VOLKACH

Vom Winzer zum Wasserwirt

Vor welche Herausforderungen die Winzer in Franken aufgrund des sich vollziehenden Klimawandels stehen und welche Möglichkeiten es gibt, diese Herausforderungen zu meistern, darüber konnten sich die Besucher des von der Vinaqua Volkach veranstalteten Winzerfrühschoppens zum Thema „Klimawandel in Unterfranken – Anpassungskonzepte für die Traubenerzeugung/Weinbau an der Mainschleife“ informieren.
Im Pufferbecken am Fuße der Volkacher Weinlage Maria im Weingarten sammelt sich Regenwasser, das zur Bewässerung von 30 Hektar Rebfläche dient. Foto: Foto: Renate Reichl

Vor welche Herausforderungen die Winzer in Franken aufgrund des sich vollziehenden Klimawandels stehen und welche Möglichkeiten es gibt, diese Herausforderungen zu meistern, darüber konnten sich die Besucher des von der Vinaqua Volkach veranstalteten Winzerfrühschoppens zum Thema „Klimawandel in Unterfranken – Anpassungskonzepte für die Traubenerzeugung/Weinbau an der Mainschleife“ informieren.

Holger Komischke vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) sagte laut einer Pressemitteilung, dass sich trotz uneinheitlicher Prognosen in verschiedenen Klimamodellen ein gewisser Trend herauslesen lasse: So sei mit einem Anstieg der Temperaturen, einer voraussichtlichen Zunahme der Niederschläge im Winterhalbjahr und einer Abnahme der Niederschläge im Sommerhalbjahr zu rechnen. Hinsichtlich der Veränderungen im Wasserhaushalt sei im Sommer von einer Zunahme von Trockenstresssituationen im Weinberg auszugehen. Weiterhin werde es hinsichtlich der Wasserstände im Main mehr Niedrigwassersituationen im Sommerhalbjahr geben, was Konflikte zwischen Binnenschifffahrt, Industriebetrieben, Landwirtschaft und Gartenbau- und Weinbaubetrieben bei der Nutzung von Mainwasser wahrscheinlich mache.

„Weinbau und Erosion – im Klimawandel“ war das Thema von Dr. Walter Martin (LfU). Sein Fazit: Die Daten der Klimamodelle verweisen auf eine Zunahme erosionswirksamer Niederschläge, die das Erosionsrisiko deutlich erhöhen würden. Dies gelte vor allen Dingen dann, wenn aufgrund von Trockenstresssituationen die effektvollste Bodenschutzmaßnahme, nämlich die Begrünung der Weinberge, nicht mehr realisiert werden kann.

Wie Dr. Hermann Kolesch von der Landesanstalt für Wein- Gartenbau berichtete, seien Auswirkungen des Klimawandels in den Weinbergen nicht mehr zu übersehen: die Trauben reifen früher und Symptome wie Taubewelke und Sonnenbrand an den Trauben treten vermehrt auf. Auch seien holzzerstörende Krankheiten und im fränkischen Weinbau bislang unbekannte Schadinsekten wie die Windenglasflügelzikade (Hyalesthes obsoletus) auf dem Vormarsch. Laut Kolesch befasst sich die Weinbauforschung der Landesanstalt mit der Züchtung trockenheitsverträglicher Unterlagenrebsorten, die Prüfung möglicher Versicherungskonzepte wie beispielsweise Ernteversicherung/Fonds auf Gegenseitigkeit, neu gestartete Forschungsprojekte zu Begrünungspflanzen, Querterrassierung, Frostbekämpfung sowie Aromaoptimierung und Alkoholmanagement bei Weißweinen. Ferner sei in der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU ein „Regionales Entwicklungskonzept Wein 2014 – 2020“ vorgesehen, dass unter anderem auch die Förderung der Infrastruktur für Bewässerung zum Ziel habe.

Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, würdigte die Aktivitäten der Volkacher Winzer als wegweisend, betonte jedoch auch, dass die fränkischen Winzer gemeinsam handeln müssten. Der Verband sei deshalb bemüht, Politiker für die Herausforderungen der Winzer zu sensibilisieren. Darüber hinaus ist der Verband der Auffassung, dass das Amt für ländliche Entwicklung nach Flurbereinigung und Dorferneuerung als dritte Phase „Notwendige Anpassung aufgrund des Klimawandels“ angehen sollte mit dem Schwerpunkt, Tropfbewässerung in den Weinbergen zu ermöglichen.

Wassermanagement der Vinaqua Volkach

Kooperation: Um für die künftigen Herausforderungen aufgrund des Klimawandels gewappnet zu sein, haben die Volkacher Winzer im Jahr 2005 in Kooperation mit der Fernwasserversorgung Franken (FWF) einen neuen Weg eingeschlagen: In einem Pilotprojekt (ca. 30 Hektar) wurde in der Weinbergslage Maria im Weingarten ein Wassermanagementsystem aufgebaut, das 2010 in Betrieb genommen wurde.

Betreiber: Die Genossenschaft Vinaqua Volkach e.G., bestehend aus 45 Winzerbetrieben, die im Projektgebiet einen Flächenanteil von 96 Prozent bewirtschaften.

Ziele: Wolfgang Patzwahl (B.T.W. Büro für Technik und Management im Weinbau sagt: Bei dem Wassermanagementsystem wird Oberflächenabfluss aus den Weinbergen in einem Pufferbecken aufgefangen und in Speicherbecken gebracht, um das Wasser für eine Tropfbewässerung der Weinberge bereitzuhalten. Durch die Möglichkeit der Tropfbewässerung können die Winzer die Weinberge ganzjährig ganzflächig begrünen, was den Nitrateintrag ins Grundwasser und in ganz erheblichem Maße das Erosionsrisiko und die durch Erosionsereignisse verursachten Kosten für die Weinbaubetriebe und in nachgelagerten Bereichen vermindert. Die Investition für dieses Wassermanagementsystem wurde dabei rein privatwirtschaftlich getätigt, so Patzwahl. Die Einführung des Wassermanagementsystems wird darüber hinaus im Rahmen der Innovationsförderung des Bundesamts für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wissenschaftlich begleitet. Die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung zeigen positive Effekte, so dass die Winzer die Bewässerungsfläche auf 100 Hektar erweitern möchten. Die bisher vorhandenen Speicherbecken und Pumpen würden für diese Erweiterung ausreichen. Neu investiert werden müsste in die Versorgungsleitungen zum Weinberg und in die Tropfschläuche in den Rebzeilen. Einen ersten Planungsentwurf für die Erweiterung stellte Patzwahl vor. Unterstützung erhoffen sich die Volkacher Winzer durch das „Regionale Entwicklungskonzept Wein 2014 – 2020“.