Laden...
Volkach

Volkach: Ingrid Dusolt ist zurück – im Streitmodus

Sie kämpft noch immer mit den Folgen ihrers Horrorunfalls vergangenen August: Doch die Volkacher Stadträtin Ingrid Dusolt ist angriffslustig wie eh und je.
Artikel drucken Artikel einbetten
Volkach (21)
„Werry fränggisch“: Ingrid Dusolt will im Frühjahr ihren Laden am Volkacher Marktplatz wieder eröffnen. Foto: Foto: Ronald Rinklef
+1 Bild

Ingrid Dusolt muss über diese Frage beim Gespräch im Volkacher Café Mahler lachen: Ob sie es nach ihrem schweren Unfall künftig im Stadtrat ruhiger angehen lassen werde? „Nein, bestimmt nicht. Ich kann Ungerechtigkeiten nicht ertragen, werde kämpferisch bleiben.“

Kämpferisch? Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass im Stadtrat Kontroversen zuletzt weniger erbittert, verbindlicher im Ton, geführt worden sein sollen. Doch das ficht die Geschäftsfrau, Motto: Viel Feind, viel Ehr' – nicht an, die sich nach ihrem schweren Unfall am Morgen des 7. August 2016 wieder Schritt für Schritt in die Normalität zurück kämpft. „Es hat mich gefreut, dass mich Bürgermeister Peter Kornell bei meiner Rückkehr an den Ratstisch sehr freundlich begrüßt hat“, so Dusolt, die dort nunmehr wieder munter mitmischt.

Ihre Stadtrats-Agenda

Der bevorstehende Umbau des Geländes rund um den Wohnmobil-Stellplatz, die Hängepartie in Sachen Ratsbegehren zur Umgehung, die unterschiedliche Handhabung bei der Abrechnung von Erschließungsbeiträgen für Eichfelder- bzw. Hauptstraße: Dusolt rattert ihre Agenda flott herunter, ist schon wieder in ihrem Element: im Streitmodus.

Dabei ist der Horrorunfall, als die 55-Jährige mit ihrer sogenannten Ape, einem dreirädrigen Rollermobil des italienischen Herstellers Piaggio, von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt worden ist, noch nicht mal ein halbes Jahr her. Am 9. August, ihrem Geburtstag, lag sie noch im Koma. Zudem hätte die Frau momentan mit der ambulanten Reha eigentlich genug zu tun: Dusolt hat zwei neue Knie bekommen, soll viel spazieren gehen, kann noch nicht länger sitzen, benutzt Stöcke als Gehhilfen.

Trommelfell ist geplatzt

Zudem steht ihr noch eine Operation am Ohr bevor. „Bei dem Unfall ist das Trommelfell geplatzt, wurde zerfetzt. Das wird jetzt künstlich modelliert und eingesetzt.“ Momentan hört sie nicht besonders gut, spricht extrem laut: Bisweilen schauen sich im Café deshalb Leute nach ihr um. Andere begrüßen die Geschäftsfrau freudig: „Ich habe für dich gebetet“, sagt Eine – und wird dafür erst mal innig geherzt.

Dass Ingrid Dusolt noch lebt, verdankt sie der schnellen Hilfe des Notarztes, der von Ochsenfurt mit dem Hubschrauber Christoph 18 zur Unfallstelle geflogen worden war. „Wenn der Mann nicht so gut gearbeitet, so entschlossen gehandelt hätte, wäre ich jetzt nicht mehr hier. Oder in weit, weit schlechterem Zustand.“

Wie beim Schlüsseldienst

Umso mehr ärgert sich Dusolt, als sie während der Zwischen-Reha in Versbach (einem Würzburger Stadtteil) mitbekommt, dass ihre private Krankenversicherung zwar für Feuerwehr, den teuren Hubschraubereinsatz und die Leistungen des Notarztes eintritt, nicht jedoch für dessen Sonntagszuschlag von 240 Euro. „Bei jedem Schlüsseldienst müssen Sie am Sonntag Zuschlag zahlen, für viele andere Dienstleistungen auch. Das ist doch das Normalste auf der Welt.“

Sofort, nachdem sie die Weigerung ihrer Kasse mitbekommen hat, den Betrag zu begleichen, hat sie dem Arzt das Geld überwiesen und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. „Mir war peinlich, dass ausgerechnet er auf sein Geld warten musste. Und es geht mir auch gar nicht um den Betrag, sondern ums Grundsätzliche.“

Einsatz am Wochenende

Da ist sie wieder, die Streitlust: Dusolts Tochter Eva ist selbst beim Roten Kreuz aktiv, beide kennen also die Verhältnisse. „Es muss sich doch niemand wundern, wenn es immer schwerer wird, fürs Wochenende Notärzte oder Sanitäter zu finden. Wenn der alles andere als Familienfreundliche Einsatz nicht entsprechend honoriert wird.“

Dankbar ist Ingrid Dusolt vielen Menschen: Zum Beispiel in der Uniklinik Würzburg, wo sie fünf Wochen im Zentrum für Operative Medizin (ZOM) behandelt wurde. Dann dem AWO-Personal bei der „Zwischen-Reha“ in Versbach, schließlich dem Team der Rehaklinik in Bad Kissingen, wo sie weitere fünf Wochen war. „Weihnachten wollte ich unbedingt wieder daheim sein“, erzählt die 55-Jährige. Seitdem ist sie zur ambulanten Reha in Volkach, macht täglich ihre Übungen und lange Spaziergänge.

Mit Unfallverursacher alles im Lot

Ihr Geschäft („Werri fränggisch“) mit allem, was Touristen so kaufen, will Dusolt im Frühjahr wieder eröffnen. „Mein Glück war, dass der Unfall auf dem Weg zur Arbeit passiert ist. Die Berufsgenossenschaft, über deren Beiträge ich früher oft geschimpft habe, hat sich jetzt als Glücksfall erwiesen.“ Und froh ist die Stadträtin auch, dass sie sich mit dem Unfallverursacher ausgesprochen hat, alles wieder im Lot ist. „Wir kennen uns, sind uns in Astheim oft begegnet.“

Für dessen Versicherung kommt das dicke Ende allerdings erst noch: Die Kosten für Unfall und Fahrzeug-Neuanschaffung werden weitergereicht, hinzu kommen Schmerzensgeld und Verdienstausfall. Und ziemlich sicher auch die 240 Euro Sonntagszuschlag!