Der Ausbruch der Corona-Pandemie, verbunden mit den Ausgangsbeschränkungen, überschattete die Kommunalwahlen im März. "Ich habe mein Traumergebnis gar nicht genießen und richtig feiern können", sagt Markt Einersheims Bürgermeister Herbert Volkamer, der die schweren Einschnitte für Kommunalpolitiker und Gesellschaft bedauert. Mit 98,9 Prozent bei seiner Wiederwahl avancierte der 61-Jährige zum Prozente-König unter den Landkreis-Bürgermeistern und durfte die Top-Quote als Bestätigung seiner Arbeit werten.

Statt Feiern stand für ihn Handeln auf dem Programm. Die Folgen der Corona-Pandemie halten ihn bis heute auf Trab. Gemeinderatssitzungen in die Mehrzweckhalle verlegen, geplante Veranstaltungen absagen, mit dafür sorgen, dass in Kindergarten und Schule alles gemäß den rigiden Vorschriften laufen kann, und viel Arbeit auf sich nehmen, um Ende Juni das Terrassen-Bad öffnen zu können – da blieb Volkamer keine Zeit, sich auf dem Wahlerfolg auszuruhen.

Vogelsang-Balkon und Wengertshäuschen begeistern

Gut, zurückgelehnt hätte sich Volkamer auch ohne Corona nicht, er ist ein Macher. Der sichtbarste Erfolg seiner Arbeit ist das generalsanierte Schwimmbad als ganzer Stolz der "Enerschmer". Er war auch einer der Wegbereiter zum Neubau und Umbau am Alten Kindergarten für den Sitz der Diakoniestation und der Tagespflegeeinrichtung. Hatten die Einersheimer schon ihren Traumrunden-Premium-Wanderweg mit dem Vogelsang-Balkon eingeweiht, gibt es in diesem Jahr erneut Grund zur Freude. Denn der ehemalige Chef der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, Hermann Kolesch, war von der Aussichtsplattform oberhalb der Weinberge derart begeistert, dass er den Vogelsang-Balkon im Duett mit dem alten Wengertshäuschen zum terroir-f-Punkt, zu einem der magischen Aussichtspunkte im Fränkischen Weinland erhob. Auch wenn die Traditionskirchweih in diesem Jahr ausfallen muss, wollen die Markt Einersheimer am Kirchweihwochenende wenigstens den terroir-f-Punkt einweihen.

Ganz oben auf der Agenda des Gemeinderats und der Binnwerk'schen Stiftung als Kindergartenträger steht auch die Erweiterung des Hauses der Kinder. Das Projekt für zwei zusätzliche Kinderkrippen-Gruppen mit geschätzten 900 000 Euro Baukosten soll möglichst bis September kommenden Jahres bezugsfertig sein. Im Ortskern tut sich auch etwas, denn im Würzburger Tor soll ein Heimatmuseum mit der Darstellung der Grafengeschlechts und der Kirchweihtradition Einzug halten. In Sichtweite des Rathauses wird auch das Anwesen Marktplatz 1, das Ehrenbürger Nikolaus Knauf der Gemeinde vermacht hat, saniert. Für das Einzeldenkmal, das zum Haus der Dorfkultur umgebaut wird, fließt eine Förderung von 79 Prozent vom Amt für ländliche Entwicklung.

Ebenfalls auf der To-Do-Liste stehen in diesem Jahr die Dachsanierung am Feuerwehrhaus und die Erneuerung der Laufbahn am Sportplatz. In naher Zukunft muss auch die Friedhofs-Problematik gelöst werden, da im alten Teil des Friedhofs keine Erdbestattungen mehr möglich sind. Deswegen soll hinter der Aussegnungshalle ein neuer Bereich für Erdbestattungen entstehen.

Dorfgemeinschaft und Ehrenamt pflegen

"Wir müssen hellwach sein und sich bietende Chancen mit allem Nachdruck ergreifen", beschreibt Volkamer seine Strategie zur Weiterentwicklung der Gemeinde. Doch beschäftigt er sich mehr mit dem Status Quo Markt Einersheims. Er findet: "Wir sind gut ausgestattet mit unserer Infrastruktur." Zugleich liegt sein Augenmerk darauf, "das heutige Niveau zu halten". Es gelte, die überaus intakte Dorfgemeinschaft zu pflegen, die Vereine und das ehrenamtliche Engagement in der Bevölkerung zu fördern, um Markt Einersheim so lebens- und liebenswert zu erhalten, wie es sich heute darstellt.

Wie beschrieben, hält der Bürgermeister nichts von Luftschlössern und ist Realist. Doch ist er davon beseelt, zwei Ziele erreichen zu können: das Unternehmen Fritsch im Dorf zu halten und wieder eine Hausarztpraxis in die Vogelsang-Gemeinde zu bekommen.