen Hilfsmittel dazu gezählt, sind die Arbeiter etwa drei Stunden beschäftigt.       

Ganz zur Freude des 60-jährigen Fahrer Fährmannes Peter Heinrich, der bei der so genannten Aushub-Aktion erstmals mit dabei war.  Er erzählt, dass die fast 80 Jahre alte Fähre seit 1955 auf dem  Main bei Fahr im Einsatz ist. "Die Gefährte sind relativ alt und das ist es schon wichtig, dass die Schiffskörper auf ihre Schiffstauglichkeit überprüft werden", sagt Heinrich, der mit Fährmann Philipp Jäger und weiteren Helfern im Einsatz war. Zunächst galt es, die Rettungskästen und Werbetafeln sowie die Holzbohlen am Fährschiff abzubauen. Um die Fähre zu säubern werden seitens der Stadt Volkach Angebote über notwendige  Sandstrahlarbeiten eingeholt. Die Stadt entscheidet laut Heinrich auch über weitere Maßnahmen an der Fähre.  

Auch in Nordheim wird die Fähre für die nächsten Wochen den Betrieb einstellen, auch sie wird überprüft. Laut Fährmann Andreas Helbig sind derzeit keine größeren Investitionen am Schiff geplant. Dies könnte sich vorteilhaft auf die Wieder-Betriebsaufnahme der Fähre auswirken. Laut Helbig, der in den vergangenen Tagen neben Harald Kächelein, Klaus Friedrich und Edmund Gürsching im Dauereinsatz war, gilt nun das Hauptaugenmerk auf die Säuberung des Fährschiffes. Am 9. Februar ist dann in Fahr und Nordheim der große Fähren-TÜV-Tag. Dann werden die Schiffe von Sachverständigen genauestens unter die Lupe genommen. Ob die Revision weitere Schwachstellen ans Tageslicht bringt? Der Nordheimer Fährmann Andreas Helbig und auch sein Fahrer Kollege Peter Heinrich hoffen es nicht. Sie wollen bald schon wieder übersetzen. 

Die Mainfähren in Fahr und Nordheim

Mit der Gemeinde Nordheim eng verbunden ist die Mainfähre, die seit Jahrhunderten Passanten zwischen Escherndorf und Nordheim über den Main setzt. Urkundlich erwähnt wird die Nordheimer Fähre erstmals im Jahre 1473. Das heutige Fährschiff wurde 1947 auf der Schiffswerft in Erlenbach erbaut und befand sich bis Anfang der 80er Jahre im Besitz der Nordheimer Familien Otto und Walter Konrad. Die Gemeinde übte das Fährrecht aus. 1984 verkauften Walter und Paula Konrad das Schiff an die Gemeinde, weil der Betrieb nicht den Erlös brachte, um einen weiteren Angestellten zu beschäftigen.
Der Einsatz einer Fahrer Fähre wurde um 1400 erstmals erwähnt. Zunächst war es Jahrhunderte lang ein einfacher Kahn, der die Menschen über den Main brachte. Seit 1955 ist die heutige Fähre, erbaut 1945 auf der Schiffswerft in Erlenbach, zwischen Fahr und Kaltenhausen im Einsatz. Stolz ist man in Fahr auf das Automatische Identifikationssystem (AIS), mit dem die Fähre seit einigen Jahren ausgestattet ist und das durch den Austausch von Navigations- und anderen Schiffsdaten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert.
Die Fährschiffe in Fahr und Nordheim gehören zu den sechs kommunal betriebenen Fähren in Unterfranken. Auch in Dettelbach, Mainstockheim, Obereisenheim und Wipfeld zählen sie zum öffentlichen Straßennetz.
Quelle: wabr