Die geplante Umgehungsstraße für Wiesentheid wird den Gemeinderat erneut in seiner Sitzung an diesem Donnerstag, 10. April, beschäftigen. Bürgermeister Werner Knaier hat den Vorschlag des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen näher prüfen lassen, der im Westen der Gemeinde nicht nur die Bahnhofstraße, sondern auch den Ortsteil Feuerbach umfahren würde.

Der Strecke würde von der Kreuzung der Rüdenhäuser Straße beim Gelände der Firma Kräuter Mix etwa entlang der bestehenden, aber nicht mehr genutzten Bahntrasse nach Feuerbach führen und könnte dort am Bahnübergang wieder auf die Straße nach Kleinlangheim stoßen. Damit, so die Meinung der Grünen, hätte auch der Ortsteil eine Entlastung des Verkehrs. Ein Gutachter des für die gesamte Umgehung beauftragten Verkehrsbüros prüfte dieser Tage diesen so genannten „Planfall 6“. Dieser weist allerdings manche Tücken auf. Zum einen bestünden laut Bürgermeister Knaier „große Hürden“ in Bezug auf den Naturschutz, was eine Strecke entlang der Bahntrasse bedeutet.

Sie verläuft nämlich ungefähr auf Höhe des Großen Sees durch ein Naturschutzgebiet. Zudem stehe noch kein exakter Zeitpunkt fest, so Knaier, wann die Bahn die Strecke tatsächlich stilllege und freigebe.

Problem: Verkehr teilt sich auf

Der Fachmann errechnete zudem, dass eine Abstufung der bisherigen Straße zwischen Wiesentheid und Feuerbach zur Ortsstraße eher für eine Zunahme des Verkehrs in Wiesentheids „Verkehrs-Hauptschlagader“ Bahnhofstraße sorgen würde.

Weiteres Problem dabei ist, dass sich der Verkehr aufteilt und beide Straßen von weniger als 2000 Fahrzeugen am Tag passiert werden. Eine staatliche Förderung für eine Entlastungsstraße ist aber derzeit nur möglich, wenn auf der Straße mindestens 3500 Fahrzeuge pro Tag rollen. Im Vergleich dazu stehen bei der Bahnhofstraße 7800 Fahrzeuge.

Im Gemeinderat will Bürgermeister Knaier nun fragen, ob das Gremium eine erneute Berechnung der Feuerbach-Variante möchte, in welcher die Feuerbacher Straße so belassen wird, wie bisher.

Der Gutachter sieht die beste Lösung, um eine größtmögliche Verkehrsentlastung zu erreichen, nach wie vor im kompletten Umgehungsring um den gesamten Ort. Ein Vorschlag, wo dieser verlaufen könnte, liegt bereits grob vor. Ein Korridor, um die Strecke 200 Meter nach Bedarf nach rechts oder links zu verschieben, werde offen gelassen.

Wie Bürgermeister Knaier sagte, stehe die konkrete Planung der Straße noch aus. Sie muss von den Behörden abgesegnet und mit den Beteiligten sowie den Grundstückseigentümern und den Bürgern erörtert werden. Ob der gesamte geschätzte Ring vonnöten sei, werde sich eventuell erst während der Bauzeit der ersten Abschnitte zeigen, so Knaier. Der Bürgermeister hatte das ganze immer wieder als einen Prozess geschildert, der sich nach und nach entwickle. Vor allem die Notwendigkeit einer Verbindung im Norden, von der Reupelsdorfer zur Prichsenstädter Straße, wurde angezweifelt.

Bis zu 8000 Fahrzeuge im Ort

Erste Schätzungen waren von Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro für die Gesamtlösung ausgegangen. Als Beginn ist der Bau der Trasse von der B 286 direkt ins neue Gewerbegebiet Mähling vorgesehen. Von dort soll es über die Rüdenhäuser Straße in Richtung Feuerbach weitergehen. Entlasten will die Gemeinde vor allem die Bereiche im Ortskern mit der Bahnhofstraße und der Neumannstraße, wo derzeit bis zu 8000 Fahrzeuge täglich durchbrausen.