Schloss Crailsheim gehört seit 2020 der Gemeinde Rödelsee. Wein und Tourismus sind dort schon zur Vinfothek verschmolzen. Jetzt schaute sich der Gemeinderat in den Räumen des Schlosses bis zum Dach um, um zu sehen, was gemacht werden muss oder kann. Billig wird es nicht: Eine komplette Sanierung würde rund drei Millionen Euro kosten.

Alles auf einmal werde nicht gemacht, sagte Bürgermeister-Stellvertreter Bernd Lussert, der die Gemeinderatssitzung für Bürgermeister Burkhard Klein leitete. "Das entwickelt sich in verschiedenen Baufenstern über mehrere Jahre." Ende des Jahres werde das Thema der Nutzungsmöglichkeiten noch einmal auf die Tagesordnung kommen, kündigte Lussert an. Bis dahin sammle man noch Ideen und erst dann würden Beschlüsse gefasst.

Die Architekten Thomas Buchholz und Norbert Hufnagel führten die Ratsmitglieder sowie interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer durch das Schloss und die ehemaligen Räume der Kelterei. Das Dachgeschoss besteht aus zwei übereinander angeordneten stehenden Stühlen und befindet sich nach Architekten-Aussage in einem außerordentlich guten Zustand. Da das Dachgeschoss nicht genutzt werden soll, soll lediglich auf dem Fußboden eine Dämmung aufgebracht werden. Das Dach stammt vermutlich aus der Bauzeit des Schlosses, welche um 1614 angegeben wird.

Im Hochparterre des Schlosses, dessen Räume eine hohe gestalterische und schützenswerte Qualität aufweisen, könnte wieder aus kleineren ein größerer Raum werden. Vorstellbar sind ein Sitzungssaal, ein Trau- und ein Bürgermeisterzimmer sowie ein Stuhllager. Sanitäre Anlagen könnten in den Nebenräumen eingebaut werden. Ein abgeschlossener Bereich könnte als Wohnraum, zum Beispiel für Flüchtlinge oder Bedürftige, genutzt werden. Laut Buchholz kann alles mit sehr wenig Aufwand hergerichtet werden. Auf 400.000 Euro bezifferte er die Kosten. Bei einer Gebäudelänge von 49 Metern und einer Breite von 16 Metern betrage die Nutzfläche ungefähr 550 Quadratmeter.

Beim jetzigen Seiteneingang zum Keller, der bereits hergerichtet ist und in dem schon die Krönung der neuen Weinprinzessin stattfand, soll ein Aufzug errichtet werden. Inklusive der neuen Kellertreppe liegen die Kosten dafür bei etwa 250.000 Euro. Der obergeschossige Verbindungsbau zwischen Schloss und dem ehemaligen Gesindebau, der jetzigen Vinfothek, soll, so die derzeitige Planung, durch ein modernes Bauwerk ersetzt werden. Der künftige Zugang zur Wohnung soll über eine neue Treppe an der Nordseite erfolgen. Kosten: 100.000 Euro. So viel soll auch die Erneuerung der Einfriedungsmauer kosten. Die Sanierung der Wohnung inklusive des Dachstuhls sind derzeit mit 376.000 Euro veranschlagt.

Auch für die Vinfothek laufen Planungen für bauliche Veränderungen. So soll im bisherigen Lager eine moderne Küche eingebaut werden, im kleinen Raum daneben soll ein barrierefreies WC entstehen. Von der neuen Küche soll es einen Durchbruch zum Lager geben.

Auch in den Räumen der früheren Kelterei stehen einige Arbeiten an. Dort befindet sich bei Festen die Küche. 818.000 Euro würde alles in diesem Bereich kosten. Im Kellerbereich ist die neue Heizungsanlage geplant. Vorgesehen sind Wärmepumpen. Das kostet weitere 500.000 Euro. Zudem ist vorgesehen, auf dem Dach, sowohl auf der Süd-, als auch auf der Nordseite, eine Photovoltaikanlage zu errichten.

Ob es eine Förderung gibt, steht laut Lussert noch nicht fest. Erfreulich wäre, wenn es eine gäbe. Denn Buchholz bezifferte die Gesamtinvestition auf rund drei Millionen Euro.

Lussert erinnerte kurz an das Ergebnis der Bürgerbefragung zur künftigen Nutzung von Schloss Crailsheim. Die Idee der Tourist-Information und Vinothek sei mit der Vinfothek bereits erfolgreich umgesetzt worden. Die Örtlichkeiten können außerdem von Vereinen, Organisationen und für kulturelle beziehungsweise private Veranstaltungen genutzt werden.

Zwei weitere Ideen zur künftigen Nutzung des Areals seien an den Gemeinderat herangetragen worden. Zum einen eine Bücherei, eventuell mit Lesecafé. Auch Projekträume könnten entstehen. Die Räume könnten für eine feste Zeitspanne angemietet werden und Jungunternehmern würde damit der Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtert.