„Die Umgehung ist nicht alles, aber ohne Umgehung ist alles, was wir in den Ort stecken, nicht viel wert.“ Dieser Satz am Ende einer Presseerklärung der Bürgerinitiativen „Gaibach pro Umgehung“ und „pro Volkacher Umgehung“ ist eine Reaktion auf Tendenzen, die die geschätzte 16,5 Millionen Euro teure Entlastungsstraße für Volkach und Gaibach zur Wackelpartie machen.

Ob die knappe Entscheidung (11:9 Stimmen, November 2012) des Volkacher Stadtrats, die Sonderbaulast für die Umgehung zu übernehmen, weiter hält, ist unsicher. Bürgermeister Peter Kornell sieht derzeit keine Mehrheit, wie er zuletzt mehrfach deutlich machte. Im Herbst, wenn das Verkehrsgutachten vorliegt, müssten die Volkacher Stadträte Farbe bekennen.

Das 85 000 Euro teure Gutachten wird laut Information des Büros- für Stadt- und Verkehrsplanung (BSV, Aachen) in der zweiten Septemberhälfte vorgestellt. Dabei soll ein Verkehrsmodell präsentiert und die Fakten rund um die möglichen Trassen auf den Tisch kommen. Ansprechpartner sind laut BSV wieder die Bürger – bei Workshop Nummer drei.

Deutliche Zweifel an der Datengrundlage für die Verkehrsstudie kommt von den Bürgerinitiativen, die wegen der hohen Verkehrslast für Volkach und Gaibach die Umgehung seit Jahren fordern. Angesichts der Dauerbaustelle in Kolitzheim könne es keine realistischen Verkehrszahlen geben. Dem widersprechen die Planer. Um den Ausweichverkehr der Schwerlaster einzubeziehen, habe BSV Zählstellen auch an der Bundesstraße 286 eingerichtet.

Ob dieses errechnete Modell des Verkehrsdrucks die Wirklichkeit abbildet, wird sich zeigen. Für die Bürgerinitiativen ist nur eines sicher: „Spätestens im September werden sich mit den 1000 Schwerlastern täglich auch die Staatsstraßenanwohner rückmelden, die der Volkacher Stadtrat konsequent vergisst.“ Die Sprecher der beiden BI's kündigen schon jetzt an, dass die verkehrsgeplagten Bürger „sich mit Demos wehren gegen eine solche Verantwortungslosigkeit, wie sie sich jetzt abzeichnet“.

Der verbale Warnschuss richtet sich speziell auch gegen diejenigen, die zuletzt bei der Diskussion um den viele Millionen Euro teuren Erhalt der Volkacher Bäder mit der Finanzierung der Sonderbaulast (Stadt ist Bauherr, Freistaat fördert großzügig) in Zusammenhang brachten.

Gegen Sonderbaulast

Deutlichste Gegner dieser Finanzierung sind die Räte der Bürgerliste. Die sind laut Fraktionschef Jochen Flammersberger „grundsätzlich“ für eine Umgehung, aber gegen die Sonderbaulast. Im Gespräch, während des Wahlkampfs, war auch ein Bürgerbegehren, das Ex-BL-Bürgermeisterkandidat Fred Mahler auch im Zusammenhang mit der Idee einer weiträumigeren Umgehungstrasse ins Gespräch gebracht hatte.

Ob das Bürgerbegehren kommt, ist laut Flammersberger noch unklar. Die BL wolle noch Gespräche mit den unterschiedlichen Bürgerinitiativen führen, um ein Meinungsbild zu erhalten. Man halte sich die Option des Bürgerbegehrens offen, wolle aber erst einmal das Verkehrsgutachten abwarten, und: „Wir wollen das nicht über die Köpfe der Bürger hinweg machen.“

Dass der Stadtrat über die Köpfe der von einer Verkehrslawine gestressten Bürger hinweg entscheiden könnte, befürchten dagegen die Bürgerinitiativen in Volkach und Gaibach. Deren Sorge gilt auch dem Verkehrsgutachten. Wenn das zu niedrige Zahlen bringen sollte, würde der Lärmschutz für den Volkacher Osten kippen und damit – vermutlich – die ganze Umgehung. Schließlich steht der Stadtrat bei den Menschen im Osten im Wort, die den vom Norden weggeleiteten Verkehr vor ihre Häuser geführt bekämen.