Es war ein langer, emotionaler und spannender Abend im Kitzinger Dekanatszentrum, als gegen 23.30 Uhr am Freitag das dann doch ziemlich eindeutige Wahlergebnis verkündet wurde: Dieter von der Kall bleibt Vorsitzender des Kitzinger Rudervereins. Mit 52:31 Stimmen konnte sich der langjährige Vorsitzende gegen seinen Herausforderer Gerd Bock durchsetzen.

Was zu Beginn wie eine ganz normale Jahreshauptversammlung mit Tätigkeitsberichten der einzelnen Abteilungen aussah, mündete spätestens nach der Pause, als es zu den Wahlen ging, in eine doch eher emotionale Auseinandersetzung der beiden "Teams" um von der Kall und Bock. Wobei die beiden "Teamleiter" sicher nicht die treibende Kraft für die teils heftigen Diskussionen, Nachfragen und auch lauten Beifallskundgebungen waren.

Ein wenig wie Abschied

Fast schon ein wenig nach Abschied klangen die Worte des Vorsitzenden, bevor er die Sitzungsleitung an das Wahlteam abgab. Geprägt waren die Ausführungen vor allem von Dank für die vielen Mitarbeiter in den vergangenen zehn Jahren seines Vorsitzes.

Dann war es an Gerd Bock sich und seine Beweggründe vorzustellen: Jetzt bestehe die Chance, durch die Aufstockung des Sanitärtraktes und die Schaffung eines neuen großen Raumes die Attraktivität des Vereins vor allem auch für jüngere Mitglieder zu steigern. Die Zuschusslage sei, wie auch die finanzielle Situation des Vereins, günstig. Vor allem in den Wintermonaten, wo das Rudern eingeschränkt ist, könnte damit die Bindung der Mitglieder an den Verein gestärkt werden und so auch ein weiterer Rückgang, noch vor wenigen Jahren bei 230 auf heute gut 180 Mitglieder, gestoppt und gewendet werden.

Team-Wechsel

Ein weiteres Argument brachte Kassier Guido Böhm, der aus dem "Team" von der Kall ins "Team" Bock wechselte: An ihm seien in den vergangenen Jahren immer wieder Entscheidungen mit finanziellen Folgen vorbei gegangen, die eigentlich im Ausschuss zu behandeln wären. Zudem stagniere der Verein, "auch wenn wir jetzt zehn Jahre lang unser Bestes gegeben haben".

Vor allem das Projekt "Aufstockung" erhitzte die Gemüter. Hier lagen Zahlen für eine mögliche Finanzierung vor, die im Vereinsausschuss wohl beraten und so auch dem derzeitigen Vorstand bekannt waren. Insgesamt soll das Vorhaben, das eine Dimension von etwa 19 auf sieben Meter umfasst, rund 270 000 Euro kosten. 94 500 Euro könnten dabei als Zuschuss, 54 000 Euro als zinsloses Darlehen, 50 000 Euro aus Eigenmittel und 19 000 Euro an Eigenleistung erwirtschaftet werden, so dass am Ende ein Darlehen von rund 52 000 Euro bliebe.

Natürlich gab es hierüber heftige Diskussionen bis von der Kall klar machte, dass dies heute nicht Thema sei, sondern einen eigenen Mitgliederbeschluss in einer gesonderten Sitzung erfordere. Bock machte dann noch deutlich, dass er nach einer Wahl das Amt nur antrete, wenn sein komplettes Team gewählt werde.

So standen quasi zwei Lager zur Wahl, insgesamt 13 Posten auf einem Wahlzettel, was die Auszählung sicher nicht vereinfachte. Zudem waren am Freitagabend insgesamt 84 stimmberechtigte Mitglieder zur Versammlung gekommen, eine wohl historisch große Zahl, die nicht nur das große Interesse der Mitglieder am Verein zeigte, sondern auch die Legitimation des neuen Vorstandes erhöhte.

Am Ende war es Dieter von der Kall, der sich mit 51:32 Stimmen gegen Gerd Bock durchsetzte, der dann als erster auf von der Kall zuging und ihm gratulierte. In von der Kalls Team sind die vier stellvertretenden Vorsitzenden für Sport Michael Bedö, für Finanzen Georg Wittmann, für Verwaltung Tobias Völker und für Wirtschaft und Gesellschaft Sonja Hering. Ressortleiter sind Hans Metzger für Haus und Technik, Bruno Flennert für Bootswartung, Walter Meyer und Klaus Kröckel für Wanderrundern, Helga Wachter und Patrick Bahns für Schriftführung und Eugen und Burkhard Volbers für die Kassenprüfung.