Zeitdruck, Hektik, ein Fehler beim Ausparken, ein Zusammenprall und dann in Panik einfach weggefahren: Alles zusammen brachte eine 18-Jährige jetzt vor das Jugendgericht. Das unerlaubte Entfernen vom Unfall kostet die junge Frau 400 Euro und damit mehr als einen Netto-Monatslohn. 30 Stunden soziale Hilfsdienste kommen obendrauf.

Dennoch hat die junge Autofahrerin sichtlich erleichtert die Anklagebank verlassen. Die halbe Stunde dort hatte die oft mit den Tränen ringende Frau sichtlich mitgenommen. Trotz der Zusicherung von Richter Wolfgang Hülle gleich zu Beginn: „Der Kopf wird ihnen hier nicht abgerissen.“ Die Sache ging der Frau nahe. „Ich sehe die Angeklagte beeindruckt, wir werden sie künftig hier nicht mehr sehen“, zeigte sich Staatsanwalt Thorsten Seebach am Ende überzeugt.

Der Eindruck, den das Verfahren hinterließ, war mit ein Grund, dass sich Richter und Staatsanwalt schnell über die Einstellung des Verfahrens einigten. Damit kam die Frau ohne Urteil weg. Und ohne das gefürchtete Fahrverbot, das bei Fahrerflucht immer im Raum steht. Das hätte der Frau ihren Job gekostet.

Dienstlich war sie mit einem Auto im Oktober 2014 unterwegs. Der Auftrag: Einkaufen und dann ein Kind abholen und zur Therapie bringen. Beim Rückwärtsausparken auf dem Parkplatz eines Supermarktes passierte es dann. Ein kurzer Anstoß. Die Frau stieg aus. „Ich hab's schon gemerkt, aber bei mir war nichts“, sagte sie dem Gericht. Den Schaden vor Augen und den Zeitdruck im Nacken reagierte sie wie in Panik, fuhr einfach weiter. Ein Fehler, wie sie damals ahnte und heute weiß. Der Schaden am anderen Auto war unübersehbar. Die Reparatur kostete am Ende fast 900 Euro. „Natürlich weiß ich, dass ich warten muss“, sagte die junge Frau. Warum sie nicht gewartet hat, konnte sie nicht sagen.

Davon gekommen ist sie damit nicht. Sie wurde beobachtet. Zum Glück für den Geschädigten, dem der Schaden inzwischen ersetzt wurde. Wenig später stand die Polizei bei ihrem Arbeitgeber auf der Matte. Die Anzeige folgte und jetzt die Verhandlung, die mit „zwei zugedrückten Augen“ (Wolfgang Hülle) und der Einstellung des Verfahrens endete.