So manches Mal kommt die Tagesordnung einer Ratssitzung so schlank daher, dass die Wahrscheinlichkeit einer interessanten Berichterstattung gegen Null tendiert. Doch dann entwickelt sich alles ganz anders. So geschehen am Donnerstag im Bauausschuss in Dettelbach, wo es vom Möbelgroßhandel über einer Imbissbude im Container bis hin zum Biber und dessen Schwanz als Dacheindeckung ging.

Dreckige Straßen

Das Gewebegebiet Mainfrankenpark ist in etliche Parzellen aufgeteilt – in jeder dieser Parzellen darf nur eine bestimmte Nutzung verwirklicht werden. Die Parzelle 9 ist für „Großhandel“ reserviert. Ein Schweinfurter Möbelgroßhändler möchte dort neben einer rund 1800 Quadratmeter großen Lagerhalle ein vierstöckiges Gebäude mit je rund 2000 Quadratmeter Ausstellungs- und Bürofläche bauen. Einziges Manko: Vier- bis sechsmal pro Jahr soll dort ein einwöchiger „Restposten-Abverkauf“ an Endverbraucher stattfinden – was nun eigentlich Einzelhandel ist. Die Räte sahen's positiv für die „Endverbraucher“ und gestatteten eine Befreiung.

Schon seit dem Jahr 2010 gab es auf dem Grundstück Bamberger Straße 26 eine Baugenehmigung für eine Imbissstube – doch war die Nähe der Bundesstraße immer ein Problem. Das wird jetzt durch einen Imbisscontainer gelöst, denn bei dem handelt es sich nicht um ein dauerhaftes Gebäude.

Es gibt sie immer wieder – die Bauern, die einen Feldweg verschmutzen und sich einen Dreck um die Hinterlassenschaften scheren. So einen Spezialisten gibt es nun wieder im Raum Dettelbach, wie Ratsmitglied Michael Hartmann in der Sitzung monierte. Die Verwaltung ist weitgehend hilflos – solange die Verkehrssicherheit nicht auf dem Spiel steht, kann sie nur einen Brief mit der Aufforderung der Straßenreinigung schreiben. Bis sich dann Handlungsmöglickeiten, etwa Säuberung durch den Bauhof auf Rechnung des Verursachers, ergeben, vergeht so viel Zeit, dass ein gnädiger Regen Fakten geschaffen hat. Hartmann wusste allerdings von einem Fall in Repperndorf, bei dem die Stadt Kitzingen mit einer Dreitagesfrist erfolgreich war. Dettelbachs Verwaltung will sich kundig machen und berichten.

Ratsmitglied Ernst Plannasch hat ein ganz anderes Problem: Den Biber. In seinem Gartengrundstück in Richtung Brück hat sich der fleißige Baumeister breit gemacht, dort einen ausgetrockneten See wieder geflutet und einen guten Teil der Obstbäume gefällt. „Das gibt 'ne riesige Seenlandschaft“ bilanzierte Plannasch und zeigte sich schwer beeindruckt von der Schaffenskraft des Nagers. „Der Kollege Biber ist ja nicht neu hier“ sagte Bürgermeisterin Christine Konrad und berichtete von Erfahrungen, etwa der Drainage des Biberdamms mit Rohren, um die Wasserhöhe in Grenzen zu halten. Das müsse aber öfters kontrolliert werden, der Biber sei ja nicht doof und würde immer wieder versuchen, das Rohr zu verstopfen.

Erleichterte Bauwerberin

Schließlich ging's dann noch um des Bibers Hinterteil, den Schwanz in Form von Dachziegeln, auf einem Haus in der Falterstraße. Grundsätzlich natürlich prima, doch wollten die Bauwerber den Ziegel matt engobiert, was der Gestaltungssatzung widerspricht. Denn eigentlich glänzen engobierte Dachziegel, aber das ausgewählte Modell ist mit einer matten Oberfläche versehen. Deswegen sahen's die Räte nicht so eng und genehmigten eine Befreiung.

Was wiederum bei der anwesenden Bauwerberin für Erleichterung sorgte: Das Dach kann jetzt ordentlich geschlossen werden. Fast hörte man den Stein der Erleichterung plumpsen – oder war's gar ein ganzer Biberschwanz?