Unübersehbar, schon allein wegen seiner roten Farbe, stand am Montag ein original Londoner Doppeldecker-Bus auf dem Platz der Partnerstädte vor dem Landratsamt in Kitzingen. Der tourt derzeit im Auftrag der Initiative „Bayern gegen den Schlaganfall“ durch den Freistaat. Unter Federführung der Klinik Kitzinger Land konnten sich Bürger bei Ärzten, Krankenschwestern, Pflegepersonal, Logopäden und Mitgliedern von Selbsthilfegruppen über den Hirninfarkt ausführlich informieren und ihr eigenes Schlaganfallrisiko anhand von Fragebögen testen. Ergänzt wurde das Angebot durch Blutdruck- und Blutzuckermessungen.

Die Initiative „Bayern gegen den Schlaganfall“ hat das Ziel, die Bevölkerung über Risikofaktoren und Symptome des Schlaganfalls aufzuklären, so Chefarzt Dr. Wolfgang Karmann, Kardiologe an der Klinik Kitzinger Land. Viele Menschen würden die Symptome eines Schlaganfalls nicht erkennen und könnten ihre individuellen Risikofaktoren nicht einschätzen. „Dabei ist es unglaublich wichtig, dass die Menschen einen Schlaganfall erkennen und sofort die richtigen Maßnahmen einleiten“, so Karmann.

5000 Notfallpatienten transportiert das Rote Kreuz jährlich im Landkreis, 10 bis 20 Prozent davon sind Schlaganfallpatienten, ergänzte vor Ort Sven Appold, Leiter des BRK-Rettungsdienste. Das Sanitätspersonal ist Appolds Worten nach so ausgebildet, dass bereits beim Transport in die Klinik erste Maßnahmen ergriffen werden können, um einen lebensbedrohenden Blutpfropf aufzulösen. Karmann und die Neurologin im Kitzinger Krankenhaus, Dr. Anja Klafke, berichteten bei der Pressekonferenz, dass die Kitzinger Klinik Teil eines engmaschigen Schlaganfallnetzes sei. Seit Januar 2013 ist sie als Schlaganfallklinik (Stroke-Unit) zertifiziert und arbeitet eng mit anderen Krankenhäusern zusammen.

Ein Schlaganfall führt oft schlagartig zu halbseitigen Lähmungen oder einer Schwäche von Armen und Beinen. Weitere Anzeichen sind ein Herabhängen des Mundwinkels, der Ausfall der Sprechfunktion oder Schwierigkeiten, Worte zu finden, erklärten die Ärzte. Anzeichen seien mitunter auch Doppeltsehen und vorübergehende Blindheit auf einem Auge aber auch heftiger Schwindel mit Gangunsicherheit. „Da diese Symptome nicht mit Schmerzen einhergehen, werden sie häufig von Betroffenen als harmlos eingeschätzt“, sind sich die Ärzte einig. Das zeigte sich auch am Montag, als eine Frau der Ärztin von einer kurzzeitigen Gesichtslähmung berichtete, deren Warnungen und der Empfehlung sich untersuchen zu lassen, aber in den Wind schlug. „Manche Menschen sind beratungsresistent“, so Dr. Klafke resigniert.

„Ein fataler Fehler. Das einzig Richtige ist beim Auftreten von einem oder mehreren Symptome, ein sofortiger Anruf der Notrufnummer 112“. Wie schon in der Vergangenheit bei den Schlaganfallseminaren der Klinik Kitzinger Land, machte Karmann deutlich, dass bei einem Schlaganfall gelte, „Zeit ist Hirn“, denn mit jeder Minute die verstreicht, gehen Millionen Gehirnzellen unwiderbringlich verloren.