Wort- und gestenreich hat der Mieter einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus vor dem Kitzinger Amtsgericht versucht, einer Verurteilung wegen Beleidigung eines Handwerkers zu entkommen. Das schaffte er nicht. Am Ende verurteilte Richterin Patricia Finkenberger den Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 300 Euro (15 Tagessätze zu 20 Euro). Damit kam der Berufskraftfahrer eher milde davon.

Als "wortreich, laut und unsachlich" bezeichnete Finkenberger den aufgeregten Auftritt des Mannes. Der hatte einen Strafbefehl wegen Beleidigung bekommen und Einspruch eingelegt. In der darauf folgenden Verhandlung lautete seine Botschaft immer wieder: "Ich habe nichts gemacht, habe überhaupt kein Motiv."

Das nahm ihm das Gericht allerdings nicht ab. Für dieses stand am Ende der Verhandlung fest: Der Mann hat in einem Mehrfamilienhaus einen Handwerker und Bekannten seiner Vermieterin beleidigt. Der wollte die defekte Internetverbindung zum Laufen bringen, als der aufgebrachte Mann ihm im Streit um den verwehrten Zugang zum Dachboden den "Mittelfinger zeigte und sich gleichzeitig in den Genitalbereich griff". Das bestätigte der Handwerker als Zeuge. Damit stand Aussage gegen Aussage.

Angeklagter glaubt dem Zeugen kein Wort

Ausschlaggebend war der Zeugenauftritt eines weiteren Mieters. Der hat als Unbeteiligter die Szene mitverfolgt und sie dem Gericht nach einigem Zögern auch demonstriert. Danach stand nicht nur für die Richterin fest: "An dem Zeugen komme ich nicht vorbei." Die Beleidigung war erwiesen, auch wenn der Angeklagte sicher war, dass "der Mann gekauft ist" und seiner Überzeugung Luft machte: "Die wollen mich und meine Familie kaputt machen."

Das blieb dann als Teil des wortreichen Auftritts so im Raum stehen und wurde von der Richterin wie viele weitere Aussagen eher als "schamlose Überteibung" gewertet. Für die Beleidigung forderte die Staatsanwältin 900 Euro (30 Tagessätze zu 30 Euro). Dass es am Ende nicht so viel wurde, lag einmal an den Einkommensverhältnissen des vierfachen Vaters und auch ein bisschen an der Vorgeschichte.

Streitfall landet nicht das erste Mal vor Gericht

In dem Mehrfamilienhaus gab es immer wieder Ärger. Der inzwischen ausgezogene Mieter stritt sich mit seiner Vermieterin. Da wurde schon mal die Miete nicht gezahlt und von der anderen Seite angeblich für Monate der Strom abgedreht. Der Streit hatte das Gericht schon in der Vergangenheit beschäftigt, allerdings die zivilrechtliche Abteilung. Es geht um das Geld – um wie viel, das blieb offen. Forderungen in Höhe 7000 Euro sollen im Raum stehen oder auch gut 900, von denen der Angeklagte sprach.

Die spielten in der Verhandlung keine Rolle. Da ging es um die Beleidigung. Die  kostet dem Mann 300 Euro, plus Gerichtskosten. Damit ist die Richterin am unteren Ende des Strafrahmens geblieben, der bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe reicht. Ob das Urteil mit dem Schnäppchen rechtskräftig wird, ist allerdings offen. Der Mann blieb bis zum Schluss dabei blieb: "Die lügen alle."