Betritt man in diesen Tagen die Wallfahrtskirche in Dettelbach, erblickt man bereits am Eingang eine weiße Kamera. In der Mitte entdeckt man noch drei weitere Kameras rund um den Altar. Das liegt daran, dass K-TV ab 2. Januar regelmäßig am Samstag um 16 Uhr das Pilgeramt der Wallfahrtskirche "Maria im Sand" überträgt. Nicht zu sehen ist der große Übertragungsapparat im hinteren Teil der Kirche. Es gibt ein Übertragungszentrum in Gossau in der Schweiz, und über den Übertragungsapparat in der Wallfahrtskirche können sich die Mitarbeiter von K-TV auf die vier Kameras schalten und diese so steuern, bewegen oder heranzoomen, wie mit einem Joystick. Kein Kameramann steht in der Kirche, alles läuft im W-Lan über den Übertragungsapparat.

Die ersten Probeaufnahmen liefen bereits bei Messen im vergangenen Jahr. Die Installation der Technik erforderte Geduld. "Es war sehr schwer, einen Internetanschluss für die Kirche zu bekommen, und dann braucht die Kirche für diese Übertragung ja auch eine superstarke Internetverbindung", sagt Pfarrer Uwe Hartmann. Als Kirchenpfleger Mathias Weissmann mit dem Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Timotheus Höttges, Kontakt aufnahm, konnte das Problem gelöst werden, erklärte Hartmann.

Jetzt liegen 170 Meter abgeschirmte Internetkabel bis hin zur Kirche und die Verbindung sei sehr stabil: "Eine tolle Leistung", so Hartmann. Das Pilgeramt der Wallfahrtskirche können Christen jetzt weltweit im Fernsehen verfolgen, da K-TV über Satellit und die meisten Kabelverbindungen übertragen wird.

Großes Wallfahrtsamt soll im Sommer übertragen werden

Das Pilgeramt im Winter, auch außerhalb der offiziellen Wallfahrtszeit im Sommer und Herbst, sei ein Angebot für Privatpersonen, die pilgern möchten, das gerade in der Pandemie sehr gut angenommen werde, sagt Hartmann. Wenn im Sommer wieder Wallfahrten möglich sind, möchte er auch mal ein großes Wallfahrtsamt übertragen lassen.

"Da kann man dann aus verschiedenen Perspektiven rund um den Altar hautnah miterleben, wie die Pilger um den Gnadenaltar ziehen. Aufnahmen mit dieser Technik machen eine gute Übertragung aus. Sie lebt von den verschiedenen Standorten und Perspektiven der Kameras und der Rundumschau, die beim Livestream oft fehlt", erklärt Hartmann. Er möchte nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich die Gottesdienste abwechslungsreich gestalten. Mittelfristig werde er auch andere Priester mit Bezug zur Wallfahrt einladen. "Unser Bischof bekommt auch eine Einladung", freut sich Hartmann.

Wallfahrtskirche ist sehr telegen

K-TV übertrage hauptsächlich Gottesdienste aus Wallfahrtskirchen, sagt Hartmann. "Normalerweise kommen jedes Jahr 80 Fuß- und 30 Buswallfahrten", berichtet der Pfarrer. Dettelbach zählt zu den beliebtesten Wallfahrtsorten der Diözese, auch wegen der besonderen Entstehungsgeschichte, die auf einer historischen Begebenheit beruht.

Die Pilger erflehen heute vor dem Gnadenaltar der schmerzhaften Maria ihren Schutz. Schon im Jahr 1505 soll der verwundete Tagelöhner Nikolaus Lemmer nach einem Kampf von ihr geheilt worden sein. Seitdem kommen Wallfahrer dorthin. Zudem sei K-TV an der Kirche wegen ihrer besonderen Bauweise interessiert, vermutet Hartmann. "Die Kirche ist sehr telegen. Sie filmen nicht wie sonst in einen großen Chorraum auf den Altar hinein, sondern können aus verschiedenen Perspektiven sehr nah um den runden Altar filmen", erklärt er.

Mobilität der Christen trotz Corona

Hartmann freut sich, dass die Wallfahrtskirche nun noch bekannter wird. Durch die erforderlichen Registrierungen erkannte der Pfarrer, dass trotz der Pandemie auch Christen beispielsweise aus Bad Neustadt oder aus Mittelfranken die Kirche besuchen. "Wenn kaum noch Gottesdienste abgehalten werden, suchen die Gläubigen auch an entfernten Orten die Möglichkeit eines Gottesdiensterlebnisses", meint der Pfarrer.