Das nennt sich erfolgreiche Revanche. Die Fußballmannschaft der Kitzinger St.-Martin-Schule hat das Hallenturnier der unterfränkischen Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung gewonnen. Das Team bezwang im Finale die St.-Nikolaus-Schule Marktheidenfeld/Lohr und darf sich mit dem Titel „Unterfränkischer Meister“ schmücken.

Die Entscheidung fiel im Siebenmeterschießen (4:3), nachdem in der siebenminütigen Spielzeit beiden Mannschaften kein Treffer gelungen war. Vor einem Jahr bei der ersten Auflage des Turniers hatten sich die Kitzinger nach einer Niederlage im Endspiel, das ebenfalls im Siebenmeterschießen beendet wurde, noch mit dem zweiten Rang begnügen müssen. Auch damals hieß der Gegner Marktheidenfeld/Lohr.

„Sport kann eine gute Brücke sein, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam aktiv sind.“

Jürgen Baier, Konrektor an der St. Martin-Schule in Kitzingen

Für die St.-Martin-Schule war der Erfolg noch aus einem anderen Grund ein besonderer: Die Schule hatte den Wettbewerb mit neun Mannschaften aus Unterfranken in der Kitzinger Sickergrundhalle selbst organisiert. „Es ist umso schöner, dass wir als Gastgeber Meister geworden sind“, sagte Konrektor Jürgen Baier, der auch die Schulmannschaft trainiert.

„Das beflügelt die Atmosphäre, lässt klassenübergreifend ein Wir-Gefühl entstehen, weil wir gezeigt haben, dass wir als relativ kleine Schule ein Turnier gewinnen und das Ganze auch noch organisieren können.“ Euphorisch war die Stimmung bereits in der Halle, wenn die Kitzinger ein Tor erzielten.

Die Organisatoren um Konrektor Jürgen Baier und Erzieher Mario Schmidt hatten die Veranstaltung breit aufgestellt und sämtliche 90 Schüler der St.-Martin-Schule in den Ablauf einbezogen: Wer nicht zur Mannschaft gehörte, half beim Aufbau und Abbau, an den Verpflegungsständen oder kümmerte sich um die Durchsagen in der Halle. Und selbst die Kleinsten hatten während des vierstündigen Turniers ihre Aufgabe: Als Fan auf der Tribüne galt es, die eigene Mannschaft anzufeuern. 200 Spieler, Betreuer und Zuschauer kamen an diesem Tag in den Sickergrund. „Mich hat besonders gefreut, dass etliche Leute da waren, die nicht zum Schulumfeld gehörten“, sagte Baier. „Das stärkt die öffentliche Wahrnehmung, dass auch Menschen mit Behinderung gut Fußball spielen können.“

Schon vor 13 Jahren kam Baier die Idee, im Sommer Turniere für die unterfränkischen Förderschulen auszurichten. Sein Kollege Burkhard Wagner von der St.-Nikolaus-Schule Marktheidenfeld/Lohr brachte den Kick vergangenes Jahr erstmals in die Halle, wo sich der Wettbewerb ebenfalls etablieren soll. Probleme, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, hatte Baier bisher noch nie: Zu Beginn jedes Schuljahres kommen über 30 Schüler zwischen zehn und 17 Jahren zu den wöchentlichen Fußballstunden, um in die 17 Spieler starke Mannschaft aufgenommen zu werden. „Es gilt der Leistungsgedanke“, gibt Baier zu verstehen. Doch aussieben müsse er kaum: „Die meisten merken selbst, wenn es für sie zu schwierig ist.“ Die Chance, im folgenden Jahr nachzurücken, bleibt.

Das große Interesse am Fußball in der Schule hat dazu geführt, dass es künftig zwei nach Alter gestaffelte Teams geben wird – und einen weiteren qualifizierten Trainer: Erzieher Mario Schmidt ist immerhin Landesliga-Spieler bei den Kitzinger Bayern. Drei Akteure aus der Mannschaft der St.-Martin-Schule spielen daneben selbst in den Vereinen ihrer Heimatorte.

„Sport kann eine gute Brücke sein, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam aktiv sind“, sagt Jürgen Baier, der es gerne sähe, gäbe es einen Schulsportwettbewerb mit gemischten Mannschaften, ein Miteinander von beeinträchtigen und nicht-beeinträchtigen Jugendlichen. „Gegen Mannschaften anderer Schularten hätten wir keine Chance“, ist sich Baier sicher. „Dafür sind wir einfach zu heterogen.“

Immerhin bestehen bereits auf anderer Ebene Berührungspunkte, die den pädagogischen Ansatz zu mehr Vielfalt in der Bildung fördern: Seit zwei Jahren ist das Kitzinger Armin-Knab-Gymnasium Kooperationsschule der St.-Martin-Schule, was zu verschiedenen gemeinsamen Projekten, unter anderem im Sport, geführt hat. Beim Turnier im Sickergrund waren deshalb vier Abiturienten als Schiedsrichter im Einsatz.

Endstand: 1. St.-Martin-Schule Kitzingen, 2. St.-Nikolaus-Schule Marktheidenfeld/Lohr, 3. Christophorus-Schule Würzburg, 4. Richard-Galmbacher-Schule Elsenfeld, 5. Franz-von-Prümmer-Schule Bad Kissingen, 6. Franz-Ludwig-von-Erthal-Schule Haßfurt, 7. Herbert-Meder-Schule Unsleben, 8. Katharinen-Schule Fuchsstadt, 9. Franziskus-Schule Schweinfurt.