In graugrüner Jägerkluft sitzt Albert Grebner am Steuer seines Lada und fährt in Richtung seiner Felder am Järkendörfer Ortsrand. Der weiße Vollbart vervollständigt das Bild vom traditionellen Weidmann. Es ist kalt, in der Nacht hatte es Minusgrade, doch jetzt strahlt die Sonne am hellblauen Himmel. "Schöner Tag heute", sagt Grebner, lässt einen Moment verstreichen und fügt beiläufig hinzu: "Aber eigentlich ist jeder Tag schön." Eine lakonische Bemerkung, die auf den Punkt bringt, wie der genügsame Landwirt die Welt sieht. Der 63-Jährige liebt die Natur. Sie ist für ihn Lebensraum, Arbeitsplatz und Erholung zugleich. Und so geht er auch mit ihr um. Erst kürzlich bekam Grebner den Umweltpreis des Landkreises Kitzingen für sein Engagement. 

Lichterketten und alte Reifen auf dem Feld

Seit 33 Jahren ist Grebner ehrenamtlicher Naturschutzwächter der Unteren Naturschutzbehörde.  Als solcher macht er Werbung für Vertragsnaturschutzprogramme bei seinen Jäger- und Bauernkollegen. Zum Beispiel dafür, dass sie ihre Wiesen gegen eine finanzielle Entschädigung erst Mitte Juni mähen, falls dort gefährdete Rebhühner brüten.

Außerdem versucht er als Naturschutzwächter, die Landschaft um Järkendorf ordentlich zu halten. "Illegal abgelegten Müll" soll er dem Landratsamt melden, oft sammele er diesen aber auch einfach selbst auf, erzählt Grebner. Von Lichterketten über alte Reifen bis hin zu Toilettenschüsseln: Der Ur-Järkendörfer hat schon alles Mögliche gefunden. "Die Leute fahren mit dem Auto in die Flur und schmeißen raus, was sie nicht in die Tonne kriegen."

Dass diese Aufgaben nicht von Hauptamtlichen, sondern von Ehrenamtlichen übernommen werden, gibt es laut Grebner nur im Landkreis Kitzingen. Meist sei das Amt des Naturschutzwächters, von denen es in jeder Ortschaft einen gebe, in bäuerlicher Hand. Bert Grebner, dem über 19 Hektar Land gehören, ist von Anfang an mit dabei. "Wir kennen uns besser aus, haben bessere Ortskenntnisse", sagt er über die Vorteile dieses Kitzinger Modells.

Ein ganzes Leben wie Urlaub

Im Vorbeifahren deutet Grebner auf ein Pferd, das einsam auf einer nahegelegenen Weide steht. Es ist einer der beiden Hengste, mit denen er beruflich Holz rückt. Hauptsächlich im Raum Gramschatz übernehme er Aufträge, mit dieser altmodischen, aber Natur schonenden Methode Baumstämme zu transportieren . Da er sich selbst mit Nahrung versorgt, kümmert sich Grebner neben dieser Tätigkeit täglich um rund 50 Tiere, auch Obst und Gemüse baut er an. Außer Brot müsse er sich keine Lebensmittel kaufen. "Dadurch ist man natürlich verwöhnt, was die Qualität betrifft." Wenn er auswärts esse, merke er schon einen Unterschied.

Trotz seines Alters denkt der Selbstständige gar nicht daran, in nächster Zeit die Arbeit ruhen zu lassen: "Ich werde nie in Rente gehen; das blöde Wort will ich gar nicht hören. Solange ich fit bin, wird mein Leben so weitergehen." 

Grebner hat noch nie Urlaub

Ohnehin habe der Vater von zwei erwachsenen Töchtern noch nie Urlaub im klassischen Sinn gemacht. Sein ganzes Leben sei wie Urlaub gewesen, sagt Grebner, der auch  nie aus Järkendorf weggezogen ist. In Bayern komme er trotzdem viel rum. Und zwar als Mitglied der Jägerprüfungskommission. "Das macht mir Spaß." Wenn er über die Jagdprüfung, auch bekannt als das"Grüne Abitur", spricht, spürt man seine Begeisterung – seine ehrliche Freude daran, dass derzeit viele junge Leute wieder mehr über die Natur lernen wollen. 

Grebner stellt das Auto am Rande des Feldwegs ab. Während er von seiner Arbeit erzählt und wie er bald eine 1,5 Hektar große Ackerfläche im Sinne der Artenvielfalt mit Hecken, Feldgehölz und Obstbäumen versehen will, erspäht er gelegentlich Tiere in der Ferne. Dann leuchten seine Augen, er unterbricht seinen Gedanken und beginnt, von der Fauna zu berichten. Ganz egal ob Feldhase oder Wiesenweihe. 

"Das Politische ist nicht so meins."
Albert Grebner, 1. Umweltpreisträger des Landkreises Kitzingen 2018

Bei aller Liebe für die Umwelt ist der markige Landwirt kein Eigenbrötler. Im Gegenteil: Die Liste seiner Ämtern und Funktionen ist lang. So ist Grebner unter anderem Obmann des Bauernsverbandes Järkendorf, Dritter Vorsitzender des Jagdverbandes Kitzingen und Hegeringleiter für den Bereich Wiesentheid. Darüber hinaus mache er leidenschaftlich Musik. Selbstverständlich spielt er das Jagdhorn. 

Und im Prichsenstädter Stadtrat saß Grebner auch schon – für die Freien Wähler. "Ich dachte damals, ich komme gar nicht rein." Doch die Parteikollegen haben nicht locker gelassen. Regelrecht "geplagt" hätten sie ihn damit zu kandidieren. Letztendlich hat es dann auch geklappt. Doch nach fünf Jahren hatte Grebner genug: "Das Politische ist nicht so meins."

Der Jäger und seine Dackel

Grebner weiß, dass er mit seiner Erscheinung und seinem Lebensstil nicht dem Zeitgeist entspricht. Aber er ist stolz darauf, anders zu sein. Das wichtigste für ihn sei, dass "wir die Natur nicht noch mehr zu ihrem Nachteil verändern". Als er den Umweltpreis gewonnen hat , habe er von außen viel positive Rückmeldungen bekommen. In Järkendorf selbst hielt sich das in Grenzen."Die Propheten gelten im eigenen Dorf oft wenig", sagt Grebner leicht selbstironisch.

Als er wieder zuhause ankommt, begrüßt ihn am Zaun schon ein ganzes Rudel Hunde. Darunter auch mehrere Dackel. Diese züchtet er nämlich. Auch das passt perfekt ins Bild. Der Jäger und sein Dackel. Ein Klischee. Dabei ist Albert Grebner alles andere als typisch, er ist ein Original.