In Wiesentheid in den Zug einsteigen und keine 30 Minuten später entspannt und sicher in Kitzingen am Bahnhof aussteigen. Das erscheint vielen Bürgern im Landkreis als weit entfernte Vision, zumal in Kitzingen mittlerweile die Bahnstrecke entwidmet und die Gleise abgebaut sind. Für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist es dennoch keine Utopie, sondern ein festes Ziel. Er sieht darin ein großes Potenzial.

Der VCD-Kreisverband Mainfranken-Rhön mit seinen Ortsgruppen Schweinfurt und Kitzingen forciert aktuell seine Bemühungen um eine Reaktivierung der Steigerwaldbahn. Neben der Verteilung von Broschüren an alle an der Bahnlinie Kitzingen – Schweinfurt anliegenden Gemeinden hatte der VCD nun auch zu einer Online-Infoveranstaltung eingeladen.

72 Interessierte diskutierten 

72 Interessierte trafen sich vergangene Woche virtuell für zwei Stunden, um sich über den aktuellen Stand in Sachen Reaktivierung auszutauschen. Neben einem grundlegenden Vortrag vom Münsterschwarzacher Benediktiner-Bruder Julian Glienke über den Bedarf an einem umweltgerechten, modernen Mobilitätskonzept für die Region informierte Andreas Witte aus Kitzingen über die grundsätzlichen Phasen einer solchen Reaktivierung. Hier wurde schnell deutlich: Es wäre noch ein langer Weg, bis vielleicht wieder Züge zwischen Schweinfurt und Großlangheim rollen, der aktuellen Endstation im Landkreis Kitzingen.

Im Dialog mit allen Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen der Region sei das Ziel, möglichst alle anliegenden Gemeinden davon zu überzeugen, die Bahnstrecke zu reaktivieren. Eine solch einzigartige Möglichkeit, mit der Reaktivierung die Region aufzuwerten und die Infrastruktur ökologischer zu gestalten, dürfe man nicht wegwerfen, lautete der Tenor aus dem Teilnehmerkreis der VCD-Veranstaltung. Auf die sehr hohen Kosten einer Instandsetzung der rund 50 Kilometer langen Bahnlinie angesprochen, sagte Thomas Vizl aus Gerolzhofen, dass eine Förderung von bis zu 90 Prozent durch den Bund möglich sei. Dies sei ebenso interessant wie die Aussage von Unternehmen, im wahrsten Sinne des Wortes "einzusteigen". Allein die Kosten für die Instandsetzung der Strecke Gerolzhofen – Schweinfurt bezifferte Vizl mit rund 30 Millionen Euro.

Warten auf Ergebnis der Potenzialanalyse

Ein entscheidendes Gewicht wird das Fazit der aktuellen Potenzialanalyse für die Strecke haben. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) prüfte im Auftrag des Freistaates Bayern, ob die Bahnverbindung Schweinfurt – Großlangheim ausreichend genutzt werden würde. Knackpunkt könnte das sogenannte 1000er-Kriterium des Freistaates Bayern sein, also die Vorgabe, dass rund 1000 Fahrgäste pro Tag die Strecke nutzen müssten, um sie als reaktivierungswürdig einstufen zu können. Der VCD erwartet die Veröffentlichung der Analyse in nächster Zeit.

Einen Zeitplan für die Verwirklichung der Vision gibt es noch nicht. Noch seien viele rechtliche und finanzielle Hürden zu nehmen, erklärte Vizl. Allerdings glaubt der VCD fest an die Reaktivierung und wird sich weiterhin dafür engagieren.

Online-Umfrage soll viele Bürger berücksichtigen

Um eine breitere Basis für ein Pro oder Contra Steigerwaldbahn zu bekommen, versucht der VCD aktuell mittels einer Online Befragung das Stimmungsbild der Bevölkerung detaillierter einzufangen. An der Umfrage kann sich bis 6. Februar jedermann beteiligen unter:  https://arcor.limequery.com/887672

Eine Folgeveranstaltung ist für Dienstag, 23. Februar, 20 Uhr, angesetzt, erneut als Online-Konferenz. Interessenten schreiben an die E-Mail-Adresse schweinfurt@vcd.org, um sich anzumelden.