Hannes Herbst ist an diesem sonnigen Wochenende nicht um seinen Job zu beneiden. Eingepackt in einen Schutzanzug, mit Leuchtweste und Mundschutz, steht er auf dem Lkw und sprüht, was die Pistole hergibt.
Zum Schutz der Autofahrer und des Personals, das die Parkplätze und Grünstreifen entlang der Autobahn pflegt, ließ die Autobahndirektion Nordbayern am Wochenende den Eichenprozessionsspinner in ihrem Bereich bekämpfen. Eigentlich hätte die Aktion bis zum Wochenende schon abgeschlossen sein sollen. "Da hat das Wetter aber nicht mitgespielt", erklärt Andreas Hecke von der Würzburger Dienststelle. Denn es darf weder regnen noch zu starker Wind wehen, wenn die Fachleute mit ihren Spritzen unterwegs sind. Am Samstag war das Wetter schließlich geeignet, um den Häutungshemmer Diflubenzuron 80% auszubringen.

Anzeige beim Aufsichtsamt


Sehr zum Leidwesen des Bunds Naturschutz. Dieser hat bereits im März beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Mittelfranken Anzeige gegen die Autobahndirektion erstattet - wegen "erheblicher Verstöße gegen das Chemikaliengesetz und die Gefahrstoffverordnung". Die Naturschützer befürchten die Gefährdung aller Insekten sowie der Autofahrer.
Die Bewertung dieser Vorwürfe und der Stellungnahme der Autobahndirektion sei zwar bereits abgeschlossen, informierte Stefan Zeiler, der Leiter des Gewerbeaufsichtsamts, auf Nachfrage. "Jedoch möchte ich das Ergebnis nicht vorwegnehmen. Der BN wird in Kürze ein Antwortschreiben erhalten." Zeiler bestätigte jedoch, dass die Autobahndirektion ihre Aktion mit dem Amt abgestimmt hat. "Es gab keinen Anlass zu Kritik oder gar einem Verbot."
Laut Hecke sind auch die Naturschutzbehörden einbezogen worden. "Die Gefahr, die vom Eichenprozessionsspinner ausgeht, ist wesentlich größer als die Nebenwirkungen des Insektizids", bekräftigt der Ingenieur. Für Allergiker seien die Härchen der Raupen sogar lebensbedrohlich. Bereiche mit Raupen-Vorkommen müssten daher behandelt werden. "Wir spritzen ja nicht prophylaktisch, sondern nur da, wo es nötig ist."
Das Gift sei für Menschen zwar nicht sehr gefährlich, trotzdem sollte man nicht unmittelbar damit in Kontakt kommen. Deshalb müssen die Fachfirmen strenge Vorschriften einhalten: So wird beim Spritzen von Diflubenzuron unter anderem ein Mindestabstand von 100 Metern zu Naturschutz- und Wasserschutzgebieten sowie zu Gewässern eingehalten. Die Parkplätze bleiben für mindestens 48 Stunden gesperrt.
Zusätzlich testet die Behörde auf Raststätten, wo der Publikumsverkehr nicht gänzlich unterbunden werden kann, einen biologischen Wirkstoff aus dem Öl eines Baumes, so genanntes Neemöl. Die befallenen Stellen an den Rastanlagen Haidt und Steigerwald werden erst im Laufe dieser Woche damit behandelt, da die Spritze dafür umgerüstet werden muss. "Wir wissen noch nicht, wie erfolgreich dieser Stoff ist, aber bei ihm gibt es keine Sperrfrist", sagt Hecke. Ergänzend würden Gespinnstnester in Eichenbeständen auch von Hand abgesammelt.
Während der Aktion begutachtet die Autobahndirektion außerdem die Eichenbestände an der Strecke. "Wo wir Raupen finden, wird in einem zweiten Durchgang auch entlang der Strecke gespritzt."
Genug Arbeit also für Hannes Herbst und seine Kollegen von der beauftragten Firma. Immer wieder dirigiert er den Fahrer des Lkw an die kritischen Stellen auf den Parkplätzen, stellt die richtige Höhe des Gebläses ein und nimmt die Spritzpistole in die Hand. Schutzanzug und Mundschutz kann er trotz der Hitze erst am Abend ablegen.