In Ochsenfurt scheiterten die Täter nur aufgrund der schnellen Reaktion des ausgewählten Opfers. Betroffen sind ausschließlich Rentner, die kurz zuvor Bargeld bei ihrer Hausbank abgehoben haben. Unter der Vorspiegelung, Spenden sammeln zu wollen, bedrängen die Täter ihre Opfer und lenken sie dadurch ab. Von dem eigentlichen Diebstahl bemerken die Geschädigten meist nichts.

Opfer wurden zuvor beobachtet

Den Ermittlern der Kriminalpolizei Würzburg liegen inzwischen Hinweise vor, dass die Senioren von einem der Täter bei den Geldabhebungen beobachtet wurden. So wussten die Diebe stets, bei wem sich die Masche lohnen könnte. Bei den inzwischen bekannten Taten agierten die Täter einzeln, zu zweit oder zu dritt.
Wollten die Rentner nach dem Verlassen der Bank mit ihren Autos weg fahren, wurden sie von einer Frau oder einem Mann aufgehalten und zu einer Spende für schwerbehinderte Menschen aufgefordert. Die Unbekannten gingen dabei recht aggressiv vor und bedrängten ihr Opfer. Nur in einem Fall variierten die Täter ihr Vorgehen.

In Karlstadt wurde am Dienstagmorgen ein 80-Jähriger nach einer Geldabhebung von einem etwa 175 Zentimeter großen und ca. 50 Jahre alten, schlanken Mann angesprochen und nach dem Weg gefragt. Der Rentner war gerade im Begriff, mit seinem Auto los zu fahren. Der Unbekannte, der eine graue Jacke trug, öffnete die Beifahrertüre, beugte sich zu dem Rentner hinein und breitete eine Landkarte aus. Dadurch verdeckte der Mann ein Kuvert mit Bargeld, das der Senior auf dem Beifahrersitz abgelegt hatte. Nachdem sich der angeblich Ortsunkundige entfernt hatte, musste der 80-Jährige den Verlust seines Geldes feststellen.

Aggressives Auftreten

Am Mittwochvormittag wurde ein 76-Jähriger in Dettelbach von einer etwa 40 Jahre alten schlanken Frau angesprochen und in aufdringlicher Art und Weise zu einer Spende aufgefordert. Auch in diesem Fall hatte der Rentner gerade Geld bei seiner Hausbank abgehoben und wollte in seinen Pkw einsteigen. Die gebrochen Deutsch sprechende und etwa 160 Zentimeter große Unbekannte lenkte ihr Opfer durch ihre aggressiv fordernde Art derart ab, dass es ihr gelingen konnte, dem Senior das zuvor abgehobene Bargeld aus der Jackentasche zu ziehen.

Ebenfalls am Mittwochvormittag versuchten es zwei Frauen bei einer 75-Jährigen in Ochsenfurt. Auch in diesem Fall saß die Rentnerin nach einer Geldabhebung bereits wieder in ihrem Fahrzeug und war dabei los zu fahren, als eine etwa 20 Jahre alte Frau die Fahrertüre aufriss und sie mit der Spendenmasche abzulenken versuchte. Die ältere Dame fühlte sich sofort so sehr bedrängt, dass sie ihre Geldbörse öffnete und der vermeintlichen Sammlerin einige wenige Euro in die Hand drückte.

Geistesgegenwärtig reagiert

Als die 75-Jährige danach ihren Geldbeutel auf dem Beifahrersitz ablegte, öffnete eine andere Frau die Beifahrertüre und wollte offenbar nach dem Portmonee greifen. Geistesgegenwärtig legte die Seniorin den Rückwärtsgang ein, setzte ihr Auto zurück und zog die Beifahrertüre wieder zu. Die beiden unbekannten Frauen ließen darauf hin von ihrem Opfer ab. In diesem Fall haben sich für die Ermittler konkrete Hinweise auf einen möglichen dritten Täter ergeben. Hierbei handelt es sich um einen etwa 50 Jahre alten und gepflegt erscheinenden Mann, der zuvor in der Bank aufgefallen war. Die Auswertung der Videoaufzeichnungen der Bankfiliale lassen vermuten, dass dieser Unbekannte die Rentnerin bei ihrer Geldabhebung gezielt beobachtete.

Aus diesen aktuellen Anlässen heraus, rät das Polizeipräsidium Unterfranken:

- Achten Sie bei Geldabhebungen auf ihr Umfeld.

- Ignorieren Sie Ansprachen fremder Menschen, welche nachdrücklich Geldspenden einfordern oder in anderer Weise, der Situation unangemessen, aufdringlich werden.

- Lassen Sie sich nicht überrumpeln.

- Weisen Sie Ihr Gegenüber mit Nachdruck auf Verletzungen ihrer Intimdistanz hin, lassen sie also niemanden zu nahe an sich heran kommen, von dem sie es nicht wollen und äußern sie dies auch.

- Fordern Sie gezielt Passanten auf, Ihnen zu helfen. Meist können Sie erst nach einer konkreten Ansprache tatsächlich Unterstützung erwarten. Hilfreiche Formulierungen können hierbei sein: "Hallo, sie dort mit der braunen Jacke! Bitte helfen sie mir!" oder "Junge Frau! Ja, sie dort mit dem Hund! Helfen sie mir bitte!"

- Informieren sie sofort die Polizei, wenn Ihnen die Situation Unbehagen bereitet und ein krimineller Hintergrund zu befürchten ist. Wählen sie hierzu den Notruf 110. - Auch hier gilt: lieber einmal zuviel angerufen, als einmal zu wenig.