Einige Jahre schon ist die Gentechnik in der Landwirtschaft eines der beherrschenden Themen im Landkreis Kitzingen. Nach dem Verbot des Anbaus des genveränderten Mais Mon 810 scheint weitgehend Ruhe eingekehrt. Diese Ruhe allerdings ist trügerisch: Nach wie vor ist genverändertes Soja eines der Hauptfuttermittel in der Landwirtschaft.

Vier Landwirte aus den Landkreisen Kitzingen und Neustadt/Aisch haben sich zusammengeschlossen, um für ihre Betriebe einen gemeinsamen Weg weg von genverändertem Soja zu suchen – und sind auch bereits fündig geworden. Alle vier haben Rinder in ihren Ställen stehen.

Energiefutter und Eiweißfutter – das sind die Hauptbestandteile der Ernährung etwa für leistungsfähige Milchkühe. Das Verhältnis muss ausgewogen sein, um eine optimale Leistung erbringen zu können. Energiefutter ist in unserer Gegend kein Problem: Mais, Rübenschnitzel oder Getreide können die Landwirte problemlos selber anbauen. Anders sieht es mit dem Eiweißfutter aus. Hier ist Sojaschrot nach wie vor die bequemste und billigste Lösung. „Einfach anrufen und bestellen – geliefert wird auf den Hof“, sagt Bernd Hörner, Landwirt aus Kleinlangheim. Doch das „einfach anrufen und bestellen“ hat einen gravierenden Nachteil: Das Gros des Sojaschrots kommt aus Nordamerika, aus Brasilien und aus Argentinien – und wird genverändert angebaut.

Neben Bernd Hörner hatten Georg Dürr (Kaltensondheim), Harald Dennerlein (Wiesenbronn) und Norbert Schenk (Gollhofen) einen Vortrag des Hofkirchner „Landhändlers ohne Gentechnik“ Josef Feilmeier besucht – mit der Folge, sich nach Alternativen zum genveränderten Soja als Futter umzusehen. „Der Vortrag hat uns die Augen geöffnet“, sagt Georg Dürr in einem Gespräch. Denn die vermeintlichen Vorteile des Gen-Sojas schlagen schnell ins Negative um: Diesem veränderten Soja machen Unkrautvernichter nichts aus. Die Folge: Zu Beginn des Anbaus ist deshalb nur wenig Spritzmittel nötig, um unerwünschte Unkräuter aus dem Acker zu bekommen. Doch recht schnell bilden die Unkräuter Resistenzen gegen diese Mittel aus – es muss immer mehr gespritzt werden. Und das wiederum wirkt sich doch auf den Soja aus: Die Leguminose bildet immer weniger Stickstoffknöllchen aus, zum Anbau wird mehr und mehr Dünger nötig – sehr zum Schaden der Umwelt in den Anbaugebieten. Dass der massive Sojaanbau auch soziale Auswirkungen auf die dortige Landbevölkerung hat und zudem die Folgen für die damit gefütterten Tiere zu befürchten sind, waren weitere Argumente nach einer Alternative zu suchen.

Eine Alternative ist, natürliches Soja zu verfüttern. Das gibt es auch im Handel, aber zu einem etwa 25 Prozent höheren Preisen als genverändertes Soja. Für einen wirtschaftlich arbeitenden Betrieb ist diese Differenz zu hoch. Erst nach langem Suchen und Verhandlungen ist es den vier Landwirten gelungen, hier eine Lösung zu finden. Sie müssen allerdings eine komplette Fuhre abnehmen. Jetzt wird auf einen der Höfe geliefert und an die anderen drei verteilt.

Mehraufwand in der Logistik, im Arbeitsaufwand – und auch im Preis. Denn diese Sojasorte kostet immer noch gut 15 Prozent mehr, als genverändertes Sojaschrot. Und für die Milch gibt es, zumindest bislang, den gleichen Preis. Auch wenn das „alternative“ Soja einen höheren Eiweißgehalt aufweist und damit weniger verfüttert werden muss, ein Draufleggeschäft bleibt es doch. Aber es beruhigt das Gewissen. Und gibt Zeit, nach weiteren Alternativen zu suchen. Das Ziel muss sein, da sind sich die vier Landwirte einig, weg vom Import zu kommen. Tatsache ist zwar immer noch: Es ist billiger, genverändertes Soja aus Übersee zu Importieren, als selber Eiweißfutter zu produzieren. Soja, Luzerne (Klee), Erbsen oder Rapsschrot heißen hier die Möglichkeiten. Aber das ist – da sind die vier sich einig – ist aufwändiger und teurer, als „einfach anrufen und liefern lassen“.

Rein wirtschaftlich lohnt sich der Vorstoß der vier Bauern bislang nicht: Die Molkereien zahlen für den Liter Milch keinen Cent mehr. Einzig für Norbert Schenk bietet sich ein Lichtblick: Der hat seinen Vertrag mit der bisherigen Molkerei gekündigt, in einem halben Jahr kann er nach zweijähriger Kündigungsfrist dann wechseln. Und er hat eine kleine Molkerei gefunden, die auf gentechnikfreie Molkereiprodukte setzt und für die Milch auch mehr bezahlt. Einen Cent pro Liter - das würde zumindest den finanziellen Mehraufwand aufwiegen.

Und die anderen drei? Auch hier ist ein Silberstreif am Horizont zu sehen: Die „Bayerische Eiweißinitiative“ des Landwirtschaftsministeriums will ebenfalls weg vom Sojaimport und hat für Forschungsprojekte und eine Beratungskampagne zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Wann hier Ergebnisse erwartet werden können ist aber noch offen.