Kühlschränke gab es nicht. Die Weinflaschen waren mit Korken verschlossen und wurden mit Eisblöcken gekühlt. Getrunken wurde aus einfachen gläsernen Weinbechern. Der Volkacher Gustav Förster, ein gebürtiger Nordheimer, erinnert sich noch gut an die 1970er Jahre, als er mit seiner Crew vom Weingenießerclub Nordheim beim Fränkischen Weinfest in Volkach (Lkr. Kitzingen) im Stand der Nordheimer Winzergenossenschaft stand.

Es hat sich seither viel verändert auf Frankens größter Schoppenfete, die am Wochenende ihre 68. Auflage feiert. Über 50 000 Besucher werden erwartet. Sie können auf dem Weinfestgelände weit über hundert Weine verkosten, 17 allein am Stand der Nordheimer Weingenießer. Wie vor 37 Jahren führt Gustav Förster erneut Regie, organisiert und schuftet ehrenamtlich für seinen Verein, den er seit 45 Jahren leitet.

Dass die Weingenießer ein reger Faschingsverein sind, tut nichts zur Sache. Mit den Einnahmen aus dem Weinfest können Förster und seine Helfer ihr jährliches Vereinsbudget aufstocken. Ein bisschen verzwickt ist die ganze Sache aber schon, schließlich haben die Nordheimer doch ihr eigenes Weinfest.

„Vor 68 Jahren wurde dieses Weinfest aus der Taufe gehoben, um zu zeigen, dass nicht nur die Größe des Weinfests, sondern auch die Vielfalt einmalig in Franken ist“, erklärt Weinfestleiter Marco Maiberger. Die Gäste können deshalb Weine der gesamten Mainschleifen-Region verkosten, wobei der Schwerpunkt mit sieben Selbstvermarktern auf der Volkacher „Winzerschaft“ liegt. Dass zudem alle vier Genossenschaften der Mainschleife am Weinfest beteiligt sind, sieht Maiberger als weiteres Alleinstellungsmerkmal.

Mit dabei sind der Bocksbeutelhof Escherndorf, die Divino Nordheim (früher Nordheimer Winzergenossenschaft), der Winzerkeller Sommerach und die Winzergemeinschaft Franken (GWF). Die Liebhaber außergewöhnlicher Weine kommen in der Bocksbeutel- und Seccolounge auf ihre Kosten. Dort werden flüssige Schätze privater Winzer von Wipfeld bis Sommerach ausgeschenkt.

Weingenießervorstand Förster hat im Weinstand der heutigen Divino schon viel erlebt. Früher diente eine einfache Holzhütte als Ausschank, heute gleicht der Stand fast schon einer luxuriösen Vinothek. Mit acht Helfern ist der 64-Jährige an den fünf Weinfesttagen täglich im Einsatz. Wenn der Festplatz gefüllt ist, bekommen er und seine Mannschaft vom Weinfestgeschehen nicht mehr viel mit. Lediglich vor dem Tresen erleben sie die weinselige und ausgelassene Stimmung, die Urlauber und Einheimische vereint.

An einen ganz besonderen Weintouristen kann sich Förster erinnern. „Beim 50. Weinfest stand plötzlich Edmund Stoiber mit seiner Frau an unserem Weinstand. Er bestellte Silvaner und wir führten ein lustiges Gespräch“, erinnert er sich.

Der Silvanerschoppen war schön kalt, schließlich wurde er mit großen Eisblöcken in Wannen gekühlt. Die Eisquader waren im privaten Pkw aus einer nahen Brauerei angekarrt worden. „Eine große Herausforderung“, erinnert sich Förster an „auftauende Transporte“ bei großer Hitze. Dank mächtiger Kühlschränke ist das heute kein Thema mehr. Außerdem gibt es heute Stielgläser und Flaschen mit Schraubverschluss. „Ein Gast, der Korkgeschmack im Wein reklamiert, ist heute chancenlos“, lacht Förster.

Das 68. Fränkische Weinfest in Volkach startet am Freitag, 12. August um 19 Uhr und endet am Dienstag 16. August. Infos unter www.volkach.de