Dass einmal gut 800 Flüchtlinge den Caritasverband für den Landkreis Kitzingen in seiner Arbeit herausfordern, hätte am 21. April 1975 niemand gedacht. Damals – beim Gründungsakt im Benediktinerkloster Münsterschwarzach – nahm die Caritas ihre Arbeit auf, als Wohlfahrtsverband und Helfer in sozialen Nöten. Das 40-jährige Bestehen feiert die Organisation am Freitag, 9. Oktober, mit einem Gottesdienst in der Kapuzinerkirche und einem Festakt in der Alten Synagoge.

Was sich in 40 Jahren nicht geändert hat, beschreibt Caritas-Geschäftsführer Paul Greubel: „Caritas heißt die Liebe, tätige Nächstenliebe. Das ist unser Auftrag.“ Und der hat viele Gesichter. Das derzeit auffälligste ist die Asylsozialarbeit. „Wir waren die Ersten“, sagt Greubel. 1986 ging der Arbeitskreis Asyl an den Start – trotz vieler Widerstände, wie der Geschäftsführer betont.

„Professionelle“ Hilfe leiste die Caritas, die sich derzeit mit vier hauptamtlichen Mitarbeitern um die gut 800 Flüchtlinge im Kreis kümmert. Anlaufstelle des Teams ist der Corlette-Circle, wo die Asylsozialarbeiter in einem Haus ihren Standort haben. Das Vierer-Team betreut die Menschen im Corlette-Circle, ebenso wie die Asylbewerber in dezentralen Aufnahmestellen und im Kitzinger Innopark.

Hilfe für Suchtkranke

Neben Beratung im Asylverfahren, Hilfen im Alltag und – bei traumatisierten Flüchtlingen – Unterstützung in seelischer Not müssen die Mitarbeiter laut Greubel auch Ordnung und Struktur in die Betreuung der Flüchtlinge bringen, die von gut hundert Ehrenamtlichen viel Hilfe erfahren.

Ein weiteres starkes Standbein ist der Bereich Pflege. Schon 1988 gründete sich die Gruppe „Pflegende Angehörige“. Die hat sich enorm weiterentwickelt. Neben den Beratungsaufgaben zum großen Bereich Pflege hat die Caritas sich inzwischen beim immer drängenderen Thema der Demenz spezialisiert. Im Caritas-Haus gibt's die gemeinsam mit der Diakonie betriebene Fachstelle für pflegende Angehörige. In Schwarzach wartet eine Betreuungsgruppe auf demenzkranke Menschen, während ihre pflegenden Angehörigen sich eine kleine Auszeit gönnen können.

Was neben den beiden großen Themen fast schon verschwindet, ist der ganz normale Caritas-Alltag. „Wir sind ein Beratungshaus“, sagt Greubel. Beispielsweise die Psychosoziale Beratungsstelle für Suchtprobleme.

468 Fälle wurden hier laut Greubel im Vorjahr gezählt, bei denen meist der Alkohol die Betroffenen und/oder ihre Angehörigen in Nöte brachte. „Stolz“ ist der Geschäftsführer aber nicht nur auf die Hilfen für Suchtkranke, sondern auch auf die vorbeugende Arbeit in den Schulen. Der Wohlfahrtsverband, der seit 1981 seinen Sitz in der Schrannenstraße 10 hat, ist breit aufgestellt: Erziehungsberatung, Sozialstation, Gemeindecaritas, ambulanter Pflegedienst und vieles andere mehr gehören zu seinen Aufgaben, die sich in 40 Jahren allmählich angesammelt haben.

Humoriger Festvortrag

Wenn Vorsitzender Alfred Volbers beim Festakt in der Alten Synagoge vor vielen geladenen Gästen, hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern die einleitenden Worte spricht, werden sich viele an diese Entwicklungen erinnern. Und aus welchem Denken sich die Arbeit der Caritas seit ihren Anfängen speist, will Michael Ebertz, Theologe an der Uni Freiburg, in seinem humorvoll betitelten Festvortrag beleuchten: „Wir sind von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt ...“