Beschlossen ist noch nichts, aber nun ist die Marschrichtung klar: Volkach will sein marodes Freibad grundlegend sanieren. Daran äußerte bei der Sondersitzung des Stadtrates am Montagabend niemand Zweifel. Unklar blieb während des langen Abends jedoch, auf welche Technik die Volkacher setzen wollen. Zur Wahl stehen die konventionelle Wasseraufbereitung mit Chlor oder die biologische Variante, bei der ein Schilfbeet das Freibadwasser reinigt.

Um das zu klären, hatte Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU) mehrere Experten zu der Sondersitzung eingeladen. Da war Beate Rudelgast, den Volkachern von der Sanierung des Hallenbads bekannt, bei der sie die Projektsteuerung innehatte. Nun war ihr Job, die Stadt Volkach beim Fördermanagement zu unterstützen. Denn bekanntlich kann Volkach auf Unterstützung vom Bund (1,4 Millionen Euro) und vom Freistaat Bayern (1,6 Millionen Euro) hoffen. Das ist ein ordentlicher Batzen, macht die Planung aber um einiges komplexer. Denn wer nicht nach der Pfeife der Fördergeber tanzt, bekommt kein Geld. Noch dazu gelten bei Bund und Land unterschiedliche Spielregeln.

Förderantrag bis Ende Oktober stellen

Und eine Vorgabe des Bundes lautet, dass die Projektstelle bis Ende Oktober gerne den Förderantrag hätte. Und dafür muss sich der Stadtrat jetzt eben für eine grundlegende Richtung entscheiden. Mehrere Möglichkeiten, wie ein saniertes Freibad aussehen könnte, das weiterhin mit Chlor betrieben wird, stellten Robert Störr und Udo Wick von Fritz Planung vor. Das Büro hatte bereits 2017 eine Studie zur Erneuerung der Becken  erstellt. Diese haben die Planer nun aktualisiert. Sie setzen dabei auf Edelstahl, da eine Folienlösung erfahrungsgemäß nicht so haltbar sei.

Eine solche präsentierten anschließend Leonie Pfaff und Werner Schierl von Eko-Plant. Die Firma saniert Bäder im Bestand und nutzt dafür Kunststoff-Folien aus flexiblen Polyolefinen (FPO). Schierl warb mit einer Kostenersparnis in der Umbauphase, niedrigeren Betriebskosten und vor allem dem Verzicht auf Chemie. Denn bei dem System reinigt ein Schilf-Sand-Filter mit einem Durchmesser von 2,5 Metern das Wasser. Dieser könnte auf einem Teil der großen Liegewiese hochwassersicher platziert werden.

"Es gibt keine Frösche in den Becken."
Werner Schierl, Ingenieur von Eko-Plant

Wegen des Verzichts auf Chlor sei eine andere Freiheit in der Gestaltung mit Sand und Holz möglich. Das ermögliche ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, etwa mit einem Sandstrand am Nichtschwimmerbecken. Dennoch sei es einem klassischen Freibad sehr nahe, betonte Schierl, da die bepflanzte Bereiche außerhalb liegen: "Es gibt keine Frösche in den Becken."

Mehrere Stadträte hakten anschließend bei dem Ingenieur zu Details nach, wie Andrea Rauch (Grüne) in puncto heißen Sommern und Tauglichkeit des Systems. "Ab 25 Grad muss man gegenkühlen", sagte Schierl. Das sei aber ebenso wenig ein Problem wie die Wasserhärte, nach der Herbert Römmelt (FWG) gefragt hatte. Die Kalkplatten müssten im Herbst von den Beckenwänden entfernt werden. Insgesamt müsse man bei dieser Art der Wasserreinigung mehr putzen, doch das sei in den Betriebskosten eingerechnet.

Großer Zahlensprung verwirrt Stadträte

Verwirrung entstand allerdings angesichts der unterschiedlichen Zahlen, die Beate Rudelgast und Werner Schierl nannten. Während sich die Kostenschätzung für die Eko-Plant-Variante in ihrer Tabelle auf über sieben Millionen Euro belief, rechnete Schierl für Volkach mit höchstens 5,5 Millionen Euro inklusive der Sanierung der Gebäude. "Wir haben von unseren 15 Bädern noch keines für über sieben Millionen Euro gebaut", fügte er hinzu.

Mehrere Stadträte äußerten Unverständnis ob des Zahlensprungs und bemängelten die Vergleichbarkeit. "Die halbe Fläche in Edelstahl ist günstiger als das doppelte im Naturbad?", fragte Mathias Krönert (FDP). Auch für Stephan Dinkel (CSU) war das eine grundlegende Frage: "Will ich ein kleines Becken oder ein Naturbad mit Strand?" Genau diese Frage müssen alle Volkacher Stadtratsmitglieder beraten und in einer kommenden Sitzung beantworten, damit der Förderantrag für die Bundesmittel rechtzeitig gestellt wird.

Für die teurere Naturbad-Variante sprach sich abschließend Tanja Langer vom Förderverein Volkacher Bäder aus. "Wir wollen die Leute vom Main wieder ins Freibad kriegen." Der Sandstrand biete neue Spielräume und die größere Beckenvariante sei besser: "Wir brauchen die Fläche, auch wegen Corona."

Fünf Sanierungsvarianten des Freibads

Beate Rudelgast hat für die Stadt Volkach eine Kostenschätzung erstellt, um die Sanierungsvarianten des Freibads vergleichbar zu machen. Zudem lag ihr Fokus vor allem darauf, die bestmögliche Förderung herauszufinden. Die ersten vier Varianten sehen eine Ausführung in Edelstahl und die Wasseraufbereitung mit Chlor vor. Bei der fünften Option wird das Wasser per Schilfbeet gereinigt und die gefliesten Becken mit einer Kunststoff-Folie verkleidet. Auch die Betriebskosten der Varianten unterscheiden sich:
1. Sanierung im Bestand: 7,31 Millionen Euro geschätzte Kosten, Wasserfläche bleibt gleich bei gesamt rund 1800 Quadratmetern.
2. Reduzierung der Wasserflächen: 5,72 Millionen Euro, Wasserflächen der beiden Becken jeweils halbiert (900 Quadratmeter). Fördermittel-Prognose: 2,16 Millionen Euro; Restbetrag Stadt: 3,56 Millionen Euro.
3. Kombibecken: 5,35 Millionen Euro, Umbau des Schwimmerbeckens zum Kombibecken (Wasserfläche 770 Quadratmeter), Rückbau des Nichtschwimmerbeckens. Fördermittel-Prognose: 2,06 Millionen Euro; Restbetrag Stadt: 3,29 Millionen Euro.
4. Neubau des Freibads: 9,30 Millionen Euro. (Kostenschätzung des Neubaus nur nötig als Vergleichsrechnung für den Förderantrag).
5. Eko-Plant- Becken: 7,38 Millionen Euro, zwei Becken bleiben, Wasserfläche knapp 1600 Quadratmeter. Fördermittel-Prognose: 3,10 Millionen Euro; Restbetrag Stadt: 4,28 Millionen Euro.
Quelle: bh