Man könnte viel machen. Diese Gewissheit haben seit Donnerstag auch wieder die Mainbernheimer Stadträte, nachdem Yvonne Slanz, Ingenieurin des Bamberger Büros transform und von der Stadt Mainbernheim beauftragt für Konzepte der Stadtentwicklung ihren Sachstandsbericht zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) im Rathaus vorlas. Darin jede Menge Ideen, wie man den Leerstand in der Altstadt sinnvoll nutzen und wie man das „Herz Mainbernheims“ mit Leben füllen könnte. Und die Zeit drängt: Am 30. Januar 2016 ist Abgabetermin des Konzeptes bei der Regierung von Unterfranken, die dann über Fördergelder entscheidet.

„Mainbernheim ist authentisch. Sie sollten Ihre Stadt nicht übersanieren“, legte Slanz den Räten ans Herz. Wie man diesen Spagat schaffen könnte, belegte sie mit konkreten Vorschlägen, aber auch mit einem Schuss Phantasie. Zuallererst müsse ein Konzept für die Altstadt her: Der öffentliche Raum der Altstadt solle zum attraktiven Verkehrsraum werden, in dem gestalterische Grundsätze gelten, der möglichst barrierefrei sei und in dem Freiflächen sinnvoll genutzt werden. Die „Altstadtfreunde“ sowie die Öffentlichkeit müssten bei diesen Überlegungen mit einbezogen werden. Die Herrnstraße solle als zentrale und historische Hauptachse aufgewertet werden, indem man die Pflasterflächen verbreitert.

Für große und kleine Häuser brauche es ein strategisches Leerstandsmanagement. Wo die Eigentümer kein oder wenig Interesse zeigen, könnte man Investitionsanreize bieten. So gebe es in der Schweiz Gemeinden, in denen nicht mehr wirtschaftlich auf dem Markt anbietbare Häuser zu Wohnungen umgebaut werden, die dann als „Ferien im Baudenkmal“ beworben werden könnten. In der Toskana gebe es ein Ferienhauskonzept, das mit schlichten Ferienwohnungen aufwartet, die von Investoren gemeinsam finanziert und abwechselnd bewohnt werden. Möglicherweise finden sich solche Geldgeber auch in Mainbernheim und Umgebung selbst, auch über ein Genossenschaftsmodell könne man nachdenken.

Weiter dran bleiben solle die Stadt an der Idee, mit umliegenden Gemeinden Synergien zu finden. Ganz wichtig sei zudem, weiter am Image der Stadt zu arbeiten und ein Leitbild entwickeln. Anmelden solle man zur Städtebauförderung 2016 auf jeden Fall das noch zu erstellende Gestaltungskonzept Herrnstraße, einen Rahmenplan „Ruhender Verkehr“ sowie einen Plan, wie man mit der Baulücke am Kirchplatz umgehen soll. SPD-Fraktionsvorsitzender Oskar Münzer meinte angesichts dieser Fülle an Vorschägen und „Hausaufgaben“, man solle sich ein oder zwei Themen herauspicken und diese dann richtig verfolgen.

Parteigenosse Eugen Reifenscheid ergänzte, das gastronomische Angebot in der Altstadt müsse erweitert werden. Erwin Reidelbach (Freie Wähler) wünschte sich Künstler in der Altstadt, nach dem Vorbild Sommerhausen, die das Bild beleben würden. Parteikollege Rainer Saueracker regte an, finanzielle Anreize für die Anwohner zu schaffen, an ihren Häusern mehr zu machen. Vielleicht könne man die Fördergelder seitens der Stadt aufstocken. Bürgermeister Kraus entgegnete, dass man bereits mit der Bezirksregierung im Gespräch sei, auch von deren Seite Zuschüsse zu erhalten.