729 Kilometer haben sie in die Pedale gestrampelt, mit nur einem Ziel vor Augen: das 65. Fränkische Weinfest in Volkach. Vor fünf Tagen waren Jacqueline Rottmann, Jan Taschies und Stefan Buss in Berlin mit ihren Fahrrädern gestartet, um Frankens größte Schoppenfete mit dem Drahtesel zu erstürmen. Am Freitagnachmittag ist das Biker-Trio ziemlich erschöpft aber glücklich auf dem Volkacher Marktplatz eingetroffen.

„Es war eine harte Tour, aber wir hatten auch riesig Spaß dabei,“ schwärmte Radlerin Jacqueline von der strapaziösen Tour. In der Tourist Information konnten sie gleich ihre erste verdiente Belohnung in Empfang nehmen. Tourismuschef Marco Maiberger schenkte den sportlichen Radfahrern drei Dauerkarten für das Weinfest, auf das sie sich schon lange freuten.

Premieren-Besucher

Für Jacqueline (46) und ihren Ehemann Stefan ist der Besuch eines fränkischen Weinfests Premiere. Jan (44) dagegen war schon dreimal beim Volkacher Spektakel. Seine Tante und sein Onkel wohnen in der Weinstadt unweit vom Festplatz – eine ideale Konstellation für den gebürtigen Berliner, der 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt in Wandlitz lebt. Der verheiratete Familienvater hatte die Idee für die Tour. „Erst wurde ich von den anderen in der Familie belächelt. Das hat mich noch mehr angespornt,“ schildert Jan. Weil seine Frau ihn nicht alleine losfahren lassen wollte, suchte er Partner für die Radl-Reise. Er fand sie in seinem Arbeitskollegen Stefan und dessen Frau. Als Busfahrer sitzt der 47-jährige Stefan Buss viel im Alltag und hat weniger Bewegung als seine Begleiter, die als Kfz-Schlosser und Erzieherin tätig sind. „Ich war der Schwächste auf der Tour,“ gibt Stefan kleinlaut zu und zollt seiner Frau ein dickes Lob. Dass die Erzieherin täglich mit dem Fahrrad in den Kindergarten fährt, hat sich bei der Radltour als enormer Vorteil herausgestellt. Kontinuierliches Training zahlt sich eben aus, auch bei Jan. Er fährt jeden Tag gut 40 Kilometer mit dem Bike zur Arbeit.

Ein ganzes Jahr hat Jan die Tour vorbereitet, die Tagesetappen geplant und die Übernachtungsbetriebe gebucht. „Egal in welcher Region wir Halt gemacht haben, wir haben nur nette Leute getroffen,“ schwärmt Jacqueline von einzigartigen Begegnungen entlang der Strecke und in den Gasthöfen. Von Berlin aus ging es über Spandau, Potsdam, Dessau, Naumburg, den Ilm-Radweg und den Rennsteig im Thüringer Wald bis an den Main. Mit 200 Kilometer war die erste Tagesetappe der dickste Brocken der Tour. Obwohl es anfänglich regnete, gaben Jacqueline, Jan und Stefan nicht auf. Auch ein Sturz und ein paar Schürfwunden konnten Stefan nicht bremsen. Gut zehn Stunden pro Tag saßen sie auf dem Sattel und traten in die Pedale. Am Finaltag ließ das Trio nur noch 80 Kilometer hinter sich. „Wir wollen heute Abend ja nicht ausgepowert auf das Weinfest gehen und nicht schon nach zwei Schoppen umkippen,“ scherzt Jan. Und Jacqueline bereut keinen einzigen Kilometer: „Vor allem die Berge waren eine große Herausforderung. Wir haben es geschafft, auch wenn mein Hinterteil ganz schön weh tut.“