Der Ärger war schon im Kreis-Umweltausschuss  groß gewesen. Jetzt, ein paar Tage später, kochte das Thema im Kreisausschuss noch einmal hoch. Es geht um die geplante Umweltstation des Landkreises, die im Alten Marktstefter Hafen entstehen soll. Ein Prestigeprojekt mit dem Fokus auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Nachhaltig sind derzeit allerdings nur die Negativ-Schlagzeilen.  Grund dafür: Das Vorhaben, das die Stadt Marktsteft als Bauherrin errichten und der Landkreis betreiben möchte, kommt einfach nicht in die Gänge.

Es gibt keinen Bauantrag, ein stichhaltiger Zeitplan fehlt – von einem seriösen Finanzplan ganz zu schweigen. Im Zentrum der Kritik: Marktstefts Bürgermeister Thomas Reichert (CSU), der einiges versprochen, aber noch nichts geliefert hat. Die Kreisräte ziehen deshalb jetzt die Zügel an: Alle drei Anträge müssen bis Ende September vorliegen, so das Ultimatum an die Stadt.

Klar wurde in der Diskussion auch: Wenn Ende September die Vorgaben nicht erfüllt sind, ist Marktsteft aus dem Spiel. Es gebe derzeit zwar noch keinen Plan B, so Landrätin Tamara Bischof, man werde sich jedoch nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen. "Marktsteft muss jetzt liefern!", so die Kreis-Chefin. Abgesehen von der CSU ging der Unmut durch alle Fraktionen. Für die SPD betonte Margit Hofmann, dass es "jetzt positiv weitergehen oder beendet werden muss". Josef Mend (Freie Wähler) pochte auf "verlässliche Zahlen". Für die FDP betonte Hans Müller, man sei "maßlos enttäuscht".

Alles auf Null?

Die nahezu einhellige Meinung: Viele Räte bereuen zunehmend die Entscheidung des Kreistags aus dem Mai 2019, die Umweltstation in Marktsteft einzurichten. Hier die Stimmung noch einmal zu drehen, dürfte eine große Aufgabe für Bürgermeister Reichert in den kommenden Wochen werden. Falls das nicht gelingt und die Vorgaben nicht wie gefordert eingehalten werden, heißt es für das Projekt: Alles auf Anfang, die Sache wird auf Null zurückgedreht.

Klar ist allerdings auch: Der damals unterlegene Mitbewerber Dettelbach käme bei einem Neuanfang nicht automatisch zum Zug. Wie es weitergehen könnte, deutete Tamara Bischof immerhin schon einmal an: Vielleicht müsste man im Falle des Falles darüber nachdenken, die Umweltstation auf einem Grundstück zu errichten, das dem Landkreis gehört.