Kitzingen

Wanderausstellung in Kitzingen: Gedenken an den Widerstand am Ende des Zweiten Weltkriegs

Der Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen hat sich nicht nur die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kitzingen zur Aufgabe gemacht, er erinnert auch immer wieder an Menschen, die sich der NS-Diktatur entgegenstellten und oft unter Einsatz ihres Lebens scheiterten. Noch bis zum 27. September ist zu den Öffnungszeiten die Wanderausstellung "Tod den Nazi-Verbrechern – Widerstand gegen den Nationalsozialismus am Kriegsende" zu sehen.
Die Wanderausstellung über den Widerstand am Kriegsgende 1945 eröffneten (von links) Musikerin Lea Shif, Vorsitzende Margret Löther, Bürgermeister Manfred Freitag sowie die Referenten Anne Paltian und Roman Menth. Foto: Gerhard Bauer

Der Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen hat sich nicht nur die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kitzingen zur Aufgabe gemacht, er erinnert auch immer wieder an Menschen, die sich der NS-Diktatur entgegenstellten und oft unter Einsatz ihres Lebens scheiterten. Noch bis zum 27. September ist zu den Öffnungszeiten die Wanderausstellung "Tod den Nazi-Verbrechern – Widerstand gegen den Nationalsozialismus am Kriegsende" zu sehen.

Als die Alliierten im September 1945 die deutschen Grenzen überschritten, verstärkte sich der deutsche Widerstand gegen die damaligen Machthaber, die den Krieg bis zum letzten Blutstropfen fortzuführen suchten. Dagegen wandten sich immer mehr einfache Bürger, verbunden mit dem Vorsatz, die eigene Heimatgemeinde vor Zerstörung zu schützen und noch größeren Blutzoll zu vermeiden. Meistens waren es Frauen, die wegen der Abwesenheit der Männer an der Front wie in Gerolzhofen das Schlimmste mit Aufständen verhindern wollten.

Das Schicksal Alfred Ecks

Als Beispiel aus Mainfranken wurde im Einführungsvortrag am europäischen Tag der jüdischen Kultur das Schicksal von Alfred Eck aus Baldersheim geschildert. Margret Löther, Vorsitzende des Fördervereins, hatte dazu Roman Menth gewonnen. Er ist Bürgermeister der Stadt und Vorsitzenden der Geschichtswerkstatt Aub. Erst in den vergangenen Jahren seien die Ereignisse um die Besetzung von Aub und seinem heutigen Stadtteil Baldersheim aufgearbeitet worden. Dabei habe man erkannt, dass sich vieles anders ereignet habe als mündlich überliefert.

Alfred Eck – Jahrgang 1910 – steht stellvertretend für viele andere mutige Bürger, deren Einsatz oftmals ohne Konsequenzen blieb. Eck befand sich auf Heimaturlaub als die Amerikaner näher rückten und Aub zur Festung erklärt wurde. Pioniere errichteten Panzersperren, deren Sprengladungen Bauern entfernten und in die Gollach warfen. Eck versuchte im nahen Gelchsheim Kontakt zu den Amerikanern aufzunehmen, wurde jedoch verraten und vor ein Standgericht in Aub gestellt, das ihn wegen Sabotage, Verrat und Fahnenflucht zum Tod am Strang verurteilte. Die öffentliche Hinrichtung erfolgte am Marktplatz, wo die Leiche als abschreckendes Beispiel drei Tage nicht vom Galgen genommen werden durfte. Die Amerikaner besetzten Baldersheim, das ohne Zerstörungen blieb. In Aub hingegen gab es Zerstörungen und 17 Tote.

Aufstände in vielen Orten

40 Jahre nach den Geschehnissen sollte die Grundschule nach Alfred Eck benannt werden, 2015 blieb ein erneuter Antrag ebenso erfolglos. Eine Geschichtswerkstatt sollte jedoch die Ereignisse aufarbeiten.

Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand lieferte eine Wanderausstellung, die zahlreiche ähnlich gelagerte Vorgänge in deutschen Städten dokumentiert. Ergänzend berichtete Mitautorin Anne Paltian über Aufstände in Ochsenfurt, Gerolzhofen und vielen anderen Gemeinden, die oft nur wegen der übergroßen Zahl Beteiligter ohne Folgen blieben, jedoch meist weitere Opfer und Zerstörungen verhindern konnten.

Paltian fasste zusammen, dass der Widerstand nicht vergeblich war. Gegen das Vergessen sei die Ausstellung gerichtet. Die Eröffnungsveranstaltung wurde von Lea Shif vom jüdischen Kultur- und Gemeindezentrum Würzburg musikalisch umrahmt.