Es mag ein hehres Ziel sein, das Politiker aller Parteien angesichts der Corona-Pandemie empfehlen: Urlaub in Deutschland sei heuer wohl die beste Wahl. Doch dieser war auch vor der Krise schon beliebt;  touristisch hat im Landkreis Kitzingen bekanntlich die Mainschleife die Nase vorn. Allen voran Volkach bereitet sich darum auf einen Ansturm an Gästen ab dem kommenden Pfingstwochenende vor. Welch hartes Stück Arbeit ein solches Konzept ist, war am Montagabend bei der Sitzung des Volkacher Stadtrates zu erleben.

An die 30 Zuhörer fanden den Weg in die Mainschleifenhalle, wo reichlich Platz ist, um coronabedingte Abstände einzuhalten. Genau das ist allerdings das Problem in der Altstadt. Fast zwei Stunden lang schienen die Stadträte um jeden Quadratmeter zu ringen, nachdem Tourismus-Chef Marco Maiberger die Ideen detailliert vorgestellt hatte. Wo können weitere Fahrradparkplätze angelegt werden? Wo könnten statt Autos Tische stehen, um die Besucher den Vorgaben entsprechend bewirten zu können? Und wie kann verhindert werden, dass sich am Marktplatz die Leute nach dem Schoppengenuss zu nahe kommen?

"Wenn einer fünf Eis isst, ist er noch ansprechbar. Nach fünf Schoppen nicht mehr."
Volkachs Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU)

Um diese Fragen kreiste eine stellenweise ausufernde Diskussion. Fast jedes Stadtratsmitglied hatte zu diesem Thema etwas zu sagen. Uwe Koßner (CSU) betonte: "Wir gehen vollkommen konform mit der Verwaltung; man sollte es probieren." Peter Kornell (FWG) forderte kurz und pragmatisch: "Weitermachen, die Leute brauchen Umsatz." Und Moritz Hornung (Grüne) wandte ein, dass sich Gastronomen beschweren könnten, weil das Eis am Brunnen erlaubt bleibe, das Glas Wein aber nicht. Dem entgegnete Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU), dass bei Eis und Kaffee die Aufenthaltsdauer viel geringer sei. Zudem gelte: "Wenn einer fünf Eis isst, ist er noch ansprechbar. Nach fünf Schoppen nicht mehr."

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Vorneweg hatte es eine – freundlich formulierte – Rüge für den neuen Bürgermeister gegeben. Denn das aufwendige Konzept gilt schon seit dem Start der Außengastronomie am 18. Mai. Der Stadtratsbeschluss auf Ausweitung der gastronomischen Flächen als Sondernutzung kommt also mit einer Woche Verspätung. Herbert Römmelt, Fraktionssprecher der Freien Wähler (FWG), zeigte Verständnis für die Ausnahmesituation. Er bat jedoch darum, künftig den Stadtrat vorzeitig per Mail zu informieren, "bevor Tatsachen geschaffen werden".

Leiden Einzelhändler unter der Regelung?

Römmelt störte an dem Konzept, dass viele Parkplätze wegfallen. Vor allem unter der Woche sei das negativ für die Einzelhändler. Seinem Vorschlag, die dafür vorgesehenen Parkplätze nur von Samstagmittag bis Sonntagabend in zusätzliche Gastronomie-Flächen umzuwandeln, schloss sich bei der Abstimmung am Ende aber nur Mathias Krönert (FDP) an. Dieser hatte ebenfalls gemahnt, an die Geschäftsleute außerhalb der Gastronomie zu denken.

Aufgeteilt in vier Beschlüsse stimmte der Stadtrat schließlich für die neuen Regelungen zu Fahrradparkplätzen, dem Bewirtungskonzept am Marktplatz und zur Gastronomie entlang der Hauptstraße. Einig war sich das Gremium, dass all diese Ausnahmen ebenso lange gelten wie die Corona-Vorgaben. Zudem folgte der Stadtrat einem Antrag der Grünen, die Sondernutzungsgebühr für Gastronomen für das komplette Jahr zu erlassen. Bisher galt das nur bis 30. Juli. Einzig Barbara Nikola-Bier (SPD) stimmte dagegen. Sie hatte zuvor zu bedenken gegeben, dass die Stadt in der ersten Jahreshälfte bereits auf 11 000 Euro verzichtet habe und viele andere auch unter der Pandemie litten.