Hagen Hirt aus Volkach hat vor einem Jahr an der Uni-Klinik Würzburg eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger begonnen. Gleich bei seinem praktischen Einsatz im ersten Fachbereich, der Frauenklinik, überrascht ihn die Corona-Pandemie. Von Anfang an wirken die Azubis mit, sind in die Notfallpläne ihrer Teams integriert, arbeiten unter den neuen Hygienevorschriften mit Maske, Abstand sowie gesperrten Zimmern und müssen sich schnell umstellen.

Der Pflege-Alltag wird plötzlich von vielen neuen Abwägungen bestimmt, sagt Hirt. "In der Frauenklinik sind ja nicht nur Schwangere. So musste zum Beispiel entschieden werden: Wo soll eine positiv auf Corona getestete Frau entbinden?", erinnert sich der Azubi.

Körperlich fordernde Arbeit auf der Intensivstation

Nach einer intensiven Lernphase seien die Hygienevorschriften allerdings Routine, gehören zu den Aufgaben des Pflegers dazu, erklärt Hirt. Das Risiko und die Auslastung in der Pflege sind je nach Fachbereich unterschiedlich. Vor einer stationären Aufnahme werden die Patienten getestet. Der Azubi schätzt sein Risiko und seine zusätzliche Belastung durch Corona gering ein. Das ist aber nicht in allen Bereichen so. "Auf der Intensivstation mit der Schutzausrüstung zu arbeiten, ist allein körperlich schon sehr fordernd. Sehr hoch belastet ist das Arbeitspensum bei instabilen Patienten, die beatmet werden müssen", ergänzt die kommissarische Pflegedirektorin der Uni-Klinik, Birgit Roelfsema.

"Ich möchte Menschen, denen es nicht so gut geht, wieder Freude geben."
Hagen Hirt, Pflege-Azubi aus Volkach

Inzwischen haben sich die neuen Abläufe eingependelt, und es wird sogar ruhiger auf Station, so empfindet es Hirt, weil nicht ständig Besucher ein- und ausgehen. Das schlägt allerdings den Patienten merkbar auf die Stimmung. Deshalb müssen die Pfleger besonders sensibel agieren. Soziale Kompetenzen seien in solchen Krisenzeiten gefragter denn je, sagt der Azubi. Dazu passend veranstaltete die Berufsfachschule für Krankenpflege Würzburg kürzlich einen Projekttag über  Kommunikation. Für den 20-Jährigen bedeutet sein Beruf mehr als nur die Körperpflege: "Wir sind einfach 24 Stunden, sieben Tage die Woche für die Patienten die Ansprechpartner", erklärt Hirt. "Das ist mein Ziel: Ich möchte für die Patienten da sein, Menschen, denen es nicht so gut geht, wieder Freude geben." Deshalb scherzt er auch gerne mal mit ihnen.

In seinem Beruf blüht der Volkacher auf. "Für die Pflege muss man leben; das ist es einfach", sagt der Azubi über seine Arbeit. Sind Pflegekräfte deshalb Helden, die Applaus verdienen? Anerkennung von anderen ist Hirt nicht so wichtig: "Meine Freunde müssen nicht den Hut vor mir ziehen." Politische Diskussionen um Tariferhöhungen, wie jetzt aktuell, seien allerdings berechtigt, sagt Hirt. "Es gibt Menschen, die pflegen Autos, und es gibt Menschen, die pflegen Menschen. Und dann muss man sich überlegen, wer mehr Verantwortung hat."

Durch Corona werde der Pflegeberuf zwar gerade jetzt mehr anerkannt, sagt Hirt, aber das sollte seiner Meinung nach auch in Zukunft so sein. "Die Anerkennung ist für mich allerdings Nebensache. Ich arbeite mit voller Leidenschaft, weil es mir Spaß macht und nicht, um auf die Straße zu gehen und zu sagen: Ich bin Krankenpfleger und dafür brauche ich mehr Anerkennung."

