Kitzingen ist die Hochburg der Nichtwähler: Nur jeder dritte der gut 15 000 Wahlberechtigten machte sein Kreuzchen bei der Europawahl. Geradezu vorbildlich beim Abstimmen sind dagegen die Nordheimer: Mit 64,1 Prozent sind die Bürger der Winzergemeinde einsamer Spitzenreiter bei der Wahlbeteiligung.

Wenig erstaunlich ist ein zweiter Spitzenwert, den der Ort an der Mainschleife verbuchen kann: Nordheim ist wie üblich die Kreis-„Hauptstadt“ der CSU. Fast 70 Prozent der Wählerstimmen gingen hier an die Schwarzen, die trotz allen Einsatzes im Landkreis nichts von ihrem Neun-Prozent-Minus vor fünf Jahren wettmachen konnten.

Allerdings: Die Riesenohrfeige, die die CSU landesweit – mit minus acht Prozent – einstecken musste, ging an den Christsozialen im Kreis weitgehend vorüber. Was vermutlich daran liegt, dass die Schwarzen hier eine treue Fangemeinde haben und Europa-Kandidatin Barbara Becker vermutlich mit einem engagierten Wahlkampf auch lokalpatriotische Gefühle weckte.

Vergebens allerdings: Weil die CSU grandios verlor, reicht Platz acht auf der Liste nicht einmal annähernd für einen Sitz in Brüssel.

Raus aus dem Tal der Tränen ist die SPD. Die hat ihre roten Hochburgen in Mainbernheim (29 Prozent) und Mainstockheim (27). Die Grünen sind in Obernbreit (rund 14 Prozent) besonders stark und die stark abgestraften Freien Wähler in Sommerach (11,4 Prozent). Neben der Winzergemeinde kamen die FW nur in Dettelbach über die Zehn-Prozent-Hürde.

Auffällig beim Wählen sind die Rüdenhäuser: Nicht nur, weil die Linke in der Steigerwaldgemeinde fast drei Mal so viele Wähler hat wie im Kreisdurchschnitt (2,4 Prozent). Interessant ist auch das außergewöhnliche Abschneiden der PSG mit 5,74 Prozent. PSG? Das ist die Partei für Soziale Gleichheit, der 17 Rüdenhäuser ihre Stimme gaben. Die sozialistisch ausgerichtete Gruppierung machte Wahlkampf mit der Warnung vor Kriegsgefahr wegen des Ukraine-Konflikts.

Interessant ist auch das Abschneiden der Klein- und Kleinstparteien. Zu denen gehört inzwischen auch die FDP, der gerade mal 733 Bürger (2,45 Prozent) ihr Kreuzchen schenkten. Dicht im Nacken der Liberalen sitzt Die Linke (2,4 Prozent) und die im Landkreis schon länger etablierte Partei ÖDP, die immerhin rund zwei Prozent abräumte. Zu den Exoten gehört inzwischen auch die Piratenpartei (ein Prozent), die nur wenige Promille vor der Tierschutzpartei bei der Europawahl ins Ziel kam.

Anspruch auf eine Ehrenrettung hat Martinsheim. Der kleine Ort landete zwar mit deutlichem Zeitabstand als letzter – kurz nach 20 Uhr – in der Ergebnisliste des Landratsamts, verdankt das aber nicht etwa einem extrem langsamen Zählvorgang. Bremse waren laut Landratsamt Übermittlungsprobleme, die die 440 Stimmen aus Martinsheim zur Hängepartie machten.

Und weil der Letzte manchmal schlichtweg Pech hat, standen die Martinsheimer auch noch falsch in der Zeitung. Ein Mausklick daneben und das Segnitzer Stimmergebnis landete unter Martinsheim in der Tabelle. Richtig gewesen wäre: 823 Stimmberechtigte, 440 Wähler, eine ungültige Stimme; CSU: 189 Stimmen (43,05 Prozent), SPD: 73 (16,63), Grüne: 44 (10,02), FDP: 23 (5,24), Linke: 8 (1,82), Freie Wähler: 52 (11,85) und AfD: 23 (5,24).