"Es gibt Menschen, die pflegen Autos, und es gibt Menschen, die pflegen Menschen."
Hagen Hirt über die Verantwortung in seinem Beruf

Für die Ausbildung an der Uniklinik hat er sich entschieden, weil er dort einen Überblick über ganz viele Fachbereiche bekommt, beispielsweise die operative Medizin oder die Geriatrie. Nach der Ausbildung hat er dann ein breites Berufsfeld. Bis jetzt habe ihm die Ausbildung sehr gut gefallen, nur der Schichtdienst-Wechsel von der Früh- in die Spätschicht fällt ihm körperlich schwer. Die Azubis sind nämlich bereits im zweiten Monat im Praxiseinsatz im Umgang mit den Patienten.

Vorher arbeiten sie an einem sogenannten Patienten-Dummy. Mit dieser Puppe üben sie die Körperpflege, das Blutabnehmen, Wundverbände und Injektionstechniken. "Wir bekommen die Aufgaben von den Lehrern und müssen dann handeln. Das ist ziemlich real", so empfindet es der Azubi.

Bei seinen Einsätzen ist Hirt auch während der Pandemie einer Schwester oder einem Pfleger zugeteilt. Die Azubis bekommen in der Praxis viel gezeigt. Das gefällt Hirt: "Was ich in der Theorie lerne, kann ich bei dem nächsten Praxiseinsatz sofort umsetzen und dabei verinnerlicht man am meisten." Gerade bei einer großen Berufsfachschule sei diese Verzahnung von Theorie und Praxis essenziell, erklärt Schulleiter Frank Engels.

Positiv in Erinnerung hat Hirt auch die Begleitungstage, an denen Lehrkräfte in die Klinik kommen: "Da bekommt man auch mal in der Praxis Feedback von den Lehrern." Lehrkräfte und Praxisanleiter stünden so im regen Austausch, erklärt Roelfsema. Besonders spannend findet Hirt die Einbindung von Dozenten der Uni-Klinik in die Ausbildung, die Inhalte aus ärztlicher Perspektive erläutern. Das kommt seinem medizinischen Interesse entgegen.

Pflegeausbildung als Karrierestart

Hirts Familie unterstützt ihn bei seinem Vorhaben. Der junge Mann ist selbstbewusst und stolz auf seinen Beruf, auch wenn er wegen der hohen Zahl weiblicher Pflegekräfte als Frauenberuf gilt. Hirt sagt dazu: "Männer können den Pflegeberuf genauso ausführen wie Frauen, wenn sie mit Herz arbeiten." Und während der Ausbildung fand er heraus, dass auch Frauenteams froh über männliche Körperkraft sind. Tatsächlich wandelt sich das Interesse, wie Schulleiter Engels berichtet: "Perspektivisch kommen immer mehr Männer." Das gilt besonders, seit die neue Pflegeausbildung die früher getrennten Bereiche der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege umfasst.

Auch das ändert sich: "Die technische Unterstützung entwickelt sich in der Pflege weiter, was das reine Person-zu-Person-Verhältnis verschiebt", erklärt Roefsema. So nutze die Pflege immer mehr technische Hilfsmittel. Das mache den Beruf vielfältiger und auch für Männer interessanter. Hirt betont, dass er in der Pflegeausbildung heute mehr Möglichkeiten sehe und zählt berufspädagogische Weiterbildungen oder anschließende Studiengänge dazu. Er selbst will zunächst in der Pflege arbeiten und dann voraussichtlich in diesem Bereich studieren.

Hagen Hirt

In seiner Freizeit übernimmt Hagen Hirt viele ehrenamtliche Tätigkeiten. Er ist Ersthelfer bei den Johannitern in Würzburg. Er spielte selbst schon lange Handball. Seit 2016 ist er Schiedsrichter im Bayernkader. Dort pfeift er in der Bayernliga Damen und in der Landesliga Herren.
In Volkach ist Hirt Mitglied bei den Freien Wählern. Die Musik nutzt er als Ausgleich. Schlagzeug spielt er, weil er gerne den Rhythmus angibt und dabei seine Energie rauslässt. Er spielte in der Schulband und in einigen Orchestern, bei den "Schwarzier Buam" und aktuell ist er Mitglied in einer Blaskapelle. Wenn es zeitlich klappt, spielt der 20-Jährige im Bezirks-Jugendsinfonieorchester oder wirkt bei Projektorchestern mit, die beispielsweise für die Benefizaktion "Sternstunden" Geld sammeln.
cmü